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Mettmann: Teures Fernsehvergnügen für Wirte

Mettmann : Teures Fernsehvergnügen für Wirte

Der Bezahl-Sender Sky hat die Preise für Gewerbeabonnements kräftig erhöht. Wirt Mladen Jvankovic: Die Dimensionen sind kaum noch tragbar. Wirt Marc Markovic: Nichtrauchergesetz schadet Gaststätten noch mehr.

Ab 1. Oktober 2014 erhöht Sky die Gewerbeabonnement- Preise. Das Tip-Tab an der Ecke Schwarzbachstraße/Adlerberg ist eine der wenigen Mettmanner Gaststätten, die als Sky-Sportbar firmiert. Inhaber Marc Markovic sieht die Erhöhung des an Sky zu zahlen Abopreises zwar mit gemischten Gefühlen, macht aber keinen Hehl daraus, dass er seinen Gästen weiterhin die Möglichkeit anbieten will, über Sky neben den Bundesligaspielen insbesondere die Begegnungen der Champions Leaque anzusehen. "Ich habe viele fußballinteressierte Gäste. Da gibt es verschiedene Gruppen, die sich hier in der Gaststätte treffen, um gemeinsam Fußball zu gucken." Es sei nun mal schöner, gemeinsam ein Match anzusehen, als zu Hause allein vom Sofa aus die Spiele zu verfolgen.

Marc Markovic erklärt, dass die Mietpreise für die Sky-Übertragungen für die Gaststätten ein teures Vergnügen bedeuten. "Vor drei Jahren habe ich monatlich 220 Euro bezahlt. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich dieser Betrag auf 440 Euro. In Zukunft werde ich 620 Euro monatlich hinblättern müssen." Er fügt hinzu, dass bei näherer Betrachtung sich die Beträge relativieren. Die Aufwendungen sind als Betriebskosten abzugsfähig und es gäbe zudem weitere legale steuerrechtliche Möglichkeiten, die Gebühren für die Sky-Übertragungen wirtschaftlich darzustellen. "Wir sind eine von vielen Sportlern besuchte Gaststätte - da mochte ich meinen Gästen etwas bieten. Letztlich mache ich aufgrund ihres Gasstättenbesuches auch Umsätze."

Hinsichtlich des Umsatzes merkt er an, dass das Nichtrauchergesetz in der derzeit geltenden Form zu einem Umsatzrückgang geführt habe. "Es hat sich nicht mehr gelohnt, morgens und am frühen Nachmittag zu öffnen. Jetzt mache ich erst ab 16 Uhr auf." Er könne nicht nachvollziehen, dass das Nichtrauchergesetz in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird. NRW und Bayern hätten leider die schärfsten Regelungen. "Für mich ist nur eine bundesweiter Regelung nachvollziehbar. Alles andere ist Wettbewerbsverzerrung - gerade an den Ländergrenzen." Im Übrigen habe er mit dem bis zum 1. Mai 2013 geltenden Nichtrauchergesetz gut leben können.

Peter Ratajczak führt den Irish-Pub "Dingels" am Markt. Er vertritt die Auffassung, dass den Gästen - obwohl er selbst Fußball-Fan ist - mehr geboten werden müsse als Fußball-Übertragungen von Sky. "Ich gebe zu bedenken, dass der an Sky zu zahlende Gewerbeabonnementpreis das gesamte Jahr über zu entrichten ist. Da wird auf die Sommer- und Winterpause in den Ligen keine Rücksicht genommen." Er verweist darauf, dass heutzutage die Gäste ganz gezielt in eine Gasstätte gehen. Es gebe kaum noch den einfachen Kneipenbesucher, der sich an den Tresen stellt, sein Bierchen trinkt und mit Bekannten quatscht. "Heute wollen die Gäste etwas geboten bekommen." Danach habe sich der Wirt zu richten und müsse ein Angebot machen. "Für mich ist der Gast König." Für ihn bedeute dies, dass die Speisekarte gelegentlich geändert wird und das Getränkeangebot den Wünschen der Gäste entsprechend angepasst werde. "Da sollte es mehr als nur eine Sorte Alt oder Pils geben." Er biete beispielsweise ein wöchentliches Pub-Quiz, Irish-Folk Auftritte und andere Aktionen an. "Nur mit einem vernünftigen, an den Gästen ausgerichteten Konzept kann heutzutage die Gastronomie überleben", so sein Credo.

Roland Wirth, Inhaber des "Braukellers" am Tannisberg, sieht das etwas anders. Selbstverständlich habe auch er ein nach den Gästen ausgerichtetes Konzept. Er halte es aber für abwegig, daran öfters Änderungen vorzunehmen. "Mein wichtigstes Konzept ist die Ausrichtung auf den Wohfühlfaktor meiner Gäste. Seit fast 25 Jahren betreibe ich den Braukeller. Da muss ich wohl mit meinem Konzept richtig liegen. Meine vielen Stammgäste kommen gern zu mir, weil sie sich hier gut aufgehoben fühlen." Er verweist darauf, dass er im Gegensatz zu anderen Kneipen viele weibliche Gäste habe. "Da sind viel Frauen dabei, die allein in den Braukeller kommen. Sie wissen, dass sie dort auf ein vernünftiges Publikum treffen." Für ihn ist die Sky-Übertragung kein Thema. "Nicht nur weil die Abo-Preise ganz schön happig sind, sondern weil der Braukeller keine reine Fußball-Kneipe werden soll."

Mladen Jvankovic hat mehrere Fernsehgeräte im Brauerreiausschank "Frankenheim" am Jubi aufgestellt, Dort werden regelmäßig Fußballspiele über Sky übertragen. "Bei den Übertragungen habe ich deutlich mehr Gäste in meinem Restaurant als dies sonst der Fall ist", erklärt Mladen Jvankovic. "Da haben sich in den letzten Jahren viele Freundeskreise entwickelt, die gemeinsam die Übertragungen verfolgen. Da ist bei uns richtig was los." In der nächsten Tagen habe er mit einem Außendienst-Mitarbeiter von Sky ein Gespräch über die Erhöhung der Abo-Preise zum 1. Oktober. "Mal sehen wie wir uns einigen. Langsam steigen die Gebühren in solche Dimensionen, dass sie kaum noch tragbar sind. Sky nutzt da seine Monopol-Stellung eiskalt aus." Was er in Zukunft zahlen soll, wollte Jvankovic nicht verraten. Er deutete an, dass trotz des erhöhten Gewerbeabos weiterhin Sky im "Frankenheim" zu sehen sein wird. "Meine Gäste erwarten das einfach."

(klm)