Unitas-Handballer kommen nicht vom Fleck

Handball : Unitas-Handballer kommen nicht vom Fleck

ANALYSE In der vergangenen Saison starteten die Haaner mit drei Siegen in die Oberliga-Runde – danach lief bis zur Vizemeisterschaft vieles wie von selbst. Jetzt tut sich die Mannschaft von Kai Müller vor allem in eigener Halle schwer, die Erwartungen der Fans zu erfüllen.

Die Unitas-Handballer können an diesem Wochenende durchschnaufen. Weil am Totensonntag, einem stillen Feiertag, erst ab 18 Uhr Sportveranstaltungen möglich sind, ruht der Spielbetrieb in den meisten Ligen. Eine Pause, die vielen Mannschaften gerade recht kommt und die Gelegenheit bietet, nach einem knappen Drittel der Saison eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die sieht für die Haaner nicht rosig aus. Während sie in der vergangenen Saison Mitte November mit 12:4 Punkten Rang drei belegten, stehen sie aktuell mit 6:10 Zählern auf dem zehnten Platz. Eine Ausbeute, die das ambitionierte Team nicht zufrieden stimmt, zumal der Trend der letzten drei Begegnungen mit zwei Niederlagen und einem Remis abwärts zeigt. Und in zwei Wochen kommt Tabellennachbar TSV Aufderhöhe in die Halle an der Adlerstraße – ein weiterer Gegner der unbequemen Art.

In dieser Woche lassen die Haaner den Handball einfach mal in der Ecke liegen. „Das ist in dieser Situation sicher das Beste“, sagte Kai Müller kurz nach dem Abpfiff der verlorenen Partie gegen den TV Lobberich. Da ahnte der Unitas-Trainer allerdings noch nicht, dass die Stadt Haan die Halle an der Adlerstraße am Montag wegen Bodenschäden bis auf Weiteres sperrte. Vielleicht wären sonst schnell die Emotionen hoch gekocht, denn das leidige Thema machte den Handballern bereits im Sommer zu schaffen – von einer konzentrierten und intensiven Vorbereitung auf die neue Saison konnte deshalb nicht die Rede sein. Statt das wohldurchdachte Übungsprogramm mit Technik und Taktik durchzuziehen, mussten die Haaner froh über jedes Freundschaftsspiel sein, das sie in der Fremde absolvieren konnten. Das kam letztlich aber mehr einer Bewegungstherapie gleich.

Um so erstaunlicher, dass das Müller-Team zum Oberliga-Auftakt einen deutlichen 30:21-Sieg bei Borussia Mönchengladbach holte. Doch die Realität holte den letztjährigen Vizemeister schnell ein, denn in eigener Halle verloren die Haaner das Derby gegen Mettmann-Sport mit 21:27. Die Niederlage war für die Unitas vor allem in der Höhe schmerzhaft. Für den Lokalrivalen war es hingegen die ersehnte Revanche für die 22:34-Klatsche, die sich die Mettmanner Anfang Dezember des vergangenen Jahres einhandelten – und für Trainer Jürgen Tiedermann, der damals wortlos die Halle verließ, irgendwie auch eine Herzensangelegenheit.

Die Abfuhr im Derby hinterließ Spuren. Die Unitas-Handballer mussten der durchwachsenen Vorbereitung Tribut zollen und zugleich nagte die Niederlage am Selbstbewusstsein. Dennoch holte das Müller-Team ein 26:26-Remis beim LTV Wuppertal – der dritte Punkt im zweiten Auswärtsspiel. Doch weil es das Oberliga-Programm gerade in den ersten Meisterschaftswochen nicht gut mit den Haanern meinte, folgte nur eine Woche später das Duell gegen den Regionalliga-Absteiger und Top-Favoriten HC Wölfe Nordrhein. Und mit 20:26 stand die zweite Heimniederlage fest. Besser lief es auswärts mit dem klaren 34:20‑Sieg über die HSG Neuss II, eine Mannschaft allerdings, die bislang nur zwei Punkte auf dem Konto hat und damit den vorletzten Tabellenplatz einnimmt.

Der nächste Tiefpunkt war das 15:17 im Duell gegen die SG Langenfeld II – die dritte Niederlage im dritten Heimspiel hatte heftige Reaktionen einiger Fans zur Folge. Dabei wusste zumindest die Haaner Abwehr zu überzeugen, während der Angriff überhaupt nicht auf Touren kam. Eine Wohltat für die Mannschaft war dagegen der Abstecher zum TV Krefeld-Oppum, auch wenn beim 25:25 nur ein Punkt herauskam.

Vor der Partie gegen den TV Lobberich wuchs der Druck auf die Unitas. „Zu Hause läuft es im Moment noch ganz schlecht – letzte Saison sah das ganz anders aus“, stellte Pascal Schusdzarra im Vorfeld fest. Und der 27-Jährige schob den Grund gleich hinterher: „Man hat einfach die Erwartungen im Kopf. Die Zuschauer wollen immer Siege und deshalb ist der Druck höher.“ Eine Halbzeit lang präsentierten sich die Haaner nervenstark, schienen auf einem guten Weg, endlich mal vor eigenem Publikum zu punkten. Doch fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff begann die Talfahrt – und am Ende hatten die Gastgeber mit 20:30 das Nachsehen. Die Höhe der Niederlage war Kai Müller letztlich egal. „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an“, stellte der Unitas-Trainer fest. „Neue Reize setzen“, lautet aktuell die Devise. Doch die Maßnahmen fruchten noch nicht, weil das Team in stressigen Situationen wieder in alte Muster verfällt und es nicht schafft, erfolgreiche Problemlösungen zu finden. „Wir packen dann die Brechstange aus, statt es miteinander zu versuchen“, hat Kai Müller erkannt. Viel besser lief es übrigens auch im vergangenen November nicht gegen den TV Lobberich – seinerzeit reichte es in der Halle an der Adlerstraße nur zu einem 27:27-Remis.

Unitas-Trainer Kai Müller setzt neue Reize. Foto: Köhlen, Stephan (teph)
Pascal Schusdzarra führt viele Teamgespräche. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

In der Tabelle schlägt sich vor allem die Heimschwäche mit vier Niederlagen in vier Begegnungen nieder. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt drei Siege und ein Remis. Die Auswärtsbilanz ist mit zwei Siegen und zwei Unentschieden durchaus in Ordnung – in der vergangenen Saison gab es zwei Siege, ein Remis und eine Niederlage. Die Defizite sind erkannt, den Königsweg aus der (Ergebnis-) Krise hat Kai Müller hingegen noch nicht gefunden. Auch Pascal Schusdzarra, der zuletzt nach einer Zahnoperation und grippalem Infekt pausieren musste, will es mit einfachen Mitteln probieren. „Vielleicht müssen wir uns als Mannschaft einfach mal zusammensetzen und alles auf den Tisch bringen, was den Einzelnen stört“, sagt er. Oftmals eine probate Maßnahme, atmosphärische Dissonanzen, die unbewusst den Ablauf stören, mit einem verbalen Knall aufzulösen. Das gilt für Amateursportler wie Profis gleichermaßen.