Mettmann/Erkrath: Tag und Nacht im OP

Mettmann/Erkrath: Tag und Nacht im OP

Christiane Radloff aus Erkrath war eine der ersten Helferinnen des DRK, die nach dem Erdbeben auf Haiti im Einsatz waren. Vor allem musste sie Knochenbrüche versorgen, aber im Lazarett wurden auch Kinder geboren.

Die Bilder von den Zerstörungen nach dem Erdbeben in Haiti haben die ganze Welt bewegt. Auch Christiane Radloff. Doch sie kennt die Bilder nicht nur aus Fernsehnachrichten.

Als eine der ersten DRK-Helferinnen hat die Erkratherin, die hier als Hebamme tätig ist, mitgeholfen, im westlich von Port-au-Prince gelegenen Carrefour ein mobiles Krankenhaus aufzubauen, in dem die einheimische Bevölkerung ärztlich versorgt werden kann. Denn auch die meisten der Krankenhäuser hatten den Erdstößen nicht stand gehalten.

Für Christiane Radloff war es bereits der 25. Notfalleinsatz. Seit 30 Jahren engagiert sie sich schon im DRK. Sie gehört zu den gut ausgebildeten Mitgliedern, die regelmäßig in Krisensituationen für einige Zeit zu Einsätzen in die Welt geschickt werden – in 16 Ländern war sie schon aktiv. Viereinhalb Wochen war sie diesmal in Carrefour tätig, hat dabei geholfen, auf einem Fußballplatz ein mobiles Krankenhaus zu errichten.

Allein 76 Tonnen an Material mussten für die Zeltstadt und die Ausrüstung nach Haiti transportiert werden, berichtet DRK-Kreisgeschäftsführerin Annegret Verbeek. Die ersten Tage habe sie noch auf einer Wiese unter einem Moskitonetz geschlafen, erzählt Christiane Radloff, später hatte sie eine Unterkunft in der Zeltstadt, in der schon kurz nach dem Aufbau die ersten Operationen vorgenommen und Knochenbrüche geschient wurden.

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Die Erkratherin gehörte zum fünfköpfigen Management-Team Krankenhauses, hatte außerdem die Pflegedienstleitung. Innerhalb von 36 Stunden sei das OP-Zelt bereits funktionsfähig gewesen, erzählt sie, nach einer Woche standen schon 60 Betten zur Verfügung. Eine der ersten Behandlungen sei eine nächtliche Kaiserschnitt-Geburt gewesen.

Allein in den ersten vier Wochen haben 75 Babys in dem mobilen Krankenhaus das Licht der Welt erblickt, 137 Operationen wurden vorgenommen, mehr als 4400 Patienten insgesamt versorgt. Doch auch während schon behandelt wurde, musste weiter aufgebaut werden, bis schließlich zum Schluss, als Christiane Radloff zurück in die Heimat flog, 80 Betten zur Verfügung standen.

Andere Teams setzen die Arbeit nun fort. In der Regel sollten diejenigen, die als erste in Katastrophengebieten eingesetzt werden, nicht länger als vier bis fünf Wochen am Ort sein, da die Anforderungen dann besonders hoch sind, erläutert Stefan Vieth vom DRK-Kreisverband. Später folgende Einheiten könnten dann auch schon mal einige Monate bleiben.

Zu tun gebe es jedenfalls noch viel, berichtet Christiane Radloff. Die Strukturen des Gesundheitswesens seien in Haiti komplett kollabiert durch das Erdbeben. Nicht nur die Gebäude sind zerstört, auch das zur Hilfe benötigte Material sei nicht vorhanden. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern.

(RP)