1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann

Thomas Dinkelmann: „Ich würde es wieder so machen“

Bürgermeisterwahl in Mettmann : „Ich würde es wieder so machen“

Der parteilose Bürgermeister Thomas Dinkelmann tritt für eine zweite Amtszeit an. Er will fortsetzen, was er in der ersten begonnen hat.

Wer mit Thomas Dinkelmann an einem Tisch sitzt, bleibt nicht lange zu zweit. Für sein Kandidaten-Portrait hat sich der amtierende Bürgermeister die Schäfergruppe in der Innenstadt als Treffpunkt ausgesucht. Der Betreiber des „Café Dal Pastore“, Silvio Miglietta, stellt fürs Foto einen extra Tisch bereit und setzt sich gleich für ein paar Minuten dazu. Und als er sich wieder seinen anderen Gästen widmet, kommen andere hinzu, die Dinkelmann meist mit Vornamen begrüßt., „Ich bin ein kommunikativer Mensch, ich verabrede mich gerne hier“, sagt er. Öffentlicher geht es nicht.

Warum auch nicht, „ein Teil des Amtes ist die Repräsentation“, sagt Dinkelmann. Und der andere Teil? „Die Aufgabe des Bürgermeisters ist es, Stadt und Stadtgesellschaft mitzugestalten und eine Verwaltung zu leiten, immer den Ausgleich zu suchen zum Wohle der Allgemeinheit.“ Das sei Grundsatz des Verwaltungshandelns.

Dass CDU und SPD im laufenden Kommunalwahlkampf als erklärtes Ziel ausgegeben haben, Thomas Dinkelmann als Bürgermeister abzulösen, sieht er gelassen: „Das Bündnis von CDU und SPD ist ja nicht neu und die Ziele sind erkennbar. Aber wir haben bisher sachlich zusammen gearbeitet.“

Im Gegensatz zu seiner vielleicht stärksten Konkurrentin, der parteilosen Sandra Pietschmann, die gemeinsam von den beiden größten Fraktionen der Stadt Mettmann aufgestellt wurde, stehe er „für echte Unabhängigkeit“, findet er. Pietschmann sei „parteiabhängig und ist von beiden Parteien aufgestellt worden. Daran gibt es keinen Zweifel.“ Mehrfach betont er seine Verbundenheit zu Mettmann: „Ich lebe in dieser Stadt und muss sie auch kennen, um hier konkret auch das Richtige zu tun.“

Als am 16. März 2019 rund 60 Anhänger der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ unter dumpfen Trommelklängen durch die Kreisstadt marschierten, waren viele Mettmanner erschrocken, entsetzt, empört. Und es stellte sich heraus: Die Verwaltungsspitze und damit auch der Bürgermeister hat im Vorfeld davon gewusst, darauf jedoch keinen Hinweis gegeben. So sahen sich die Mettmanner um die Chance betrogen, gegen rechte Gesinnung noch am Ort des Geschehens ein Zeichen zu setzen. Dafür stand Dinkelmann wochenlang im Feuer.

Bei der anschließenden Demo unter dem Motto „Mettmann ist bunt“ nahmen rund 1500 Männer, Frauen und Kinder teil, auch er selbst. Fiele jetzt, fast anderthalb Jahre danach, seine Entscheidung anders aus? „Ich habe extremistischen Gruppierungen keine Bühne in Mettmann geboten und werde das auch in Zukunft nicht tun“, sagt der 60-Jährige. Seither habe er das „häufig hinterfragt und ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, dass dies auch richtig ist.“

Als er damals diese Entscheidung gefällt habe, „da war ich ziemlich allein mit dieser Fragestellung.“ Doch er ist immer noch sicher: „Wir haben den Rechsradikalen kein Podium geboten und mögliche gewalttätige Auseinandersetzungen vermieden. Zwei Wochen später hat Mettmann mit der Demonstration ,Mettmann ist bunt’ ein klares Bekenntnis gegen Rechts abgegeben.“

Warum er sich ein zweites Mal zur Wahl stellt? „Eine nachhaltige Stadtentwicklung braucht Kontinuität“, nur beharrlich komme man zum Ziel. Das, was er in seiner ersten Amtszeit angefangen habe, wolle er in der zweiten fortsetzen. So zum Beispiel den Ankauf von Flächen, um sie weiter zu entwickeln. „Als ich antrat, da verfügte die Stadt über keine Flächen, hatte keine Entwicklungspotenziale. Das war eine böse Überraschung.“ So konnten keine Kindertagesstätten gebaut werden, „weil wir keine Flächen dafür hatten.“ Das habe er geändert, so dass jetzt eine neue Feuerwache in Metzkausen und eine Kindertagesstätte sowie eine Feuerwehrhalle in Obschwarzbach gebaut werden können. Insgesamt 14 Hektar habe die Stadt erworben, wovon zehn Hektar als Tauschflächen für neue Gewerbeflächen vorgesehen sind. „Es gab bei meinem Amtsantritt viele Baustellen, einige sind schon geschlossen, die Übrigen sollen in der kommenden Amtszeit zu Ende geführt werden“, bilanziert er.

Und was sagt er zum immens hohen Haushaltsdefizit, ist er doch bei der Bürgermeisterwahl 2015 mit dem Ziel eine „Schuldenabbaus als Daueraufgabe“ angetreten? „Die Voraussetzungen haben sich geändert. Wer heute noch Schuldenabbau verlangt, der spricht sich gegen eine nachhaltige Stadtentwicklung aus. Wir müssen aber in Bildung, Betreuung, Sicherheit und Gewerbeansiedlung investieren. Man könnte den Haushalt mit Schuldenabbau vielleicht kurzfristig entlasten, würde damit aber die gesamte Stadtentwicklung lahm legen.“