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Urteil nach Spielabbruch: AC Italia hadert, SFD 75 zieht Team zurück

Fußball : Urteil nach Spielabbruch in Hilden: AC Italia hadert, SFD 75 zieht Team zurück

Der Abbruch der Kreisliga C-Partie zwischen den beiden Kontrahenten hatte nun ein Nachspiel vor der Spruchkammer des Fußballkreises Düsseldorf. Zwar gewinnen die Hildener am grünen Tisch, bekommen aber auch Punkte abgezogen.

Der 1980 gegründete AC Italia blickt 2020 auf eine bewegte Geschichte zurück. Doch die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen trüben die Ereignisse rund um die Partie der Fußball-Kreisliga C zwischen der zweiten Mannschaft des AC Italia und der Reserve des SFD Süd am 8. Oktober 2020. Ein Tag, der Mitglieder und Vorstand noch länger beschäftigen wird. Denn die hitzige Begegnung an dem Donnerstagabend auf dem Kunstrasen an der Schützenstraße endete mit einem Großeinsatz der Polizei.

Schon in der ersten Halbzeit kochten die Emotionen immer wieder hoch und der Schiedsrichter zeigte einem Düsseldorfer Fußballer nach wiederholtem Foulspiel die gelb-rote Karte. Nach dem Seitenwechsel heizte die Stimmung weiter auf. Nur drei Minuten waren gespielt, als der Unparteiische nach einem überharten Foul an einem Hildener einen weiteren SFD-Akteur vom Platz stellte. Eine Entscheidung, die der Düsseldorfer Co-Trainer nicht so stehen lassen wollte. „Er hatte intensiven Gesprächsbedarf mit dem Schiedsrichter und ist auf den Platz gelaufen“, berichtet Bernd Biermann, Vorsitzender des Fußballkreises Düsseldorf, von den Erkenntnissen aus der Verhandlung vor der Spruchkammer. Der Unparteiische habe den Co-Trainer des SFD mehrfach aufgefordert, den Rasen zu verlassen. Weil der jedoch der Aufforderung keine Folge leistete, brach der Referee die Begegnung ab und ging in die Kabine.

Nach dem Spielabbruch eskalierte die Lage. Laut einem Polizeisprecher folgte „eine wechselseitige Schlägerei zwischen mehreren Spielern, Betreuern und Zuschauern“. Am Ende rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an. Der Torhüter des AC Italia musste wegen des Verdachts einer schweren Gesichtsverletzung mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden, das er aber nach einer ambulanten Behandlung wieder verlassen konnte.

Die Spruchkammersitzung des Fußballkreises Düsseldorf in der vergangenen Woche beschäftigte sich vornehmlich mit dem Spielabbruch, befragte Zeugen zu den Vorkommnissen während des Spiels. Als Verursacher des Spielabbruchs machte die Kammer den Co-Trainer des SFD aus und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro. Die Partie wird außerdem mit 2:0 Toren für den AC Italia II gewertet. Für beide Teams gibt es zudem Geldstrafen und Punktabzüge, „weil sie beide an der anschließenden Schlägerei beteiligt waren“, erläutert Biermann.

Für die Zweite des AC Italia notierte die Spruchkammer definitiv drei Punkte Abzug, drei weitere sind zur Bewährung ausgesetzt und kommen dann zum Tragen, wenn es im Laufe der Saison zu einem weiteren Vorfall ähnlicher Güte kommt. Die  SFD-Reserve bekommt sechs Punkte abgezogen, drei weitere sind zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings kommt diese Strafe nicht mehr zum Tragen, da der Verein seine Mannschaft vom Spielbetrieb zurückzog. Damit entfällt auch die verordnete Verbandsaufsicht für das Rückspiel beider Teams. Die Kosten des Verfahrens sind von den beiden Klubs anteilig zu zahlen: Ein Drittel der AC Italia, zwei Drittel der SFD.

In einem weiteren Verfahren will der Fußballkreis Düsseldorf klären, wer die Massenschlägerei nach dem Abbruch der Partie auslöste. „Aufgrund der Zeugenaussagen hat sich ein Anfangsverdacht gegen einen Spieler des AC Italia und vier Spieler des SFD ergeben“, berichtet Bernd Biermann. Der Termin für diese Sitzung steht aber in den Sternen, denn der SFD reagierte auf das Urteil der Spruchkammer, zog seine zweite Mannschaft mit sofortiger Wirkung zurück und meldete alle Spieler ab.

„Spieler und Trainer erhalten Platzverbot für alle von SFD 75 organisierten Spiele, Turniere, Veranstaltungen – ein Besuch zum Beispiel von Spielen der ersten Mannschaft ist untersagt“, heißt es in einer Mitteilung auf der Homepage des Vereins. Dazu weiter: „Der SFD 75 e.V. distanziert sich absolut von dem Verhalten dieser Mannschaft und ist völlig entsetzt von den Ausschreitungen, dem Verhalten der Mannschaft und jedes einzelnen Spielers.“ Derzeit berät der Düsseldorfer Verein auch über den Fortbestand der Erstvertretung. „Wir brauchen in unserem Verein keine weitere ‚tickende Zeitbombe’ und müssen vorsorgen, dass es zu keinerlei Ausschreitungen und somit negativer Presse für uns kommt“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Haupt und fügt hinzu: „Ob und wie die erste Mannschaft also weiterhin Bestand hat, wird sich zeigen. Auch wenn diese bislang wirklich vorbildlich war, müssen wir präventiv überlegen und einen Plan haben.“

Die Abmeldung der Reserve-Fußballer des SFD brachte zugleich das noch ausstehende Verfahren wegen der Massenschlägerei zum Ruhen, so Bernd Biermann. „Wenn die Spieler sich wieder irgendwo anmelden, wird das Verfahren wieder eröffnet und weitergeführt“, berichtet der Vorsitzende des Fußallkreises Düsseldorf und betont: „Die Angelegenheit ist also mit der Abmeldung nicht erledigt und auch der SFD kommt nicht aus der Verantwortung heraus.“

Nicht zufrieden ist auch Mario Tassone. Der Vorsitzende des AC Italia erklärt: „Ich bin mit der Urteilsfindung gar nicht einverstanden. In meiner Stellungnahme habe ich geschrieben, dass der SFD die Vorfälle mit dem Handy aufgenommen hat. Tatsächlich wurde der Spruchkammer dann ein Video zur Verfügung gestellt, uns aber nicht. Wir wurden bei der Verhandlung damit überrascht. Ich fand das nicht korrekt, denn in einem Gerichtsverfahren ist es normalerweise üblich, dass beide Seiten Einsicht haben.“ Ein Grund, weshalb Tassone überlegt, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen, zumal nun plötzlich der Torwart der eigenen Mannschaft im Fokus steht. „Er war eigentlich das Opfer“, stellt der erzürnte AC-Vorsitzende mit Nachdruck fest.