Antwort auf wichtige Fragen So gelingt der Start in die Ausbildung

Erkrath · Was ist beim Vertrag zu beachten? Wer regelt, wann und wo ich arbeiten muss? Rechte und Pflichten in der Berufsausbildung.

 Sigrid Wolf vom DGB.

Sigrid Wolf vom DGB.

Foto: dpa/David Young

Anfang August und im September beginnt für viele Jugendliche das neue Ausbildungsjahr und somit der Start ins Berufsleben. Gerade zum Start stellen sich viele Fragen: Was ist beim Vertrag zu beachten? Wer regelt, wann und wo ich arbeiten muss? Ob Urlaub, Probezeit, Ausbildungsziele – welche Rechte und Pflichten gelten während der Ausbildung? Was ist beim Vertrag zu beachten? Wer regelt, wann und wo ich arbeiten muss? Sind Überstunden erlaubt? Kann der Ausbildungsplatz gewechselt werden?

Der Vertrag muss noch vor Beginn der Ausbildung schriftlich geschlossen werden, von Azubi, Ausbilder und, falls der Auszubildende nicht volljährig ist, von den gesetzlichen Vertretern, in der Regel also den Eltern. Im Ausbildungsvertrag sind wichtige Punkte geregelt, etwa die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung, der Ort und die Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, aber auch die Arbeitszeit und die Probezeit sowie die Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung (Achtung: Mindestausbildungsvergütung beachten). Hier sind auch die Voraussetzungen beschrieben, unter denen der Vertrag gekündigt werden kann, sowie ein Hinweis auf geltende Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen.

Sigrid Wolf, beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Geschäftsführerin der Region Düsseldorf Bergisch Land, rät: „Der Ausbildungsvertrag sollte gut durchgelesen und bei Unklarheiten sofort nachgefragt werden. Es lohnt sich, den Vertrag von der Gewerkschaft prüfen zu lassen. Die Probezeit dauert ein bis maximal vier Monate und dient zum gegenseitigen Kennenlernen. Während dieser Zeit können sowohl Auszubildende als auch Betrieb von heute auf morgen und ohne Begründung das Ausbildungsverhältnis kündigen. Die Kündigung muss aber trotzdem schriftlich erfolgen. Azubis außerhalb der Probezeit können kündigen oder einen Aufhebungsvertrag vereinbaren und ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen. Wenn der bisherige Betrieb aber nicht einverstanden ist, brauchen Auszubildende einen gravierenden Grund für eine fristlose Kündigung. Azubis sollten erst kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, wenn sie einen neuen Betrieb gefunden haben, der sie übernimmt!“

Auszubildende sollten sich gleich zu Beginn bei ihrer Jugend- und Auszubildendenvertretung, dem Betriebs- oder Personalrat oder der zuständigen Gewerkschaft über ihre Rechte informieren. Werden sie angewiesen, Aufgaben zu erledigen, die nicht im Ausbildungsrahmenplan vermerkt sind, spricht man von ausbildungsfremden Tätigkeiten. Von Erledigungen privater Art für den Chef oder die Chefin, über Botengänge und Aufräumarbeiten bis hin zu regelmäßigen Putzdiensten: All das darf Auszubildenden nicht zugemutet werden, genauso Urlaubs- und Krankheitsvertretungen für andere Angestellte des Betriebs oder Arbeiten, die Auszubildenden aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen nicht zumutbar sind.

Die Betriebe müssen die Auszubildenden entsprechend des Ausbildungsrahmenplans und des betrieblichen Ausbildungsplans aktiv ausbilden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten wie Putzen oder endlose Routinetätigkeiten sind nach § 102 Berufsbildungsgesetz ordnungswidrig. Die Ausbildungsvergütung ist für viele Azubis in Tarifverträgen festgelegt. Wo kein Tarifvertrag Anwendung findet, gilt die von den Gewerkschaften erkämpfte Mindestausbildungsvergütung. Sie beträgt 2023 im ersten Ausbildungsjahr 80 Prozent der branchenüblichen tariflichen Vergütung, mindestens jedoch 620 Euro. Das gilt auch für Auszubildende in einer staatlich geförderten außerbetrieblichen Ausbildung.

Auf www.dr-azubi.de, dem kostenlosen Online-Beratungstool der DGB-Jugend, werden Azubi-Fragen beantwortet.

(RP)