Erkrath: Steinbrück wirbt für die große Koalition

Erkrath : Steinbrück wirbt für die große Koalition

Der Ex-Kanzlerkandidat und die Kreisvorsitzende diskutierten mit der Basis über die Zusammenarbeit mit der CDU.

Es ist nicht die Höhle des Löwen für Peer Steinbrück und Kerstin Griese. Aber Zähne zeigen wollen sie schon, die SPD-Mitglieder des Kreisverbands Mettmann, die gestern Abend in Erkraths Stadthalle auf ihre beiden Genossen gewartet haben.

Etwa 280 Parteimitglieder waren in die Stadthalle gekommen, um Steinbrück und Griese zu fragen und mit ihnen zu diskutieren. Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Die Zustimmung zu dem von der Bundes-SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag mit den Christdemokraten ist kein Selbstläufer. Wer weiß das besser als Wolfgang Preuß. Der Parteivorsitzende aus Wülfrath ist schon weit vor der Diskussion im Saal, läuft umher, begrüßt Genossen und sagt: "Ja, ich bin für den Koalitionsvertrag." Wer ihn kennt, weiß, dass da aber ein großes Aber mit vielen Zweifeln drinsteckt. Die Zweifel, ob die SPD da untergeht die nächsten Jahre. Die Zweifel, ob das Ergebnis genug ist für eine Partei, die schon immer so viel auf Programmatik und deren Umsetzung setzt. Viele der rund 280 Mitglieder im Saal quälen diese Zweifel.

Doch wenn einer sie vertreiben kann, dann Steinbrück. Er lobt Gabriel, der das Zepter gut in der Hand gehalten und wie viel man in den Gesprächen herausgeholt habe. Natürlich gibt es viele Argumente, die ein Ja verlangten, sagt die Kreisvorsitzende Kerstin Griese. Rente mit 63: Applaus. Doppelpass: Applaus, Mindestlohn: Applaus. Frauenquote in Aufsichtsräten: Applaus. Doch Steinbrück verzettelt sich nicht in der Aufzählung der Argumente. Heute Abend gilt es in Erkrath auch, die Mitglieder mit einer gehörigen Portion Pathos einzufangen. 150 Jahre SPD: die großen Themen von Sozialpolitik bis Westbindung und Europapolitik hätte die Partei mitgestaltet. "Nur wenn es um den Kern der Demokratie ging wie 33, da haben wir uns verweigert." Und nun sollen die Genossen sich einer Großen Koalition mit der CDU verweigern, weil es nicht 100 Prozent Sozialdemokratie ist? "Nein", findet er.

Das sehen nicht alle so und es gehört nun mal zur Diskussionskultur der SPD, dass sich auch ein Ex-Kanzlerkandidat das vom einfachen Mitglied vorhalten muss. Auch in Erkrath. Einer bemängelt die schlechten Ergebnisse in der Klima- und Energiepolitik und traut es sich kaum zusagen: "Das ist weniger als bei CDU und FDP." Steinbrück wäre nicht klare Kante, wenn er das so stehen ließe. "Es ist nicht alles, was wir gerne hätten. Ja. Aber es muss bezahlbar, sicher und nachhaltig sein", sagt er.

Wer diese Ergebnisse kritisiert, solle sich eine vierköpfige Familie anschauen, die das bezahlen müsse. Oder man solle es den Arbeitnehmern sagen, die in einem Unternehmen arbeiten, dessen Energiekosten mittlerweile bei 40 Prozent liegen. Auch wenn es Applaus für den Kritiker gab: Steinbrück erntet mehr. Nicht nur bei dem Thema lugt eine Stimmungslage der SPD im Kreis hervor. Es gibt Kritik, Ängste und Bedenken. Aber wirklich Nein sagen will anscheinend nur ein kleinerer Teil der Mitglieder. Deshalb schwören auch andere auf den Koalitionsvertrag ein wie es Steinbrück und Griese tun. "Bitte, achtet auf jeden Fall auf eins", sagt einer flehend in das Mikrophon. "Jetzt bitte nicht nur alles schön aufschreiben und dann glauben, das hättet ihr alle ganz toll gemacht. Die Realität beginnt übermorgen, wenn es denn zur Koalition kommen sollte. Da muss man das umsetzen." Großer lang anhaltender Applaus der 560 Hände.

(RP)
Mehr von RP ONLINE