Wülfrath: Über die Bahntrasse radeln

Wülfrath: Über die Bahntrasse radeln

Stadtrat befürwortet die Zwischennutzung als Radweg bis die Circle Line kommt.Die Kosten von 170 000 Euro kann die Stadt nicht tragen. Nun werden andere Geldquellen gesucht.

Wildwuchs soweit das Auge reicht. Von der einstigen Eisenbahnstrecke 2724, die in der Siedlungsgeschichte von Heiligenhaus, Velbert und Wülfrath eine große Rolle spielte, ist nicht viel übrig geblieben. Mit der Still-Legung 1960 (Richtung Kettwig) beziehungsweise 1990 (Richtung Velbert) ist sie aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden. Jetzt soll die Trasse wiederbelebt werden. Zur Zwischennutzung ist der Bau eines Radwegs von Wülfrath nach Heiligenhaus vorgesehen, im Sinne eines Pilotprojektes als „Low-Cost-Radweg“.

Langfristig soll die Bahnstrecke für den öffentlichen Schienenpersonenverkehr, die so genannte „Circle Line“, reaktiviert werden. Die Stadt Heiligenhaus hat vorsorglich die Grundstücke der Bahnstrecke erworben. Dem Stadtrat lag kürzlich ein Papier zur Entscheidung vor, in dem unter anderem stand, die Verwaltung werde beauftragt, mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft über den Erwerb der Bahntrasse zu verhandeln.

Politiker mit Bauchschmerzen

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Der Beschlussvorschlag löste im Rat einige Diskussion aus. Udo Switalski, CDU, laut eigener Aussage ein großer Befürworter der Circle Line, betonte, dass im Haushaltsplan die notwendigen Mittel (170 000 Euro) nicht vorgesehen seien. „Außerdem haben wir gerade beschlossen, Familien mit Kindern zu belasten, um einen ausgeglichenen Haushalt zu bekommen.“ Manfred Twer, WWG/Grüne, sprach gar von Bauchschmerzen, die der Beschluss bei ihm verursache. „Wir können uns das zurzeit nicht leisten.“ Auch er sah einen großen Widerspruch darin, Geld für eine Trasse auszugeben und gleichzeitig Kindergartenbeiträge zu erhöhen.

„Ich gebe Ihnen voll und ganz recht. Es kann nicht sein, hier kaufen, da Beiträge erhöhen“, räumte Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff ein. Die Finanzierung sei nur möglich, wenn für die grob geschätzte Summe von 170 000 Euro andere Quellen ausgemacht werden könnten. Stadtplanungsausschussvorsitzender Axel Welp, SPD, unterstützte Lorenz-Allendorff. „Bereitstellung der Mittel heißt nicht eigene, sondern zu versuchen, die Sache über Drittmittel zu stemmen.“ Es gehe nicht nur um einen Radweg, sondern um die Zukunftssicherung der Trasse. Welp befürchtete Begehrlichkeiten von dritter Seite. „Wenn erst Teile der Trasse veräußert sind, können wir die ganze Sache vergessen.“

Der Rat stimmte mehrheitlich dem Projekt, „Schaffung eines Radweges zwischen Wülfrath und Heiligenhaus auf der zurzeit nicht genutzten Bahntrasse“ zu, mit der Einschränkung, die Finanzierung habe außerhalb des Wülfrather Haushalts zu erfolgen. Um die Bedeutung der Trasse im Bewusstsein der Bevölkerung zu bewahren, soll die Schaffung des Radwegs mit bürgerlichem Engagement verbunden werden. Gedacht ist an Bürger und Vereine, die beispielsweise helfen, die Trasse von Bäumen und Sträuchern zu befreien.

(RP)
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