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Analyse: TB Wülfrath scheitert an Unerfahrenheit

Analyse : TB Wülfrath scheitert an Unerfahrenheit

Das stark verjüngte Frauen-Team kann in der Handball-Oberliga sein Leistungsvermögen nicht abrufen - und steigt deshalb ab.

Die Oberliga-Handballerinnen des TB Wülfrath sind nach der 17:23-Heimniederlage am Samstagabend gegen den letzten direkten Abstiegskonkurrenten Neusser HV in die Verbandsliga abgestiegen. Wie konnte es dazu kommen? Was sind Ursache und Gründe für den Abstieg? Fragen, die sich auch die Verantwortlichen des TBW stellen.

Lars Faßbender übernahm das Team als Interimscoach. Foto: Archiv/Janicki

Vor der Saison 2013/2014 gab es in Wülfrath einen großen Umbruch. Einige erfahrene Spielerinnen wechselten oder traten kürzer. Dafür fanden viele junge Akteurinnen den Weg nach Wülfrath. Der neue Kader - ganz klar der jüngste in der Oberliga - setzte sich im Wesentlichen aus Spielerinnen der A-Jugend der JSG Wuppertal zusammen, die zuvor zwei Jahre in der Jugend- Regionalliga aufliefen. Und von denen schnupperten schon einige mit Doppelspielrecht Oberliga-Luft mit dem Wülfrather Frauen-Team. Als Trainerin engagierte der Klub Sonja Fischer, die mit ihren Spielerinnen von der JSG Wuppertal nach Wülfrath wechselte.

Ben Buiting sprang im letzten Spiel als Trainer ein. Foto: Janicki

Die Vorbereitung verlief zwar aufgrund von Studium und Urlaub recht schleppend, dennoch waren die Verantwortlichen im Wülfrather Lager sehr optimistisch, was die anstehende Saison betraf. Doch der Start in die Oberliga-Runde verlief schon recht schleppend und ernüchternd. Nach zwei Auftaktniederlagen holte der TBW zwar am dritten Spieltag gegen TD Lank den ersten Sieg, doch danach folgten von neuem sechs Niederlagen in Folge. Negativer Höhepunkt war die 26:32-Heimpleite gegen den TV Beyeröhde II, die weitaus schwächste Mannschaft in der Oberliga.

Schon damals zeichnete sich ab, dass der Mannschaft in vielen Situationen "der Kopf" fehlt und sich auch keine Spielerin als "Leader" herauskristallisieren sollte. Zu oft agierte das Team viel zu hektisch und unkontrolliert, rief sein Leistungsvermögen viel zu selten ab.

Bis zum Ende der Hinrunde folgten dann zwar noch zwei Siege gegen den TV Lobberich und den SV Straelen, doch mit 6:22 Punkten belegten die Wülfratherinnen zur Halbzeit der Saison nur den letzten Tabellenplatz.

Der Start in die Rückrunde verlief mit dem völlig überraschenden 27:22-Sieg beim Tabellenführer und späteren Meister Fortuna Düsseldorf sehr verheißungsvoll, doch die TBW-Handballerinnen konnten sich über diesen Erfolg nicht lange freuen. Denn in den folgenden fünf Begegnungen holten sie nur 1:9 Punkte und klebten damit weiter am Tabellenende fest. Es zeigte sich, dass die Leistungen der Mannschaft einfach viel zu schwankend waren. Da boten die jungen Spielerinnen sehr gute Vorstellungen, um nur eine Woche später wieder völlig neben den Schuhen zu stehen.

Sonja Fischer reagierte auf die Misere - Anfang Februar trat die Trainerin von ihrem Amt zurück. Die Verantwortlichen in Wülfrath beförderten daraufhin Lars Faßbender als Trainer der Verbandsliga-Reserve zum Chefcoach der Oberliga-Mannschaft. Und der selbst noch sehr junge Wuppertaler brachte in der Folge ein wenig Struktur in die Spielweise seiner jungen Mannschaft.

Nach dem Sieg in Wedau gab es zwar noch einmal einen Rückschlag mit der völlig unnötigen 27:31-Niederlage beim TV Beyeröhde II , doch danach lief es für die Wülfratherinnen weitaus besser. Drei Siege in Serie gegen die Bergischen Panther, in Lobberich und gegen den TV Biefang brachten dem TBW den Anschluss an die anderen Teams - und alles war wieder offen im Abstiegskampf. Dann folgte erneut ein Rückschlag mit der 20:29-Niederlage in Straelen, die die Wülfratherinnen aber nur eine Woche später mit dem überraschenden 23:17-Erfolg gegen den Zweiten Aldekerk wieder wettmachten.

Den Schlusspunkt unter eine wechselhafte Saison setzte am Samstag das "Abstiegsfinale" gegen den Neusser HV, das die TBWHandballerinnen verdient verloren und damit endgültig in die Verbandsliga abstürzten.

Als Fazit bleibt: Die Wülfrather Verantwortlichen waren bezüglich der Leistungskonstanz der jungen Mannschaft einfach zu optimistisch. Denn eine gute Regionalliga-A-Jugend ist nicht automatisch auch eine feste Größe in der Frauen-Oberliga - dazwischen liegen doch noch einige Welten, zumindest in der Erfahrung. Das spielerische Potenzial ist zweifellos vorhanden, doch das riefen die jungen Handballerinnen viel zu selten ab.

Nach Aussage von Jugendwartin Edith Weber will der Klub nun mit allen Spielerinnen noch einmal sprechen und hofft, zumindest mit dem größten Teil der Mannschaft weiterarbeiten zu können, um den unerwarteten Abstieg in der nächsten Saison wieder reparieren zu können und den Wiederaufstieg in die Oberliga zu realisieren. Dafür brauchen die Wülfrather Verantwortlichen allerdings auch das nötige Quäntchen Glück.

(ff)