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Uli Schimschock verlässt die SPD Erkrath und wird Mitglied der Grünen

Parteien in Erkrath : "Wo ich doch vom Herzen her ein Grüner bin"

Nach mehr als 40 Jahren Parteizugehörigkeit hat Uli Schimschock die SPD verlassen. Sein Ratsmandat wird er nicht abgeben, sondern als Fraktionsloser Mitglied im Stadtrat bleiben – und den Grünen beitreten.

Es war der letzte Tagesordnungspunkt der Fraktionssitzung der SPD, aber einer von großer Bedeutung, jedenfalls für Antragsteller Uli Schimschock (67): Größere Veranstaltungen, bei denen Fahrzeuge und/oder Bühnen zum Einsatz kommen, sollten im Morper Park künftig verboten sein, dies möge die SPD im Stadtrat beantragen. In der denkmalgeschützten, idyllischen Parkanlage geht Uli Schimschock seit vielen Jahren gerne spazieren, einst mit der kleinen Tochter, jetzt mit der Enkelin.

Als der naturverbundene ehemalige Eisenbahner, den einige „das grüne Gewissen der SPD“ nennen, bei einem Spaziergang am 23. Dezember sah, wie schwere Lkw über die Parkwiese rollten, eine Bühne und mobile Toiletten aufgebaut, Wohnmobile geparkt und Feuerstellen in die Wiese gesetzt wurden, wollte er seinen Augen kaum trauen: „Das kann doch nicht sein in einem Park, wo selbst Radfahren verboten ist. Das ist kein respektvoller Umgang mit der Natur.“

Wie seine Nachfrage bei der Stadt ergab, war die Veranstaltung, ein Open-Air-Gottesdienst zu Weihnachten, genehmigt. Die Spuren, die damit einhergingen, sind heute noch zu sehen, ärgert sich Uli Schimschock: Die große Wiese sei erheblich beschädigt und die dort vor wenigen Jahren von der städtischen Abfallberaterin gepflanzten Krokusse wohl größtenteils vernichtet worden. Dennoch konnte Schimschock seinen Antrag, der so etwas künftig verhindern sollte, nicht durchsetzen – und war, wie er erzählt, am Ende fix und fertig.

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In seiner Fraktion habe er mit seiner Meinung schon oft alleine dagestanden, vor allem, wenn es um Themen wie Klima, Natur- und Freiflächenschutz gehe. Aber dieses Mal hat ihn die empfindliche Niederlage (5:2 Stimmen) um den Schlaf gebracht, und dann stand am Ende die bohrende Frage: „Was mache ich noch in dieser Partei, wo ich doch vom Herzen her ein Grüner bin?“

Nun wirft man nach über 40 Jahren Parteizugehörigkeit nicht einfach alles hin und wechselt mal eben die Pferde. Der Austritt, der jetzt besiegelt ist, sei ihm schwer gefallen, sein Herz hänge auch noch an der SPD, die er Jahrzehntelang nach Außen vertreten und für die er manche Prügel empfangen habe, das müsse man als überzeugtes Parteimitglied ertragen. Die laufende Ratsperiode, für die er nur noch mangels jüngeren Parteinachwuchses angetreten sei, sei schon aus Altersgründen seine letzte. Aber er will bis zum Ende bleiben und hat nicht vor, sein Ratsmandat wegen des Austritts aufzugeben, wie es die SPD offenbar erwartet.

„In der Gemeindeordnung ist festgelegt, dass ein Mandat an die Person und nicht an die Partei gekoppelt ist“, unterstreicht Uli Schimschock, der als fraktionsloses Mitglied im Stadtrat weiterarbeiten und sich den Grünen (der Partei, nicht der Fraktion) anschließen will, „weil ich als politischer Mensch eine politische Heimat brauche“. Zu tun gebe es reichlich, sagt der gebürtige Düsseldorfer, der sich schon seit den früher neunziger Jahren mit den Klimaveränderungen und den gebotenen Schutzmaßnahmen beschäftigt. Was kann wichtiger sein als eine intakte Umwelt? „Mein lieber Schwan, da kommt etwas auf uns zu. Wir haben nur noch zehn Jahre Zeit, um das in den Griff zu bekommen“, sagt Schimschock.

Weil dies seinem Verständnis nach auch zu lokalem Handeln verpflichtet, hat er, anders als der Rest der SPD, zum Beispiel kompromisslos gegen freiflächenversiegelnde Großprojekte wie die neue Feuerwache auf dem Cleverfeld („Das hätte man auch am alten Standort lösen können“), die weitere gewerbliche Erschließung der Neanderhöhe und das Wohngebiet Erkrath-Nord gestimmt, das ihm viel zu nah an der Düssel (Hochwasser!) gebaut wird.

Auch den – voraussichtlich 80 Millionen Euro teuren – Neubau des Gymnasiums am Neandertal sieht er, was sonst kaum jemand zu äußern wagt, kritisch: „Ein Wahnsinn, das Gebäude ist doch gerade einmal 50 Jahre alt. Abriss und Neubau werden zu einer enormen Umweltbelastung. Und was ist am Ende wichtiger – das Gebäude oder die Pädagogen? Über diese Sachen muss man reden.“