Fußball: Sebastian Herweg setzt sich zur Ruhe

Fußball : Sebastian Herweg setzt sich zur Ruhe

Der Torhüter kam von Fortuna Düsseldorf nach Hilden, spielte hier nicht nur beim VfB 03, sondern auch beim SV Nord.

Abschiedsstimmung breitet sich in diesen Tagen beim VfB 03 Hilden aus. Denn etliche Spieler verlassen das Oberliga-Team am Saisonende. Für einige Akteure steht sogar das Karriereende an. Dazu zählt Sebastian Herweg. Der Torhüter fand erst am Anfang der Saison wieder den Weg nach Hilden. "Eigentlich wollte ich schon aufhören, aber dann hat mich Michael Kulm angesprochen, ob ich noch frei wäre", berichtet Herweg. Der Torhüter entschloss sich, noch ein Jahr dranzuhängen. "Wir hatten gute Gespräche und ich kannte ja einen Großteil der Mannschaft aus meiner Hildener Zeit - das ist eine charakterstarke, vernünftige Truppe mit hochanständigen Jungs", erzählt der 32-Jährige und ergänzt: "Die Entscheidung habe ich nicht bereut." Denn Herweg kam noch zu einigen Einsätzen, als sich Bastian Sube für einige Wochen zum Praktikum nach Bayern verabschiedete. "Ich habe ganz gut gespielt und in dieser Phase haben wir auch wichtige Punkte geholt", stellt er fest. Dann bremste ihn allerdings ein Muskelfaserriss im Oberschenkel aus. "Schade, ich hätte gerne noch ein paar Spiele mehr gemacht, aber Marvin hat trotz seines Alters die Aufgabe gut gelöst", lobt er den jungen Keeper Oberhoff, der erst in der Winterpause zum VfB 03 kam. Zugleich unterstreicht Herweg: "Mit drei wirklich guten Torhütern haben wir den Grundstein gelegt, um die Klasse zu halten - das ist nicht zu unterschätzen."

Stefan Schaumburg spielte schon beim SV Nord gemeinsam mit Sebastian Herweg. "Ein sehr angenehmer Zeitgenosse, mit dem man nach dem Training gerne mal ein Bierchen trinkt. Das ist einer, der zu allem etwas zu sagen hat und dessen Meinung zählt", sagt der Kapitän des VfB 03 und ergänzt: "Sebastian ist immer auf dem Boden geblieben." Voll des Lobes ist auch Marcel Bastians, der früher ebenfalls gemeinsam mit Herweg auf dem Feld stand. "Ein super Typ. Es hat riesig Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich mag ihn als Mensch: Er ist eine ehrliche Haut und eine Bereicherung für die Mannschaft", betont der Hildener Coach und kündigt an: "Wenn einer seine Karriere beendet, bekommt er sein Abschiedsspiel." Will heißen: Wenn alles gut geht, hütet Herweg am Sonntag (15 Uhr) gegen den Cronenberger SC ein letztes Mal den Kasten des VfB 03. Der 32-Jährige freut sich schon darauf: "Das wird bestimmt emotional. Ich bin froh, dass ich noch einmal Oberliga spielen durfte in so einer coolen Mannschaft."

Dem Fußball wird Herweg aber verbunden bleiben - als Torwarttrainer der U 15 von Fortuna Düsseldorf, seinem Heimatverein. Der gebürtige Düsseldorfer wuchs allerdings in Ratingen auf und erlebte seine fußballerischen Anfänge beim TuS Homberg. Doch bereits in der D-Jugend zog es ihn zur großen Fortuna. "Auf einem Hallenturnier wurde ich angesprochen, habe dann ein halbes Jahr zur Probe mittrainiert." Als sich der etatmäßige Schlussmann verletzte, übernahm Herweg die Torhüterrolle. "Als einer gesucht wurde, bin ich wohl nicht schnell genug weggelaufen", sagt er im Scherz, denn letztlich fand er Gefallen an der Aufgabe. "Es ist eine exponierte Position - man ist der Einzige, der den Ball in die Hand nehmen darf", hebt er den Unterschied zum Feldspieler hervor. Zugleich betont er: "Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Jubel und Trauer liegen eng beieinander. In der Regel wird ab einer gewissen Liga jeder Fehler mit einem Tor bestraft, das hat gerade erst das Champions-League-Finale mit Loris Karius gezeigt." Die hohe Verantwortung hat Herweg im Laufe seiner Karriere jedoch gerne getragen. Er gesteht: "Man muss schon positiv verrückt sein, wenn man sich aus drei Metern den Ball ins Gesicht schießen lässt." Gleich danach fügt er hinzu: "Wichtig ist, dass man auf dem Platz verrückt ist, das aber nicht auf das Privatleben überschlägt."

Mit den A-Junioren der Fortuna lief Herweg in der Bundesliga auf, stand später im Kader des Düsseldorfer Regionalliga-Teams, hatte aber nur einen Einsatz. "Nur eins von 34 Spielen - das war nicht mein Anspruch. Aus Frust habe ich sogar überlegt, ganz aufzuhören", berichtet er. Peter Zill, ein Arbeitskollege seines Vaters, überzeugte ihn 2006 vom Wechsel zum SV Nord - statt unter Profibedingungen trainierte er nun bei einem Verbandsligisten, der die Klasse nicht halten konnte. Ein Jahr später wechselte Herweg zum VfB 03, mit dem er 2009 in die Landesliga abstieg, kehrte danach zum SV Nord zurück. Den Aufstieg mit dem Klub in die Niederrheinliga bezeichnet er als schönstes Erlebnis in seiner Karriere.

"Ich habe mich in Hilden immer wohlgefühlt. Beide Vereine hatten schwere, aber auch gute Zeiten", sagt er. Erst 2012 ging er zum Oberligisten 1. FC Wülfrath. Nun freut er sich aber auf sein Abschiedsspiel - und den Urlaub auf Sardinien mit Freundin Lisa. Das geliebte Motorrad kommt natürlich mit.

(RP)