TB Wülfrath unterliegt erneut dem Swimming Club Ware

Schwimmen : Olympia-Stimmung in Wülfrather Wasserwelt

Schwimmer des TB Wülfrath und des Ware Swimming Clubs aus der Partnerstadt treten zu einem Vergleichswettkampf an.

Laute Jubelschreie drängen aus den offenen Türen der Schwimmhalle an der Goethestraße. Wasserplatschen ist zu hören und Motivationsrufe auf Englisch und Deutsch: „Come on boys, go, go“, ruft ein Mann am linken Beckenrand. Neben ihm stehen klatschend und rufend die Mannschaftskameraden in ihren dunkelblauen Poloshirts. Auf der anderen Seite jubeln und klatschen Jungen, Mädchen und Erwachsenen in türkisblauen T-Shirts ihren Sportkollegen zu: „Los, schneller. Du holst ihn gleich ein.“

Während sich im Wasser die Schwimmer paarweise nach Altersklasse (elf bis 50 Jahre) in den diversen Disziplinen und Lagen (Rücken, Brust, Schmetterling und Freistil) messen, halten es am Kopf des Beckens die Zuschauer, Eltern und Geschwister kaum noch auf ihren Plätzen aus: Immer wieder springen sie auf, fiebern mit, freuen sich über jeden noch so kleinen Vorsprung und motivieren ihre Sportler, wann immer sie in Rückstand geraten. Über all das wachen, sitzend auf dem Drei-Meter-Sprungbrett, die Maskottchen beider Vereine – ein großer Plüschbär mit Wülfrather Fan-Schal und ein knuffig rundlicher Delfin.

Eigentlich hätte an diesem Tag das Becken für die Renovierungsarbeiten des Hallenbads längst leergepumpt sein sollen. Doch für dieses besondere Ereignis verschob die Stadt die Arbeiten um einen Tag. Zum 45. Mal nämlich treten die beiden Schwimmvereine schon gegeneinander an. Eine lange Tradition, die im Rahmen der jährlichen, einwöchigen Partnerschaftsbegegnung zelebriert wird. „Der Höhepunkt der Woche“, sagt Holger Schönekes, Technischer Leiter des TB Wülfrath, seit 1974 im Verein aktiv. Auch er hat schon als junger Spund sowohl in der Partnerstadt Ware, rund 40 Kilometer nördlich von London, als auch zu Hause in Wülfrath jahrelang an diesem besonderen Wettkampf teilgenommen. „Es ist sehr außergewöhnlich, allein schon, weil zu normalen Wettkämpfen nie so viele Zuschauer dabei sind“, erläutert er. Der sportliche Ehrgeiz sei trotz aller Freundschaft zu den englischen Kollegen kurz vor dem Start deutlich spürbar, berichtet Schönekes: „Alle sind vorher aufgeregt, das gehört einfach dazu. Jeder möchte gewinnen, vor allem als Gastgeber.“

Zusätzlich motiviert die Wülfrather der Umstand, dass die Engländer die vergangenen fünf Wettkämpfe alle für sich entschieden. Diese Siegesserie, im Übrigen die längste Serie in der Geschichte des Vergleichswettkampfs zwischen Wülfrath und Ware, will die Heimmannschaft an diesem Tag beenden. Doch die Freunde von der Insel sind sportlich stark: 23 der 45 Wettkämpfe gewannen die Engländer bislang. 21 Siege gingen an Wülfrath. Ob sich der 22. nun in greifbarer Nähe befindet? „Ich fürchte nicht“, verrät das langjährige Vereinsmitglied Schönekes. Der Zwischenstand zur Halbzeit: 86 – 107 für Ware. „Aber egal wie es endet, am Ende feiern wir alle gemeinsam mit einer ordentlichen Sektdusche.“

Tatsächlich schaffen es die Wülfrather am Ende nicht, den Zwischenstand aus der Halbzeit zu drehen. Lediglich die sogenannte „Runzelstaffel“ der Senioren über 500 Meter schafft es, ihre Siegesserie aus den vergangenen Jahren aufrechtzuerhalten und holt den Pokal in dieser Disziplin zum fünften Mal in Folge für Wülfrath. Auch die 4 x 50-Meter-Bruststaffel und die Freistil-Staffel gewinnen souverän und lösen bei den Wülfrather Fans einen riesigen Jubelsturm aus. Doch die Gesamtwertung fällt mau aus: 227 zu 162 für Ware. Nichtsdestotrotz springen nach der Siegerehrung alle glücklich und freudestrahlend ins Wasser. Denn auch die sechste Niederlage in Folge kann das Glück der Wülfrather über diese besondere Freundschaft zu den Sportlern aus Ware nicht trüben.

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