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Reitsport: S-Springen ein Höhepunkt auf dem Uhlenhof

Reitsport : S-Springen ein Höhepunkt auf dem Uhlenhof

Felix Schneider gewann die härteste Prüfung beim Turnier des Reit- und Fahrvereins Erkath. Der Parcours war anspruchsvoll.

Im Stadion herrschte Stille, als Felix Schneider mit Baluga auf den ersten Sprung zusteuerte. Als letzter Starter in der Siegerrunde des Zwei-Sterne-Springens der schweren Klasse hielt der Reiter aus Bedburg alle Trümpfe in der Hand. Vom ersten Galoppsprung an setzte er alles auf eine Karte und wendete ganz eng auf den mächtigen Oxer. Dann ließ er seinen Hengst auf das dritte Hindernis zujagen, nahm den anschließenden Steilsprung wie im Flug und steuerte dann auf direktem Weg schräg auf den fünften Sprung zu. Einige seiner Konkurrenten waren dort gescheitert. Das Publikum schien den Atem anzuhalten. Mit einem mächtigen Satz setzte Baluga drüber, ließ die folgenden Stangen ebenfalls alle liegen und landete mit sensationellen 37,82 Sekunden im Ziel. Während der Jubel über den großen Springplatz des Uhlenhofes schallte, riss Felix Schneider im Moment des Triumphes die Kappe vom Kopf. Und er ließ sich verdient feiern.

Hier hilft der Chef selbst: Parcoursbauer Ferdinand Rosellen hatte sich einen reizvollen und schwierigen Kurs ausgedacht. Foto: Dietrich Janicki

"Der kämpft unheimlich und wächst im Stechen über sich hinaus. Es ist ein tolles Pferd", sagte der Sieger im Großen Preis. Schneider war zwar schon mehrmals beim Turnier des Reit- und Fahrvereins Erkrath am Start, durfte sich aber jetzt zum ersten Mal die goldene Schleife anheften lassen. "Es ist toll, hier zu gewinnen. Die Bedingungen waren perfekt und die Konkurrenz richtig stark." Mit einer fehlerfreien Runde und 39,15 Sekunden hatte der Däne Steen Sörensen mit Calida vorgelegt und Felix Schneider gehörig unter Druck gesetzt.

Gleich mit zwei Pferden hatte es Jeldrik Krüger in die zweite Runde geschafft, doch der Langenfelder konnte seine Chancen nicht nutzen. Mit Chap on Tour setzte er auf Sicherheit. Krüger blieb zwar fehlerfrei, war jedoch mit 50,46 Sekunden zu langsam. Die Hoffnungen ruhten auf seinem routinierten Spitzenpferd Tough Cookie: "Ich werde schon was riskieren, denn die Rheinischen Meisterschaften rücken näher." Darauf bereitet sich das Paar seit Wochen intensiv vor.

Sein flinkes und engagiertes Pferd hatte bereits im Normalparcours gezeigt, dass es schnell sein kann und dabei fehlerfrei. Aber im Stechen ging völlig unerwartet alles schief. Bis zum vierten Sprung schien es nach Plan zu laufen, ehe die Stange am Steilsprung fiel. Auf dem kürzesten Weg zum fünften Hindernis verlor Jeldrik Krüger den linken Steigbügel, ritt trotzdem in hohem Tempo und schrägem Winkel weiter. Doch statt abzuheben, zog Tough Cookie die Notbremse. Das so beherzt springende Pferd schien völlig verunsichert. "Dafür ist sie doch zu vorsichtig", fand ihr Reiter, der den Kurs nicht beendete.

Gilbert Tillmann wurde das hohe Risiko ebenfalls zum Verhängnis. Der Vorjahressieger des Hamburger Derbys, der bereits dreimal auf dem Uhlenhof gewinnen konnte, musste nach einer Verweigerung seines Pferdes Hadjib am vierten Sprung unfreiwillig den Sattel räumen und sich damit bei der Siegerehrung hinten einreihen.

Peter Dieckmann mit Lyon hatte Hans-Willi Weber von vornherein ganz oben auf seiner Favoritenliste. "Wenn er nicht übertreibt, kann er das umsetzen. Er hat den unbedingten Siegeswillen", sagte der Turnierleiter Springen vor der Siegerrunde. Mit seinem Schimmel blieb der Monheimer zwar fehlerfrei, doch mit 42,35 Sekunden kam er nicht an die Spitzenzeit heran. Pech hatte auch Vereinskollege Volker Höltgen. Er brachte bereits vier Strafpunkte aus dem Umlauf mit und kassierte später im Stechen noch einen weiteren Abwurf.

Viele Teilnehmer waren allerdings bereits am anspruchsvollen Normalparcours gescheitert, in den Designer Ferdinand Rosellen mit seinen Söhnen Andreas und Matthias neben der dreifachen Kombination weitere Klippen eingebaut hatte. Besonders der Wassergraben entwickelte sich zur sprudelnden Fehlerquelle. Einige, wie auch der Ratinger Bernd Wichert kamen dort sogar zu Fall, als ihre Pferde sich weigerten, in einem weiten Satz ans andere Ufer zu setzen.

"Der Wassergraben kommt im nationalen Springen viel zu selten zum Einsatz. Die Reiter trainieren das zu wenig und deshalb sind sie beim Anreiten schon unsicher", erklärte Hans-Willi Weber. Er hatte Felix Schneider schon beim ersten Blick auf die Starterliste in den Kreis der potenziellen Sieger eingereiht: "Der hat ganz schnelle Pferde, den muss man immer auf der Rechnung haben." Und die ging für den Bedburger im Großen Preis auf dem Uhlenhof glanzvoll auf.

(domi)