Training mit dem eigenen Körpergewicht

Fitness : Training mit dem eigenen Körpergewicht

Das Schlingentraining bietet ein hocheffektives Ganzkörper-Workout mit geringen Mitteln. Ein nicht elastisches Gurtsystem sowie ordentlich viel Ausdauer und Biss reichen, um mehr Muskelkraft zu erreichen.

Ein wenig skeptisch treten die ersten Teilnehmer des Workshops in den bespiegelten Kursraum. Von den Stahltraversen an der Decke hängen die schwarzen Gurte nahezu bis zum Boden. Schlaufen und Griffe baumeln daran. Die anfängliche Neugier, die sie offenkundig in den Schnupperworkshop gelockt hatte, droht zu kippen. Große Augen mustern die Schlingen. Isabel Krauz (23) tastet sich mutig heran: „Ich gehe regelmäßig joggen und fahre oft Fahrrad, aber ich will mehr Muskelmasse aufbauen und fitter werden. Der Flyer zum Workshop hatte mich angesprochen“, erklärt sie ihre Motivation. Ausprobiert hat sie das Schlingentraining bislang nicht, berichtet die 23-Jährige. „Ich habe mir nur ein paar Videos im Internet angeschaut und das sah schon sehr cool aus. Mal schauen, ob ich das auch schaffe.“ Sorgen bereite ihr weniger, dass sie nicht genug Kraft haben könnte. „Ich habe eher Probleme mit der Balance und hoffe nur, dass ich mich hier nicht lang lege“, sagt sie.

Die aufkommenden Bedenken kann Trainer Kevin Weihrauch nach den ersten Begrüßungsworten gleich wegräumen: „Ich werde euch gleich erste Übungen zeigen, mit denen ihr euch an die Gurte herantasten könnt“, beruhigt der 28-jährige Personaltrainer. „Aber bevor wir loslegen“, sagt der junge Mann,  während er sich der Stereoanlage nähert, „wärmen wir uns auf.“ Er knipst die Musik an und beginnt zu Stromaes „Alors on danse“ den Hampelmann vorzuturnen. Die Teilnehmer atmen tief ein und machen es ihm nach.

Nach einigen Minuten ist der Körper aufgewärmt, die Muskulatur fühlt sich elastisch an. Bei dem ein oder anderen ist etwas Farbe im Gesicht zu sehen. Es ist ganz schön warm in dem Raum. Aber gleich wird es noch wärmer. Weihrauch greif nach dem Gurt und erklärt, dass allein damit 300 Übungen möglich seien, Beine, Oberkörper und Bauch gezielt, aber auch zeitgleich trainiert werden könnten und je nach dem Winkel, in dem man sich an dem Gurt hochzieht, die Übung komplizierter werde. „Das könnt ihr gleich selbst alle ausprobieren“, referiert der Fachmann während die Teilnehmer aufmerksam zuhören und immer wieder den Gurt begutachten.

Es kostet ein wenig Überwindung, ehe sich die ersten ein wenig mit dem Oberkörper in den Gurt stemmen und ihn als Ruderbank nutzen. Den Gurt in Spannung zu bringen und zu halten, um sich dann an ihm abstützen zu können ohne links oder rechts an ihm vorbeizurutschen und auf den Boden zu fallen, ist zu Beginn die größte Herausforderung. Doch die Grundfitness der Teilnehmer macht sich bemerkbar. Nach wenigen Sekunden sehen die „fliegenden Liegestütze“ sehr professionell aus. Nach der dritten oder vierten Wiederholung jedoch lässt die Kraft in den Armen langsam nach. Die Arme zittern, auch Kristina Prüßner beißt auf die Zähne, kneift die Augen zusammen und drückt sich ein weiteres Mal vom Gurt aus einer Diagonalen in eine beinahe Senkrechte. „Ja, da merke ich, dass ich in den Armen weniger Muskeln habe“, gesteht sich die 17-Jährige ein, die dennoch überraschend souverän alle anderen Übungen meistert und offenkundig gefallen an dem außergewöhnlichen Workout findet. „Das macht auf jeden Fall Spaß. Ist mal was Anderes und man entdeckt tatsächlich Muskeln im Körper, von denen man nichts wusste“, sagt sie schmunzelnd. Am Ende der Stunde sind die Teilnehmer sichtlich geschafft. Die Übungen haben ihnen nicht nur Schweißperlen auf die Stirn gezaubert, sondern auch eine gesunde Röte ins Gesicht.

Trainer Weihrauch freut’s: „Ich hoffe, ich sehe euch dann im Kurs wieder“, verabschiedet er sich von seinen Schützlingen. Der 28-Jährige ist von der Effizienz dieser Trainingseinheiten überzeugt. Denn sämtliche Übungen, die sonst über die schweren Geräte im Fitnessstudio absolviert werden – Rudermaschine, Brustpresse, Bauchtrainer oder Butterfly – werden durch das Gurtsystem ersetzt.