Erkrath: Tempo 30 auf dem Prüfstand

Erkrath: Tempo 30 auf dem Prüfstand

Der Bürgerverein Hochdahl möchte vor einer Einführung von Tempolimits in allen drei Stadtteilen Erkraths viel mehr Fakten sammeln. Denkbar wäre ein Versuch mit wissenschaftlicher Begleitung einer Hochschule.

Es ist zwar schon länger nicht mehr öffentlich darüber gesprochen worden, doch das heißt noch lange nicht, dass Tempo 30 in ganz Erkrath vom Tisch ist. In den ersten Monaten des Jahres hatte die Mehrheit aus SPD, BmU und Grünen sich für ein Stadttempo von 30 Stundenkilometern ausgesprochen.

Die neue Mehrheit stellte Pläne vor, nachdem in allen drei Stadtteilen nur noch die Hauptstraßen mit Tempo 50 befahren werden dürfen. In allen Nebenstraßen soll dagegen Tempo 30 gelten. In vielen Straßen soll mit Tempo 30 auch eine Rechts-vor-links-Regelung hinzukommen, ähnlich wie auf dem Millrather Weg in Unterfeldhaus. Mehr zum Thema Tempo 30 verspricht sich die Mehrheit auch vom Stadtentwicklungskonzept, das im Oktober mit den Bürgern in sogenannten "Werkstatt-Sitzungen" erarbeitet wird.

Vorab hat sich der mitgliederstarke Bürgerverein Hochdahl mit den Plänen befasst. Grundsätzlich begrüße der Bürgerverein alles, was "zur Steigerung der Lebensqualität in Erkrath beitrage". Doch die Diskussion zum Thema Stadttempo 30 sei bislang "leider mehr emotional und weniger sachlich" gewesen.

Busse sollen 50 fahren dürfen

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Um dies zu ändern und um ein für alle tragbares Konzept zu erarbeiten, sollten nach Ansicht des Bürgervereins einige Punkte beachtet werden. Zunächst solle eine Bestandsaufnahme erstellt werden. Berücksichtigt werde müsse die Verteilung des Verkehrsflusses, die Verkehrsdichte, besondere Gefährdungssituationen, insbesondere für schwächere Verkehrsteilnehmer. Dazu besondere Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch unzumutbaren Lärm, im gesamten Stadtgebiet, so der Bürgerverein. Eine Steuerung des Verkehrsflusses sei auf lange Sicht nur durch bauliche Maßnahmen zu erreichen. Gebotsschilder verfehlten oft die Wirkung. Permanente Kontrollen erzeugten einen "erheblichen Unmut bei den Anwohnern" und seien flächendeckend nicht machbar.

Es müsse sichergestellt werden, dass in den Straßen mit Busverkehr weiterhin 50 km/h gefahren werden dürfe. Ausnahmen vor Schulen und Kindergärten seien selbstverständlich. Überbelastungen von Wohnstraßen durch Ausweichverkehr müssten vermieden werden.

Möglicherweise könnten einige Eingriffe sogar Vorbildcharakter gewinnen, wenn es gelingen würde, sie als Versuch mit wissenschaftlicher Begleitung, zum Beispiel durch eine Hochschule unter Beteiligung von Studenten ohne besondere Kosten für die Stadt, zu gestalten. Die Bürger selbst hatten auf Versammlungen angedeutet, nicht überall mit Tempo 30 einverstanden zu sein. Solange genug Abstand von der Straße zur Wohnbebauung gegeben sei, gebe es dafür eigentlich keinen Grund. Auch Bürger, die morgens um 5 zur Arbeit fahren, sehen nicht ein, im Schleichgang durch Erkrath zu zuckeln.

(RP/rl)
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