1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann
  4. Lokalsport

Reitsport: Talente trainieren für den Landeskader

Reitsport : Talente trainieren für den Landeskader

Der rheinische Landestrainer Jarno Debusschere hat junge Vielseitigkeitsreiter zu einer Sichtung nach Mettmann eingeladen. Der 38-Jährige möchte den Nachwuchs gezielt auf anspruchsvollere Aufgaben vorbereiten. 18 Paare kamen zum Leistungstest.

Mettmann Die Hufe trommeln im dumpfen Dreitakt über den weichen Hallenboden. Den Oberkörper leicht nach vorne geneigt und im Steigbügel federnd, galoppiert Anna Knappstein im leichten Sitz die lange Seite herunter. "Behalte die Kontrolle. Bleib weich in der Hand!", mahnt Jarno Debusschere. In Jeans und dicker Daunenjacke steht er im Mittelpunkt der Reithalle und verfolgt die junge Reiterin und ihr fuchsfarbenes Pony aufmerksam.

Der Landestrainer Vielseitigkeit im Rheinland hatte talentierte Paare unter 15 Jahren zu einem Sichtungstraining auf die Anlage am Dorper Weg eingeladen. "Damit möchte ich mir einen Überblick über den Leistungsstand verschaffen. Wir suchen gezielt nach Kombinationen, die wir weiter fördern und die eine Chance haben, bei Wettkämpfen wie der Goldenen Schärpe und dem Bundesnachwuchschampionat teilzunehmen."

Naturhindernisse wie ein dicker Baumstamm, eine Sitzbank und ein hölzerner Schweinerücken stehen kreuz und quer in der Halle verteilt. Kleine Bäumchen und Buschwerk sollen den Eindruck erwecken, im Gelände unterwegs zu sein. "Wir nehmen daher große Linien, damit die Pferde zum Galoppieren kommen", erklärt Debusschere seinen vier Schülern. "Ihr kommt jetzt linke Hand über den Baumstamm und dann außen herum in einem großen Bogen über die Sitzbank." Mit großen Armbewegungen zeichnet der Trainer die Linie nach, die Reiter folgen ihr mit den Augen.

  • Fabian zur Linden (am Ball) sah
    Fußball : VfB 03 Hilden kämpft sich in die nächste Pokalrunde
  • Ardian Duraku fällt aus.⇥RP-Foto: Blazy
    Fußball : ASV Mettmann braucht im Derby eine Leistungssteigerung
  • Robin Weyrather (r.) will nach seinem
    Fußball : VfB 03 Hilden II geht Aufgabe bei Schwarz-Weiß 06 mit Respekt an

Anna Knappstein wendet ihre kleine Stute und galoppiert mit einem energischen Schenkeldruck an. Im gleichmäßigen Rhythmus steuert sie auf den massiven Baumstamm in der unteren Hallenhälfte zu. Den Blick konzentriert nach vorne gerichtet, sieht sie das Hindernis auf sich zukommen, findet gemeinsam mit ihrem Pony den passenden Absprungpunkt, beugt sich über den Hals des Tieres und schiebt die Hände in Richtung Pferdemaul nach vorne. Während der Landung richtet sie sich wieder auf und galoppierte geradeaus weiter. Sie hat bereits den nächsten Sprung im Auge. Taxieren, abheben, fliegen, landen, weitergaloppieren.

Ihr Brustkorb unter der Schutzweste hebt und senkt sich schnell, als die 13-Jährige Dark Sugar zum Schritt durchpariert und die Zügel lang lässt. "Puh!", entfährt es ihr. Im vergangenen Jahr hat sie mit der Vielseitigkeit angefangen. "Neben Dressur und Springen macht mir das Reiten im Gelände besonders viel Spaß. Da kann ich mein Pony mal richtig galoppieren lassen. An den festen Hindernissen geht es vor allem um Vertrauen", berichtet die Mettmannerin lächelnd. Sie ist ehrgeizig und hofft, eines Tages den Sprung in den Kader und bis in die höchste Klasse zu schaffen. Dafür sitzt sie jeden Tag im Sattel, trainiert vier- bis fünfmal in der Woche intensiv. "Meine Reitlehrerin Birgit Brücken ist mein Vorbild."

Die Trainerin beobachtet durch die Fensterscheibe das Geschehen in der Halle. Dort galoppiert Celine Offergeld auf ihrem großrahmigen Rappen gerade auf die klobige Sitzbank aus halben Baumstämmen zu. Arton bewegt sich im gleichmäßigen Tempo, drückt sich vor dem Hindernis kraftvoll ab, segelt in einem weiten Bogen über die Lehne und landet sicher auf beiden Vorderbeinen. "Sehr gut!", lobt Debusschere. "Wichtig ist, immer den Überblick zu behalten: Wo ist mein Sprung und wie reite ich ihn richtig an. Das muss klappen, auch wenn ihr nachts aufsteht. Denn die Hindernisse sind massiv. Das rumst, wenn ihr da hängenbleibt."

Der gebürtige Belgier mit Wahlheimat Mettmann weiß, wovon er spricht. Er reitet selbst auf internationalem Niveau und war bereits auf der schwersten Geländestrecke der Welt in Badminton unterwegs. Seit drei Jahren fördert der durchtrainierte Profi als Landestrainer den Nachwuchs im Rheinland. "Der Verband hat mich aufgrund meiner Erfahrung im Sport angesprochen", berichtet der 38-Jährige. Sein Blick ruht auf seinen Sichtungsschülern. "Mir ist es wichtig, vor der Saison schon ein paar Eindrücke zu sammeln und Kontakt zu den Jugendlichen zu knüpfen. Ein paar Namen habe ich mir heute notiert. Diese Reiter möchte ich weiter begleiten."

Ob sie dazugehört, weiß Anna Knappstein noch nicht. Sie beschäftigt sich vorerst mit ihrer nächsten Aufgabe. "Einmal außen herum und dann kommst du von oben über die Ecke", weist Debusschere sie an. Anna runzelt kurz die Stirn und galoppiert los. "Stopp! Links herum!", ruft der Trainer ihr hinterher. Die Schülerin zügelt ihre Stute und schaut verwirrt. "Du musst dich besser konzentrieren", rügt Debusschere. "Noch einmal." Das Mädchen lässt ihr Pony angaloppieren. Die Hufe trommeln dumpf im Dreitakt über den weichen Hallenboden, als sie auf das massige Hindernis in Form eines überdimensionalen Kuchenstücks zureitet. Dark Sugar hebt ab, streckt sich und landet sicher.

(domi)