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Von Klopapier, Arschwurzen und lebenden Hühnern

Coronavirus im Kreis Mettmann : Von Klopapier, Arschwurzen und lebenden Hühnern

Wer braucht schon Toilettenpapier? Die Experten des Neanderthal Museums geben Auskunft: So betrieb der Neandertaler die nötige Körperhygiene.

(sue) Durch die derzeitigen Hamsterkäufe gelangte das alltägliche Klopapier zu neuem Ruhm. Doch woher kommt das Toilettenpapier eigentlich und was haben die Leute vorher benutzt? Unsere Redaktion fragte die Fachleute des Neanderthal Museums. Hat auch der Neandertaler schon Blätter oder Moos gehortet?

„Bei den Neanderthalern können wir nur spekulieren, ob und wie die Körperpflege stattgefunden hat“, sagt Melanie Wunsch, Leiterin Ausstellungsmanagement des Neanderthal Museums. „Da Neanderthaler bereits ausgefeilte Werkzeuge, Kleidung und Schmuck gemacht und sich um die Heilung von Verletzungen gekümmert haben, können wir davon ausgehen, dass sie im damals möglichen Rahmen auch Körperpflege betrieben haben.“

Wasser zur Reinigung war vorhanden. „Pflanzenmaterial zum Abwischen kann natürlich auch benutzt worden sein“, sagt Wunsch. Es gibt archäologische Funde im ältesten Salzbergwerk der Welt bei Hallstatt, die vermuten lassen, dass Pestwurzen-Blätter in der Bronzezeit als Toilettenpapier verwendet wurden. Daher wird diese Pflanze noch heute in Bayern auch „Arschwurzen“ genannt. „Die Römer nutzten öffentliche Toiletten“, erzählt Melanie Wunsch. „Dort saßen sie oft in großer Runde und verrichteten ihr Geschäft.“ Toilettenpapier gab es noch keins, aber vor den Latrinen gab es eine kleine Wasserrinne mit fließendem Frischwasser und zu jedem Sitzplatz ein Schwämmchen am Stock. „Das sah vermutlich ähnlich aus wie unsere Klobürste heute“, meint Wunsch. „Man tauchte das Schwämmchen in die Wasserrinne und säuberte sich damit nach seinem Geschäft. Danach reinigte man das Schwämmchen, indem man es wieder in die Wasserrinne hielt.“

Eine antike römische Toilette in Ostia zeigt: Der Toilettengang war zu früherer Zeit ein geselliges Ereignis. Foto: Melanie Wunsch, Neanderthal Museum

In jedem Fall hygienischer als im mittelalterlichen Europa, wo zumeist alte Stoffreste, Moos, Blätter und manchmal sogar lebendes Federvieh als Klopapier benutzt wurden. Wem also das Toilettenpapier ausgeht, könnte es mal mit Wasser versuchen – oder er sollte sich Hühner anschaffen.

Die erste Erwähnung von Toilettenpapier findet sich übrigens in China, wo der Gelehrte Yan Zithui im Jahr 589 schrieb „Ich würde es nie wagen, Papier mit Zitaten oder Kommentaren aus den Fünf Klassikern oder Namen von Weisen darauf für die Toilette zu verwenden.“ Doch nicht alle fanden die Benutzung von Klopapier adäquat. So schrieb ein China-Reisender „Sie sind nicht sehr sorgfältig mit Sauberkeit, und sie waschen sich nicht mit Wasser, wenn sie ihr Geschäft erledigt haben, sondern wischen sich nur mit Papier ab“. Dass wir Toilettenpapier derzeit horten, galt also in anderer Zeit als unhygienisch.

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