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Schwimmen: Schwimmtalent kann auch Schule

Schwimmen : Schwimmtalent kann auch Schule

Finn Mahnert ist elf Jahre alt und hat ein großes Potenzial. Trotzdem darf die Schule nicht zu kurz kommen.

Seine Zeit verbringt Finn Mahnert am liebsten im oder auf dem Wasser. Da er ist er nicht nur in seinem Element, sondern auch sehr erfolgreich. Drei Silbermedaillen hat der Elfjährige gerade bei den Verbandsmeisterschaften im Schwimmen gewonnen, bei den Kanuten gehört er bereits zum Leistungskader und war in diesem Jahr erstmals bei den Westdeutschen Meisterschaften am Start.

Der ehrgeizige Nachwuchssportler träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen und trainiert zielstrebig für eine spätere Karriere. "Wenn das Training ausfällt, dann langweilt er sich und nörgelt herum", sagt Vater Frank Mahnert. Er war selbst früher Leistungsschwimmer und und versucht, seinen Sohn so gut wie möglich zu unterstützen. Er stellt sich nicht nur selbst an den Beckenrand, sondern nimmt unzählige Fahrten zu Trainingseinheiten und Wettkämpfen in Kauf. "Wir sind gewissermaßen lückenlos sportlich unterwegs."

Das Pensum von neun Stunden Schwimmen oder Kanu in der Woche halten viele andere Eltern für zu viel. "Wir mussten uns schon oft anhören, was wir unserem Kind antun. Doch wir bieten Finn nur die Möglichkeiten, die Motivation kommt von ihm selbst", betont Frank Mahnert. Mit Zweifeln hat er zwischenzeitlich selbst gekämpft. "Meine Frau und ich haben uns anfangs häufiger gefragt, ob das alles so in Ordnung ist", sagt der Hildener. Erhätte auch kein Problem damit, wenn sein Sohn aussteigen wollte: "Doch im Moment müssen wir eher darauf achten, dass er seine Auszeiten bekommt und auch mal vor dem Fernseher sitzt."

Die größte Herausforderung war jedoch, das Sportpensum mit den schulischen Pflichten zu vereinbaren. "Die meisten Eltern machen sich Gedanken, ob das Training neben der Schule zu schaffen ist", sagt Frank Mahnert. Das sieht er deutlich entspannter. "Jeder Schulabschluss lässt sich nachholen, doch die Kindheit nicht." Als Vater ist ihm wichtiger, dass seinem Sohn Zeit für seine Leidenschaft bleibt und er nicht schon in der fünften Klasse bis zum späten Nachmittag Unterricht hat oder Nachhilfe braucht. Die geeignete Schule für sportbegeisterte Kinder zu finden, sei jedoch nicht einfach. Rechtzeitig vor dem Schulwechsel müssten sich die Eltern über das Angebot informieren.

Für leistungsorientierte Schüler gibt es die Landessportschulen oder sportorientierte Schulen, die Rücksicht auf Training und Wettkämpfe nehmen. Sonst bleiben nur private Institute. Finn ist auf Umwegen im Bergischen Internat in Erkrath angekommen, wo er eine individuelle Förderung bekommt und für Trainingslager freigestellt wird. Frank Mahnert nimmt weite Wege in Kauf, um seinen Sohn zu unterstützen.

"Viele Eltern unterschätzen das Bewegungsbedürfnis der Kinder, das für die körperliche und geistige Entwicklung enorm wichtig ist. Sie sehen oft nur das Abitur." Doch besonders durch die Verkürzung der Gymnasialzeit bleibe außerhalb des Klassenzimmers vieles auf der Strecke. "Wir haben zwar nicht weniger Talente, doch sie bekommen deutlich weniger Förderung, weil sie andere Prioritäten setzen müssen", betont Frank Mahnert. "Immer wieder bekomme ich zu hören, dass sich mit dem Schwimmen schließlich kein Geld verdienen lässt. Doch das muss Finn auch gar nicht, er ist gerade erst elf Jahre alt."

Um die schulische Laufbahn muss sich der Vater dennoch keine Sorgen machen. "Leistungssportler sind selten schlechte Schüler. Sie lernen früh, sich zu organisieren und einzuschätzen. Für sie ist auch die Schule ein Training, für das sie sich Ziele setzen, die sie dann auch erreichen. Das ist sehr individuell."

(domi)