Mettmann: Tschüss Amtsgericht

Mettmann : Tschüss Amtsgericht

Gestern hat ein Bagger mit dem Abriss des Gebäudes an der Gartenstraße begonnen. Bis Ende nächster Woche wird der Schutt in Containern verpackt und dann im Straßenbau verwendet. Eingangstür wird nach Italien gebracht.

Auf dem Weg in den übernächsten Sommerurlaub könnten die Mettmanner ihrem alten Amtsgericht schon bald wieder begegnen. Aus dem Bauschutt des völlig maroden Gebäudes wird demnächst Straßenbelag hergestellt. Doch bevor sich die Trümmer auf den Autobahnen verteilen lassen, muss das 1910 ursprünglich als Höhere Töchterschule errichtete Amtsgericht abgerissen werden.

Gestern zog Baggerführer Frank Pahlke an den schwarzen Hebeln seines Caterpillars und begann, mit einem 330 bar starken Hydraulik-Greifarm, die Fenster heraus- und das Dach einzureißen. "Ich werde mich nun Stück um Stück vorarbeiten", sagt der Gütersloher, der bei einem Abbruchunternehmen arbeitet. Vorher hat ein Helfer das Gebäude von oben bis in den Keller unter Wasser gesetzt. "Wir wollen uns ja in der Nachbarschaft nicht durch große Staubwolken unbeliebt machen", sagt Baggerführer Pahlke, der schon in ganz Deutschland Gebäude eingerissen hat. Zuletzt das alte Rathaus in Freudenberg und diese Woche das Mettmanner Amtsgericht. Proteste der Bevölkerung hat er noch nie erlebt. "Wenn wir kommen, ist eh zu spät".

"Wurde höchste Zeit"

Rund 13 000 Kubikmeter umbauten Raum wird der Bagger mit seinem 26 Meter langen Ausleger nun Stück für Stück auseinanderbrechen. Spätestens Mitte kommender Woche soll von den Grundmauern nichts mehr zu sehen sein und der Bagger wird die Fundamente des Kellers zerstören. Auf Baggerführer Frank Pahkle warten 12 Stunden-Schichten, Zeit fürs nach Hause fahren bleibt da nicht mehr, die Arbeiter übernachten im Hansa-Hotel. Für ihn ist aber schon klar, "wenn wir fertig sind, kann man hier Kartoffeln pflanzen". Doch statt die wohlschmeckenden Kartoffelsorte Linda anzubauen, wird nach dem Abriss mit dem Neubau des neuen Amtsgerichts an selber Stelle begonnen.

"Das wurde höchste Zeit", sagte Amtsgerichtsgeschäftsleiter Horst Oelemann, der die Arbeiten mitverfolgte. Für die Mitarbeiter seien die Räume nicht mehr zumutbar gewesen. Und: "Wenn wir mal einen Schwerbehinderten hier hatten, musste ich die Johanniter rufen, um ihn reintragen zu lassen", sagt Oelemann. Das Gebäude war nicht rollstuhlgerecht. Die Hafträume entsprachen nicht mehr den Anforderungen, mangelhaft war auch der Brandschutz.

Die Eingangstür konnte gestern noch der Mettmanner Silvio Miglietta gebrauchen. Er demontierte sie und wird sie in einem Restaurant in Lecce wieder aufbauen.

(RP)
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