Leichtathletik: Sanaa Koubaa träumt von Olympia 2016 in Rio

Leichtathletik: Sanaa Koubaa träumt von Olympia 2016 in Rio

Die Hildenerin setzt verstärkt auf den Beruf und erhofft sich sportlich neue Impulse durch den Wechsel zum TSV Bayer Leverkusen.

Bei der LG Stadtwerke Hilden geht eine Ära zu Ende. Bereits Ende des vergangenen Jahres wechselte 400-Meter-Spezialistin Lena Schmidt nach Köln. Jetzt verlässt mit Sanaa Koubaa ein weiteres Aushängeschild die LG. 2012 kam Koubaa bei der Europameisterschaft in Helsinki ins Finale und stellte mit 9:43.08 Minuten ihre noch heute bestehende persönliche Bestleistung über die 3000 Meter Hindernis auf.

Der Abschied von Hilden fällt der 29-Jährigen schwer - mehr als 20 Jahre hielt die Athletin der LG die Treue. Doch zwei Gründe gaben den Ausschlag. "Ich wollte nicht mehr alleine trainieren", verweist Koubaa auf die Trainingssituation in ihrer Heimatstadt. Denn im Verein existiert keine spezielle Läufergruppe mehr. "Das ist keine ideale Trainingsgestaltung", sagt Koubaa. Zumal die Diplom-Sozialpädagogin mittlerweile in Köln wohnt und seit einiger Zeit auch nicht mehr an der Elbsee-Grundschule in Hilden arbeitet - da fehlte auf Dauer die Motivation für das stete Pendeln. "Ich wollte in Hilden bleiben, aber ohne Gruppe ließ sich das nicht mehr machen", betont die 29-Jährige.

Im nächsten Jahr trägt Sanaa Koubaa nun das Trikot des TSV Bayer Leverkusen. "Die Finanzen waren nicht entscheidend. Ich habe da mehr Freiheiten und vor allem eine Gruppe." Mit dem Vereinswechsel einher geht auch eine Neuorientierung im Trainerbereich. Denn Wolfgang Kamps, der Koubaas Laufbahn von Beginn an förderte, fungiert nicht mehr als ihr Heimtrainer. "Diese Entscheidung haben wir einvernehmlich getroffen", betont Kamps. Der ehemalige Rektor der Elbsee-Grundschule, der im Sommer in den Ruhestand ging, gesteht: "Nach ihrem Umzug nach Köln waren für Sanaa die Bedingungen in Hilden schlechter geworden. Diese Saison hatten wir zudem kaum noch Kontakt, da sie von einem Trainingslager ins andere gefahren ist." Deshalb unterstützt Kamps den Wechsel nach Leverkusen. "Wenn Sanaa sportlich weiterkommen will, ist der Weg zu einem neuen Trainer richtig, damit sie auch mal neue Impulse bekommt."

Im Bayer-Klub steht Koubaa mit Paul Heinz Wellmann ein erfahrener Coach zur Seite. "Er hat schon viele Weltklasseathleten betreut", berichtet Kamps, der bei der LG Stadtwerke Hilden nicht mehr die Möglichkeit sieht, Läufer im Leistungssportbereich zu fördern.

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Eine Folge der Umstrukturierung der LG, die früher eine gemeinsame Unterstützung von Hildener AT und TuS Hilden erfuhr, inzwischen aber nur noch als Abteilung des TuS 96 fungiert. "Das war ein Riesenrückschritt. Früher konnten wir fast wie ein eigenständiger Verein mit einem eigenständigen Budget arbeiten. Jetzt als Abteilung ist die Arbeit sehr reglementiert, alle Entscheidungen müssen immer über den Vorstand laufen - und das kann dann schon mal ein paar Wochen dauern", legt Kamps den Finger in die Wunde.

Die neue Ausrichtung hatte Folgen für die erfolgreiche Läufertradition. "Die Trainer im Schülerbereich legen mehr Wert auf eine vielfältige Ausbildung, fördern den Mehrkampf", erläutert Kamps. "Es gibt aber auch immer weniger Kinder, die gerne laufen wollen. Das Training im dunklen Wald oder auf dunklen Bahnen ist ihnen zu anstrengend. Sie trainieren lieber in einer Gruppe in einer hellen Halle." Zugleich nehme das Interesse an der Leichtathletik mit 13 oder 14 Jahren ab. "Vor allem Jungen orientieren sich dann anders, wechseln zum Beispiel zum Fußball." Eine Entwicklung, die dazu führt, dass Wolfgang Kamps als Ruheständler neue Prioritäten setzt. "Natürlich ist für mich auch etwas Wehmut dabei, insgesamt Abschied von der Leichtathletik zu nehmen", sagt er. Noch betreut Kamps allerdings einige Athleten in der LG Stadtwerke, wie zum Beispiel den 400-Meter-Spezialisten Jonathan Riemer.

Ein Ende seiner Tätigkeit im Verein ist absehbar. Den Kontakt zu Sanaa Koubaa wird Wolfgang Kamps aber nicht verlieren. "Ich werde weiter gerne zu Wettkämpfen fahren, bei denen sie startet", betont der Lehrer. Sanaa Koubaa indes hofft, dass die neue Umgebung sie beflügelt. "Leverkusen bietet eine der besten Trainingsstätten", betont die Athletin. Für sie besonders wichtig: "Weil Paul Heinz Wellmann hauptamtlicher Trainer ist, steht er den ganzen Tag zur Verfügung, egal zu welcher Zeit ich trainieren kann." Das lässt Koubaa entspannt in die Zukunft schauen, obgleich sie in den nächsten Jahren verstärkt den Spagat zwischen Hochleistungssport und Job meistern muss. Denn beruflich geht die 29-Jährige ebenfalls neue Wege, arbeitet nun an fünf Tagen in der Woche als Vertretungslehrerin in Gummersbach und Remscheid - und will auf Dauer eine feste Anstellung.

(RP)
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