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„Stadt der Helden“ - bewegte Historie

Diese Geschichte hat Gorazde, die künftige Partnerstadt Mettmanns : „Stadt der Helden“ – bewegte Historie

Die 30.000 Einwohner von Gorazde kämpfen um wirtschaftlichen Aufschwung.

(rab) Die Stadt Gorazde liegt an der Drina, ganz im Südosten von Bosnien und Herzegowina. „Das ist eine richtig wildromantische Gegend, mit Wäldern und Bergen“, sagt Ulrich Hogenschurz, der als Vorsitzender des Freundschaftsvereins Mettmann-Gorazde schon rund 30 Mal dort war. Etwa 30.000 Menschen bewohnen die kleine Stadt am Fluss, fast alle von ihnen sind muslimische Bosniaken.

Im Laufe seiner Geschichte gehörte Gorazde erst dem bosnischen und später dem osmanischen Reich an, ab 1878 wurde es von Österreich-Ungarn besetzt. Nur rund 50 Kilometer von Gorazde entfernt liegt Sarajevo, wo 1914 durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand die Julikrise ausgelöst wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Bosnien und Herzegowina zu Jugoslawien. Im Rahmen der Jugoslawienkriege wurde von 1992 bis 1995 auch in Bosnien Krieg geführt. In dieser Zeit wurde Gorazde von serbischen Milizen belagert – und schaffte es als einzige Stadt an der Drina, bis zum Kriegsende standzuhalten.

Ein Schild mit der Aufschrift „Gorazde – Stadt der Helden“ erinnert daran. Mittlerweile bemüht sich die Stadt, an ihren einstigen Ruf als Industriestandort anzuknüpfen. Vor dem Krieg gab es chemische und Maschinenindustrie, Möbel- und Bekleidungswerke. Heute haben sich unter anderem Autozulieferer in Gorazde niedergelassen.

Im Sport ist Gorazde erfolgreich unterwegs: Sowohl die Frauen- als auch die Männerhandballmannschaft spielen in der ersten nationalen Liga, auf dem gleichen sportlichen Level sind auch die Fußballerinnen erfolgreich. „Allerdings stellen die Auswärtsspiele die Mannschaften vor Herausforderungen“, erklärt Hogenschurz. Die Vereine hätten kein Geld für Mannschaftsbusse, um zu den teils 500 Kilometer entfernten Auswärtsspielen zu fahren. „Die Fahrten werden momentan alle privat organisiert.“ Immerhin habe der Fußballverein zuletzt einen Kunstrasenplatz und neue Umkleidekabinen finanzieren können.

Aktiv ist auch die Musikschule in der Stadt. „Gerade in diesen Bereichen, also im Sport und in der Musik, sehen wir viele Möglichkeiten für Austauschprojekte mit Jugendlichen“, sagt der Vorsitzende, der seinen Freundschaftsverein gern auch verjüngen möchte.

„Aktuell hat der Verein 60 Mitglieder verschiedener Nationalitäten, aber die werden natürlich auch immer älter.“ Den langjährigen Stand auf dem Blotschenmarkt habe man deswegen vorerst aufgeben müssen. Wer die Freundschaft der beiden Städte unterstützen möchte, kann sich aber beim Heimatfest engagieren.