Praxen bleiben auch in Mettmann geöffnet Therapeuten: „Wir arbeiten weiter“

Mettmann · Das wissen viele nicht: Trotz Corona sind Praxen von Heilberufen geöffnet – auch die von Ergotherapeutin Uta Bartel.

 Ergotherapeutin Uta Bartel hofft, dass auch weiterhin Patienten kommen. Alles andere wäre für sie existenzgefährdend.

Ergotherapeutin Uta Bartel hofft, dass auch weiterhin Patienten kommen. Alles andere wäre für sie existenzgefährdend.

Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

Auch die Heilmittelerbringer – Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen – melden sich jetzt zu Wort. „Unsere Verzweiflung wächst, da immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine absagen und andere denken, wir haben zu“, berichtet Uta Bartel, die seit über 20 Jahren eine Praxis für Ergotherapie in Mettmann führt. Die Existenz vieler Praxen sei gefährdet, weiß sie auch von ihren Berufskollegen. „In der letzten Woche ist der Umsatz um rund 50 Prozent zurückgegangen. In Altenheime können wir jetzt nicht mehr gehen, auch Kooperationen mit heilpädagogischen Kindergärten fallen weg.“

Sie selbst habe in langen Jahren Rücklagen gebildet. „Eine Kollegin, die noch nicht lange niedergelassen ist, sagte mir aber, mehr als zwei oder drei Monate könne sie das nicht durchhalten.“ Wenn Praxen schließen müssten, könne das auf die Dauer auch in Mettmann zu Versorgungsproblemen führen. „Und das schadet am Ende den Patienten.“

Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände, gibt außerdem zu bedenken, dass durch die mögliche Insolvenz von Praxen hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet sein könnten. Sie fordert Soforthilfe von den Krankenkassen.

Das von der Bundesregierung verabschiedete Hilfspaket könne eine Unterstützung sein, sagt Bartel. „Wobei ich keine Soforthilfe brauche, da ich jetzt das Geld bekomme, das ich letzten Monat verdient habe. Das Loch kommt dann erst im April.“

Vor allem aber möchte sie – auch im Namen ihrer Kollegen aus anderen Berufszweigen – weitergeben, dass die Praxen geöffnet sind, um medizinisch notwendige Leistungen zu erbringen. „Wir sind da“, so lautet der Appell der engagierten Ergotherapeutin. „Alle Behandlungen, die medizinisch bescheinigt und notwendig sind, dürfen stattfinden“, bestätigt auch Daniela Hitzemann, Pressesprecherin des Kreises.

Sie könne verstehen, dass einige Patienten Angst haben, in die Praxis zu kommen, räumt Bartel ein. Sie habe aber die nötigen Schutzmaßnahmen getroffen: „Wir arbeiten unter strengen Auflagen, sitzen uns zum Beispiel nicht mehr direkt am Tisch gegenüber, sondern haben die Länge des Tisches zwischen uns.“

Handschuhe und Desinfektionsmittel habe sie genug. „Irgendwie hatte ich einen siebten Sinn und habe vorher genug bestellt.“ Nur die Mund- und Nasenschutzmasken seien knapp. Aber Uta Bartel weiß sich zu helfen: „Ich bin eine Nähtante und nähe gerade einfache Masken aus kochfestem Baumwollstoff.“

Man müsse kreativ sein im Moment, das Beste aus der Situation machen. „Viele Patienten sind natürlich dankbar, dass wir da sind. Wir rufen Ältere, die jetzt nicht kommen können, auch regelmäßig an, um den Kontakt zu halten.“ Allerdings behandle sie nur gesunde Patienten, und „dort, wo der Patient gefährdet wäre, gibt es auch keine Therapie.“

Positiv sieht sie das Engagement der Krankenkassen bezüglich der Nutzung von Telemedizin-Portalen. Ihre ersten Versuche mit der neuen Technik seien nicht einfach gewesen, aber dennoch ist sie begeistert: „Wir können die Portale kostenlos nutzen, das ist toll und wirklich ein Entgegenkommen. Vor allem Logopäden können ihre Patienten gut per Video behandeln.“

Sie hofft dennoch, dass die Praxen überleben. „Bei mir hängen da fünf Menschen und ihre Arbeitsplätze dran.“ Für die habe sie erstmal Kurzarbeit angemeldet.

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