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Stadt Wülfrath muss wegen Pandemie mehr Geld für Jugendhilfe ausgeben

Entwicklungen in der Kalkstadt : Stadt muss wegen Pandemie mehr für Jugendhilfe ausgeben

Die Erziehungsberatungsstelle meldet steigende Fallzahlen sowie immer mehr Jugendliche, die eigenständig den Kontakt dorthin suchen.

Bei einer außerplanmäßigen Ratssitzung wurde Bürgern und Neu-Ratsmitgliedern der Entwurf für den Doppelhaushalt 2022/23 erläutert. Die Fraktionen hatten im Vorfeld zahlreiche Nachfragen zu Details des Haushaltsplans eingereicht, die von der Verwaltung schriftlich beatwortet worden waren. Einige interessante Entwicklungen sind dabei zu Tage getreten.

Bei der Gewerbesteuer zeichnet sich eine Trendwende ab. Nachdem die Einnahmen ab 2018 wegen allgemeiner Konjunkturentwicklung eingebrochen waren und in der Corona-Krise 2020 einen Tiefpunkt erreicht hatten, geht die Verwaltung ab 2022 von einer Rückkehr auf Vor-Krisen-Niveau aus. Im ersten Corona-Jahr betrugen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer weniger als sechs Millionen Euro, wofür die Stadt Ausgleichshilfen von Bund und Land in Höhe von 6,9 Millionen erhalten hat. In 2021 erholten sich die Einnahmen auf rund 14 Millionen Euro, was eine deutliche Steigerung gegenüber den Erwartungen war.

Für die Jahre 2022 bis 2026 könnte die Prognose mithilfe von Orientierungsdaten des Landes fortgeschrieben werden. Diese gehen von einer durchschnittlichen Steigerung von 8,5 Prozent pro Jahr aus, so dass die Einnahmen in Wülfrath theoretisch bis auf 17,4 Millionen Euro steigen könnten. Die Verwaltung hält dies jedoch für unrealistisch und arbeitet mit gleichbleibenden Annahmen. Haushaltszahlen machen ebenso deutlich, wie sehr die Pandemie und ihre Gegenmaßnahmen die Schwächsten treffen und die soziale Ungleichheit verstärken.

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Die Aufwendungen im Bereich Jugendhilfe steigen in 2022 um 16,8 Prozent und in 2023 um 23,7 Prozent gegenüber 2020. Die Verwaltung erklärt, dass mit der demografischen Entwicklung die Fallzahlen und Ansprüche in der „Hilfe zur Erziehung“ immer weiter steigen. Die Pandemie habe die Situation durch Schulschließungen, Distanzunterricht und Lockdowns im Sport- und Freizeitbereich noch einmal verschärft. „Die Erziehungsberatungsstelle (BDA) bestätigt steigende Fallzahlen sowie immer mehr Jugendliche, die den Weg eigenständig in die Beratungsstelle suchen (Tendenz steigender Gefährdung Suizidalität)“, schreibt die Verwaltung.

Die Aufwendungen für die stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen steigen in diesem Jahr um 371.000 Euro. Der soziale Bereich wirkt sich auch auf weitere Finanzkennzahlen wie die Kreisumlage aus. Deren Hebesatz wurde zuletzt leicht gesenkt und beträgt im laufenden Jahr 28,21 v.H. Für die Folgejahre steigt der Hebesatz auf 32,72 v.H., nicht zuletzt wegen der erwarteten hohen Sozial- und Jugendhilfeaufwendungen. Für Wülfrath steigen die Transferaufwendungen so von 24,67 Millionen (2022) auf rund 31 Millionen Euro.

Wieviel eine Kommune an den Kreis zu zahlen hat, hängt von ihrer Steuerkraft und den sogenannten „Schlüsselzuweisungen“ des Landes ab. Letztere betrugen 2021 fast vier Millionen Euro, was einen Einmaleffekt in der Pandemie darstellt. Corona zehrt nicht nur an den Nerven, sondern wirkt sich auf jeden Aspekt von Wirtschaft und Gesellschaft aus.