Kreis Mettmann: Unternehmer fürchten Handelskrieg

Kreis Mettmann : Unternehmer fürchten Handelskrieg

Strafzölle, verhängt von den USA und Europa, führen zu einer Spirale von Rohstoff-Verknappung und Preissteigerungen.

Ob Erdnussbutter, Jeanshosen oder Orangensaft - seit Freitag werden auf bestimmte US-Produkte Strafzölle der Europäischen Union fällig. Das heißt, die Einfuhr dieser Produkte wird teurer, wenn Amerikaner sie in die EU-Mitgliedsstaaten einführen. Damit reagiert Europa auf US-Zölle für Stahl und Aluminium, die auch europäische Unternehmen zahlen müssen.

Die Unternehmer im Kreis Mettmann sehen diese Entwicklung mit Sorge. "Da es gerade im Kreis Mettmann viele Unternehmen gibt, die Metallprodukte herstellen, müssen wir von einer relativ großen Betroffenheit ausgehen", sagt Gerhard Eschenbaum, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der auch für den Kreis Mettmann zuständigen Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf.

"Wir erleben Preissteigerungen, die auch in unsere Herstellkosten mit einfließen", berichtet Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Monheimer Firma APT Alu Products. In seiner Firma machen sich besonders die Sanktionen der USA gegen russische Unternehmen bemerkbar, die zu einer zeitweisen Einschränkung der Belieferung mit Tonerde geführt hat. Sie ist wichtig für die Metallverarbeitung. "Dieser Verknappungseffekt hat Auswirkungen auf der Metallpreisseite gezeigt", sagt Schäfer.

Auch Alexandra Stampfer, geschäftsführende Gesellschafterin der Haaner Anlagenbau Stampfer GmbH, befürchtet steigende Preise. "Über den Jahreswechsel wird es sicherlich interessant werden, da die Importe aus Russland und China seitens der Europäischen Union bereits durch Quoten geregelt werden - zumindest was den Stahlmarkt betrifft. Hier kann es zu Verteuerungen kommen, wenn die Quoten einen größeren Import verhindern, aber die Nachfrage steigt", glaubt die Unternehmerin.

Auch Michael Kleinbongartz, Inhaber der Hildener Kukko Werkzeugfabrik, beobachtet eine Verknappung von Rohstoffen. "Ihre Preise sind durch die EU verteuert. Denn die hat 2017 entschieden, dass einige chinesische Stähle zu günstig in der EU angeboten werden und daher Zölle auf Importe heraufgesetzt, um die europäischen Hersteller zu schützen. Leider gibt es nicht mehr alle benötigten Stahlsorten aus europäischer Produktion. Das verteuert zum Beispiel unser Produkt Spannzwingen."

Lang anhaltende Effekte befürchtet auch Ralf Kronenberg, Mit-Inhaber der Haaner Eduard Kronenberg GmbH. Denn auch, wenn die Strafzölle in seinem Unternehmen aktuell noch keine Auswirkungen zeigen, so bestehe auf Dauer "die Gefahr, dass sich die US-amerikanischen Kunden zunehmend nach nationalen Alternativen umschauen, da der ,America first'-Gedanke auch beim kundenseitigen Einkauf an Gewicht gewinnen könnte."

Und so nimmt "die Besorgnis täglich zu, zumal sich die handelspolitischen Streitigkeiten auch auf das Verhältnis zwischen den USA und China ausweiten", beobachtet IHK-Experte Eschenbach.

Dass die Europäische Union nun ihrerseits mit Strafzöllen auf die amerikanischen Maßnahmen reagiert, stößt bei den Unternehmern auf Unverständnis. "Drohungen, Kettenrasseln und Rache scheinen an dem amtierenden Präsidenten abzuprallen beziehungsweise ihn noch zu weiteren Maßnahmen zu ermuntern", glaubt Carla Schmees von der Edelstahlwerke Schmees GmbH in Langenfeld. Wichtig sei daher vor allem, "dass die EU in sich geschlossen auftritt und einzelne Länder sich nicht ausspielen lassen". Leider werde die EU jedoch weltweit nicht als Einheit wahrgenommen, so Schmees. Nach heutiger Ausgangslage könne man "einen Handelskrieg leider nicht ausschließen" fürchtet sie. Damit ist sie nicht alleine: "Mit seiner erneuten Drohung in Richtung China hat US-Präsident Trump einen Teufelskreis in Gang gesetzt. Wenn erst einmal der erste Schuss gefallen ist, lässt sich eine weitere Eskalation kaum noch vermeiden. Das ist in Handelskriegen nicht anders als bei militärischen Konflikten. Viele Ökonomen warnen vor wachsenden Risiken für die Weltwirtschaft und nehmen ihre Wachstumsprognosen zurück", sagt Ralf Kronenberg.

Dabei gibt es durchaus Alternativen, sagt Olaf Tünkers, Chef der Ratinger Tünkers Maschinenbau GmbH: "Wir hätten uns gewünscht, dass man weiter eine Politik der Öffnung verfolgt hätte." Man habe gehofft, dass weiter an Freihandelsabkommen gearbeitet werde "und Zölle als ein Instrument der Vergangenheit angesehen werden, die in letzter Konsequenz allen schaden - vor allem den Endverbrauchern."

(arue)
Mehr von RP ONLINE