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Wassersport: Wracktauchen im Rausch der Tiefe

Wassersport : Wracktauchen im Rausch der Tiefe

Achim Herbst faszinieren versunkene Schiffe. Auf der boot in Düsseldorf informiert sich der Haaner über Neuheiten.

Tiefes Meeresblau und Bilder von Fischen in schillernden Farben empfangen die boot-Besucher in Halle 3. Achim Herbst sieht sich erwartungsvoll um. Für den Tauchlehrer von Manta Haan ist die weltgrößte Wassersportmesse in Düsseldorf eine Gelegenheit, sich über Neuerungen und Weiterentwicklungen zu informieren. Zielstrebig steuert er auf einen zitronengelben Stand im Zentrum zu.

"Das hier ist sehr interessant. Dieses Rettungssystem hilft, abgetriebene Taucher zu orten. Der Sender geht mit dem Sportler unter Wasser, der Empfänger bleibt auf dem Boot zurück", erklärt der Experte und zeigt auf einen kleinen gelben Kasten. "Da, wo wir diese Geräte im Einsatz haben, hat es zuletzt keine große Suchaktion mehr gegeben", bestätigt Christiane Linkenbach von der Herstellerfirma. "Leider scheuen viele Tauchbasen die Anschaffung", kritisiert Achim Herbst und streicht sich mit der Hand über seine kurzen dunkelblonden Haare.

Der Rausch der Tiefe fasziniert Achim Herbst. Dort, wo das Tageslicht einer blauen Dämmerung weicht, entdeckt er versunkene Welten. "Historische Wracks interessieren mich am meisten. Ihre Geschichte fesselt mich", berichtet der Tiefenexperte. Die Nordsee zählt zu seinem Stammrevier, doch im September plant er eine Reise zu den Überresten der "Andrea Doria" vor der amerikanischen Atlantikküste.

Im Fitnessstudio bereitet der 58-Jährige seinen Körper auf die Belastung vor, regelmäßig lässt er sich vom Arzt untersuchen. "Für solche Projekte muss ich absolut fit und gesund sein. Beim kleinsten Unwohlsein muss ich alles abbrechen, denn sonst gefährde ich mich und meine Kollegen." Bei Tauchgängen in Tiefen von 100 oder 120 Meter wirken mindestens zehn bar Druck auf den Organismus. Gleichzeitig ist das Unterwasserabenteuer eine mentale Herausforderung. "Ein Gefahrenbewusstsein ist wichtig, denn ich kann nicht mal eben auftauchen."

Er plant seine Tauchgänge selbst bis ins Detail vor. "Tiefe, Dauer und das Gasmanagement für das Atemgerät berechne ich sehr genau und führe das genauso durch." Wenn etwas nicht nach Plan läuft, taucht er gar nicht erst ab. "Sobald beispielsweise ein Sturm aufzieht und das Schiff nicht direkt über dem Wrack ankern kann, ist es zu gefährlich." Zwischen 20 und 30 Tauchgänge in extreme Tiefen absolviert er im Jahr. Zum Training fährt der Haaner bis an den Kreidesee bei Cuxhaven oder den See im Berg in Messinghausen.

Achim Herbst bleibt an einem Stand stehen, der mit Bildern von tiefblauem Wasser, leuchtenden Korallen, Meeresschildkröten und exotischen Fischen tapeziert ist. "Florida Keys", steht in dicken Lettern über dem bunten Unterwasserparadies. "Vor vielen Jahren war ich mal mit meiner Familie dort. In den Keys liegen zahlreiche interessante Wracks, die mich reizen würden. Inzwischen gibt es dort sogar eine deutsche Tauchschule", berichtet der leidenschaftliche Entdecker.

"Sprechen Sie Deutsch?", fragt er vorsichtshalber den jungen Mann, der lässig in Jeans und Shirt hinter dem Tresen steht. "Eher bayerisch", antwortet der mit einem breiten Grinsen. "Mich würde eine Reise zum Wrack der Vandenberg interessieren", sagt Achim Herbst. "Unsere Basis ist in Key Largo. Von dort würde ich Ihnen empfehlen, mit einem Mietwagen von Insel zu Insel zu fahren — bis hier unten", sagt der Tauchlehrer auf dessen Namensschild René steht und zeichnet auf der Karte den Weg bis zur Vandenberg nach. Achim Herbst nickt nachdenklich, lässt sich Informationsmaterial geben und setzt seinen Messerundgang fort.

An einem futuristischen Tauchgerät mit Flaschen aus glänzendem Chrom bleibt er stehen. "Das ist ein Gerät für große Tiefen. In der einen Flasche ist Sauerstoff, in der anderen ein Füllgas. Es ersetzt das, was dem Körper unter Wasser beim Atmen verloren geht", erklärt Achim Herbst. "Der Kalkfilter hier hinten bindet das CO2", er deutet auf einen gläsernen Zylinder mit weißen Stäbchen. "Dieses Gerät ist einfach zu bedienen und von einer deutschen Firma. Das vereinfacht die Wartung. Es hat für meinen Geschmack aber zu viel Elektronik", betont Achim Herbst.

Einige Schritte weiter bleibt er vor einer Vitrine mit Kameragehäusen stehen. "Das würde mich auch reizen, die Wracks unter Wasser zu fotografieren oder zu filmen. Doch die entsprechend stabilen Modelle kosten fast so viel wie ein Kleinwagen. Das ist mir zu teuer", sagt der Haaner. Ihm bleiben daher vorerst nur die Bilder in seiner Erinnerung von muschelverkrusteten Stahlwänden im blauen Dämmerlicht am Meeresgrund.

(domi)