Stadthalle: Fraktionen beraten über Abriss

Politik in Mettmann uneins : Stadthalle: Fraktionen beraten über Abriss

Die Stadtverwaltung sieht gute Chancen, die Halle trotz Denkmalschutz abreißen zu können.

Seit 20 Jahren wird über den Fortbestand der Stadthalle in Mettmann diskutiert. Eine Entscheidung konnte bisher nicht getroffen werden, weil die Meinungen zwischen Umbau, Sanierung und Abriss auseinander gingen. Dazu kam ein zeitaufwändiges Verfahren, um zunächst einmal zu klären, ob das Gebäude die Eigenschaft eines Denkmals erfüllt. Am 16. Oktober kam der Brief aus Düsseldorf: Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, erklärte darin, das Verfahren sei abgeschlossen und die Stadthalle in die Denkmalliste einzutragen. Daraufhin beantragte die CDU-Ratsfraktion, das Thema „Stadthalle“ auf die Tagesordnung des Bauausschusses zu setzen und einen Vertreter des Ministeriums einzuladen.

Thomas Schürmann, Referatsleiter Denkmalschutz im Bauministerium, erläuterte jetzt kurz, was bereits in der Verwaltungsvorlage stand: Es handele sich um ein zweistufiges Verfahren. Im ersten Schritt geht es ausschließlich darum, festzustellen, ob ein Gebäude die gesetzlichen Anforderungen an ein Baudenkmal erfüllt. Dies sei bei der Neandertalhalle der Fall, da sie von Bedeutung für die Geschichte der Menschen und für Kunst und Wissenschaft sei. Die Entscheidung sei nach Abwägung von Gutachten, Einspruch des Amtes für Denkmalpflege im Rheinland (LVR) und abschließender Ministeranrufung unumstößlich. Das sei aber noch keine Entscheidung, was mit dem Objekt passieren soll. In der zweiten Verfahrensstufe, dem Erlaubnisverfahren, kann die Stadt Mettmann eigene Interessen bis hin zu einem kompletten Abriss geltend machen – sie muss es nur hinreichend begründen. Bei einem Abriss ist eine vollständige wissenschaftliche Dokumentation des Bauwerks, ein so genannter „Sekundärerhalt“, gesetzlich vorgeschrieben.

Die Politik zeigte sich nicht einverstanden mit der Denkmal-Entscheidung auf Stufe 1. „Das ist ohne demokratischen Hintergrund zustande gekommen“, kritisierte Berthold Becker (SPD); „Die Stadthalle wird von vielen Mettmannern als Fremdkörper gesehen. Die Begründung ‚bedeutend für die Menschen‘ ist mir zu dünn“. Thomas Schürmann stellte klar: „Eine Bürgerbeteiligung ist im Denkmalschutzgesetz nicht vorgesehen“. Letztlich akzeptierte der Ausschuss die Tatsachen und erkannte, dass man sich nun auf das Erlaubnisverfahren konzentrieren sollte.

Dezernent Kurt Werner Geschorec sieht gute Chancen, die Interessen der Stadt in der zweiten Stufe doch noch durchzusetzen. „Das Freizeitverhalten hat sich geändert seit den 80er Jahren. Dass die Menschen Unterhaltung im Internet finden und für ein Live-Erlebnis lieber nach Hamburg fahren, war damals noch nicht abzusehen“, sagte Geschorec. „Sie können uns den Auftrag erteilen ‚Werdet diese Halle los‘. Dann würde Dr. Kopp (Bauamtsleiter) den Abrissantrag stellen“.

Die Stadthalle muss saniert werden. Dafür wären rund 14 Millionen Euro fällig, ohne dass sich an der Funktion etwas verbessern würde. Die Verwaltung kann es nicht leisten, alle möglichen Szenarien durchzuplanen. „Dann sollten wir zuerst entscheiden, ob Abriss oder nicht“, sagte Matthias Stascheit (SPD). Nun stehen Beratungen in den Fraktionen an.