Fußball: Rückzug von Fatihspor ?Integration fortführenBrisantes Derby "im Tal"

Fußball : Rückzug von Fatihspor ?Integration fortführenBrisantes Derby "im Tal"

Der SC Fatihspor Wülfrath wird voraussichtlich seine Mannschaft zurückziehen und womöglich schon am Sonntag nicht mehr gegen den Spitzenreiter SSVg. Velbert II antreten.

In dieser Woche hatte die Kreisspruchkammer (KSK) mit Fatih Ercan (bis 24. September 2009) und Mehmet Kizilisik (bis 24. Mai 2009) zwei weitere Akteure des Fußball-Kreisligisten wegen der Ausschreitungen gesperrt, die zum Abbruch des Lokalderbys gegen den TSV Gruiten geführt hatten. Daraufhin gab Vorstandsmitglied Hasan Güngör sämtliche Spieler-Pässe ab, wirft dem Verband eine zu harte Bestrafung der Spieler vor. "Wir haben jeden Fall einzeln geprüft", betonte KSK-Sprecher Andreas Fallah. "Der Schiedsrichter darf nicht zum Frewild werden." Zuvor hatte auch der erst vor wenigen Wochen verpflichtete Trainer Hyseiyn Ulusoy seine Konsequenzen gezogen: "So etwas habe ich noch nicht erlebt, ich will damit nichts zu tun haben." Ob der SC Fatihspor Wülfrath in die Fußball-Kreisliga B zurückgeht oder der Verein sich ganz auflöst, ist noch offen.

Vom Rückzug des Schlusslichts würde Atatürk Mettmann profitieren: Der Kreisliga-Zweite hatte in Wülfrath nur ein mageres 1:1 erreicht, der Spitzenreiter SSVg. Velbert II dagegen gegen Fatihspor deutlich mit 6:0 gewonnen. Werden die Ergebnisse gestrichen, wäre das Team von Trainer Michael Kirschner aktuell mit einem Punkt Vorsprung Tabellenführer und hätte auch das bessere Torverhältnis (+55/+49). Sollten die Velberter ihr Nachholspiel bei Türkspor Neviges gewinnen, hätten die Mettmanner bei dann zwei Zählern Rückstand trotzdem weitaus bessere Aufstiegschancen.

Mettmann (K.M.) Vorsitzender Seyfettin Özlük und Coach Michael Kirschner kritisieren die Spiel- und Trainigsbedingungen auf der Sportanlage am Sendeturm. "Wenn es trocken ist, wird viel Staub aufgewirbelt und der Platz gleicht einer Hügellandschaft. Im Winter versinken die Spieler im Matsch", weist Michael Kirschner auf die kaum zumutbaren Zustände hin. "Warum wird der Platz eigentlich regelmäßig montags und nicht erst kurz vor dem Wochenende abgezogen, wenn Spielbetrieb herrscht", rätselt Seyfettin Özlük über die Vorgehensweise der Verwaltung. Er betont, dass Atatürk Mettmann erst dann auf der Kunstrasenanlage am HHG spielen wird, wenn dort die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. "Wir brauchen ein Vereinsheim, in dem sich die Spieler und Trainer zusammensetzen können." Er gehe davon aus, dass nach Fertigstellung des kompletten neuen Sportzentrums die Infrastruktur, wie von Politik und Verwaltung zugesagt, vorhanden sein wird. "Dann werden wir gern die neue Sportstätte nutzen" – auf der Atatürk vor dem Umbau fast 20 Jahre heimisch war.

Seyfettin Özlük hofft, dass sein Klub in Zukunft mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. "Wir werden nach Marc und Phil Eilenberger sowie Marcel Finkelmeier und Oliver Konkol weitere deutsche Fußballer vornehmlich aus Mettmann verpflichten." Mit diesen Akteuren könnten sich die Zuschauer identifizieren. Im Übrigen seien 80 Prozent der türkischen Spieler des Aufgebots in Deutschland geboren. "Wir wollen weg vom Image des reinen Türken-Vereins. Für uns ist die Integration ein ganz wichtiger Faktor."

SCB Neandertal – Atatürk Mettmann. "Seit Wochen wird über dieses Derby geredet. Ich gehe davon aus, dass viele Zuschauer zur Gruitener Straße kommen werden", weist SCB-Trainer Ibo Cöl auf die Brisanz dieser Begegnung hin. Das Hinspiel endete torreich mit 4:4. Die Fans beider Fußball-Kreisligisten wären begeistert, wenn auch im zweiten Lokalkampf viele Treffer fallen würden. Ibo Cöl ist beeindruckt vom Gegner: "Atatürk hat eine spielerisch und technisch tolle Truppe – es wird ganz schwer für uns." Zumal Innenverteidiger Jan Hauk (Muskelfaserriss) ausfällt, hinter dem Einsatz von Sascha Schildt (Rückenprellung), Edwin Subasic (Meniskusverletzung) und Alexander Schmitz (Zehenprellung) ein Fragezeichen steht. Ibo Cöl wäre mit einem Unentschieden zufrieden.

Obwohl Atatürk-Trainer Michael Kirschner nicht in Mettmann wohnt, weiß er um die Bedeutung des Derbys. "Es wird eine besondere Atmosphäre herrschen, die Partie wohl von Kampf und Emotionen geprägt sein." Wichtig sei es, dass es ein faires und fußballerisch gutes Spiel wird, damit die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Zudem hofft Michael Kirschner, dass seine zuletzt erfolgreiche Elf auch bei den "Talern" punktet.

Der Coach zieht auch vor dem Derby seine kompromisslose Linie durch. Er verzichtet auf die Stammkräfte Sait Turan (Trainingsrückstand) und Irfan Yildiz (vereinsinterne Pause) sowie Mutlu Yalavac und Atasan Sebat, die er aus verschiedenen Gründen an die Reserve abgibt. Zudem fällt der verletzte Silvio Mitglietta aus. Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Franco Sutera (Zahn-OP).

Türkgücü Velbert – 1. FC Wülfrath II. Die Wülfrather gewannen zuletzt 9:0 gegen Fatihspor, Türkgücü fing sich eine 0:11-Packung beim SC Velbert II ein. Somit ist die Rollen-Verteilung klar. "Wir haben uns bei Türkgücü oft schwer getan", mahnt Trainer Ralf Fedgenhäuer. Zugleich hofft er, dass seine Elf die schwache Auswärtsbilanz (sechs Punkte) aufbessert. Bis auf Urlauber Kai Friedrich kann er aus dem Vollen schöpfen. "Wir müssen eine Siegesserie starten, um in der Tabelle noch einige Plätze gutzumachen", fordert der FCW-Coach. K.M.

SF Siepen – TSV Gruiten. Zuletzt gegen Türkspor Neviges führte erneut die schwache Chancenauswertung zur Niederlage der Gruitener. "Wir vergeben sechs dicke Möglichkeiten, treffen erst kurz vor Schluss – und der Gegner macht aus vier Schüssen drei Tore", ärgert sich Trainer André Lapatke. Wieder in den Kader rücken Karsten Vogel und Stefan Kadach, ausfallen werden Miroslav Bukilic (Bänderdehnung) und Daniel Hildebrand (Magen-Darm-Grippe).

Der TSV fährt mit einem Bus nach Siepen, der um 13.30 Uhr am Gruitener Sportplatz startet. doe

(RP)