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Streetworkerinnen der Caritas-Suchthilfe in Mettmann, Erkrath und Wülfrath wieder unterwegs.

Unmittelbare Hilfsangebote in Mettmann, Erkrath und Wülfrath : Streetworkerinnen massiv im Einsatz

Auch in der Pandemie versuchten Lilian Fischer, Friederike Hegemann und Zoe Kempkens bei ihrer Klientel zu sein: Auf der Straße. Aus dem Blick geraten sind im Lockdown aber Jugendliche. Sie stehen jetzt im Fokus ihrer Arbeit.

Wie das Wetter auch ist, sie tragen Mütze. Weiteres Kennzeichen sind ihre Bauchtaschen. Unterwegs sind Lilian Fischer, Friederike Hegemann und Zoe Kempkens dort, wo ihre Klientel ist: Auf der Straße. Die drei Frauen sind Streetworkerinnen der Caritas-Suchthilfe und in Mettmann, Erkrath und Wülfrath im Einsatz.

Als so etwas wie die Kumpels von der Straße gehen sie aktiv auf Leute zu, suchen das Gespräch. „Manchmal geht es um Alltägliches, aber auch um Suchtprobleme, Beziehungsstress, Geldsorgen. Die Themen sind so vielfältig wie das Leben der Menschen“, erklärt Katja Neveling von der Caritas-Suchthilfe. Als „schwierig zu beziffern“ erklärt sie in Zahlen messbare Ergebnisse, „nicht jeder Kontakt endet in einer Hilfestellung“. 213 Kontaktpersonen sind für das erste Quartal 2021 statistisch erfasst und 356 Kontakte.

„Die Zahlen sind vergleichbar geblieben“, sagt sie mit Blick auf das Vorjahr. Denn obwohl die Pandemie sich natürlich auf alle Belange und Aktivitäten der Caritas-Mitarbeiter im täglichen Tun auswirkte, konnte Corona die Streetworkerinnen nicht ausbremsen. Selbst bestens geschützt, füllten sie ihre Bauchtaschen mit Masken und Desinfektionsmitteln zur Vergabe und versuchten, ihre Klientel bestmöglich zu betreuen.

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„Wir beraten natürlich zu den aktuellen Corona-Regelungen, aber das ist häufig nur der Einstieg in das Gespräch. Frustration, Resignation aber auch Angst begegnen uns bei unseren Einsätzen auf der Straße immer wieder. Wir gehen auf die Sorgen ein und können durch passende Angebote Entlastung in stressigen Situationen bieten“, erzählt Friederike Hegemann. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied: Waren die Erwachsenen auf der Straße anzutreffen, galt das nicht für Teenager. Anstelle sich irgendwo draußen zu verabreden, waren sie über Netzwerke digital unterwegs. „So blieb die Entwicklung der Jugendlichen schwer nachvollziehbar“, sagt Katja Neveling. Vor allem die Präventionsarbeit, ein Schwerpunkt gegen Alkohol- und Cannabismissbrauch, entfiel oft.

„Wir wissen, dass in Pandemie und Lockdown bei einigen der Medien- und Cannabiskonsum gestiegen ist“, berichtet sie. „Hier gilt es nun genau zu schauen, dass sich daraus keine Sucht entwickelt. Mit Fingerspitzengefühl sollen nun wieder Kontakte geknüpft werden. Das ist nicht immer leicht, gelten Suchtthemen ebenso als Tabu wie die Grauzonen um häusliche Gewalt. „Häufig tauchten Suchtprobleme beispielsweise in einer Familie erstmals in der Pandemie auf. Nicht, weil es sie vorher nicht gab. Sondern weil nun plötzlich alle eng beisammen sind.“ Damit umzugehen und sich einem anderen anzuvertrauen, sind Herausforderungen und gerade für junge Leute oft schwer in Worte zu fassen.

Auch das Projekt „Endlich ein Zuhause“ bleibt wichtig. Es richtet sich an von Wohnungslosigkeit betroffene Menschen, die eine Suchterkrankung aufweisen. Mit jeweils einer halben Stelle kümmern sich darum Lilian Fischer von der Caritas-Suchthilfe in Wülfrath und Tumay Bicer-Poyraz von der Awo Monheim. Lilian Fischer besucht die Menschen an den Orten, an denen sie sich aufhalten, auf der Straße, im Obdach oder bei Bekannten, bei denen sie temporär unterschlüpfen.

Bilanz hier: Trotz der schwierigen Situation der vergangenen Monate konnte sich das Angebot etablieren und helfen, Wohnungsverlust zu vermeiden oder Wohnraum zu finden. Fragestellungen der Existenzsicherung bleiben ein Thema. Behörden waren teilweise nur digital erreichbar „und das ist ohne eigenes Zuhause und Internet schwer machbar“.