Mettmann: Tagesmütter fürchten um ihre Existenz

Mettmann : Tagesmütter fürchten um ihre Existenz

Durch das Zuzahlungsverbot in der Kindertagespflege erhalten die Frauen weniger Geld, sie wollen Hilfe von der Stadt.

Ist die Sicherung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung in Mettmann in Gefahr? Zumindest wird im Herbst darüber diskutiert werden. Die Tagesmütter schlagen Alarm, sie fürchten um ihre Existenz. Es geht um eine Gesetzesänderung zum 1. August. Den Grundgedanken der Änderung des Kinderbildungsgesetzes, die in drei Wochen in Kraft treten soll, unterstützen die Tagesmütter. Danach sollen Eltern neben den einkommensabhängigen Beiträgen keine Zuzahlungen leisten, wenn ihre Kinder von einer Tagesmutter betreut wird. Die Tagespflege wird der Betreuung in Kindergärten gleichgesetzt. Eltern, die sich für eine Tagesmutter entscheiden, müssen nicht mehr tiefer in die Tasche greifen. Dass die Tagesmütter um ihre Existenz fürchten, liegt an dem Fehlbetrag, den sie ab 1. August erwarten. Denn pro Kind und Stunde verlieren sie ein bis zwei Euro, eine Lücke, die sie nicht verkraften können, wenn sie von der Arbeit leben wollen. In Mettmann hat sich die Interessengemeinschaft Tagespflege gegründet, die sich dafür einsetzt, dass die Stadt die Lücke schließt. Ihr Argument: Derzeit betreuen sie in Mettmann rund 120 Kinder in der Tagespflege, sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, um den Rechtsanspruch zu erfüllen.

"Wenn wir Tagesmütter nicht mehr von der Tagespflege leben können und aufhören, bekommt die Stadt ein Problem", sagt Doris Krohn-Gagaik von der Interessengemeinschaft. Es geht um eine Lücke von etwa 125 000 Euro, die durch die Gesetzesänderung entsteht. In einer Stellungnahme hatte Mettmanns Kämmerer Reinhold Salewski erklärt, die Stadt werde nicht einspringen. Er verwies auf die schwierige finanzielle Situation. Ein Argument, das die Tagesmütter um Doris Krohn-Gagaik so nicht gelten lassen wollen. "Viele von uns brauchen dieses Geld, sonst können wir keine Tagespflege mehr anbieten." Wenn die Betreuung wegfallen würde, hätte die Stadt ein Problem. "Denn ein neuer Kindergarten wäre sicherlich teurer für die Stadt als die 125 000 Euro im Jahr."

Das weiß auch Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin für Bildung, Jugend und Soziales. "Es gab ein konstruktives Gespräch zwischen den Tagesmüttern und Bürgermeister Bernd Günther über das Thema." Die Tagesmütter werden Gespräche mit den Fraktionen führen. Im Jugendhilfeausschuss im September soll das Thema dann diskutiert und auch eine Entscheidung getroffen werden. "Diese Entscheidung muss von der Politik getroffen werden", betont Hinterthür.

Doch nicht nur in Mettmann, sondern auch in Wülfrath und Erkrath weiß man um die Probleme in in der Tagespflege. In der Erkrather Verwaltung wartet man allerdings noch ab. Das Gesetz sei schließlich noch nicht in Kraft getreten, im Laufe der Zeit werde sich zeigen, ob es Auswirkungen auf die Tagesmütter gebe. Dann erst werde man sich mit dem Thema auseinandersetzen. In Wülfrath werde die Stadt die Lücke schließen, erklärte Pressesprecherin Franca Calvano.

(RP)