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Reitsport: Reiter machen sich für den Sattel fit

Reitsport : Reiter machen sich für den Sattel fit

Nils Kirschbaum gehört zu den Talenten, die Landestrainer Jarno Debusschere auf den Leistungssport vorbereitet. Auf den 13-Jährigen wartet nun ein straffes Übungsprogramm, um die nächsten Aufgaben auch körperlich zu meistern.

Die erste Hürde hat Nils Kirschbaum schon genommen. Der Haaner gehört zum Team der Interessengemeinschaft Vielseitigkeit (IGV). In der kommenden Saison könnte der Nachwuchsreiter in den Disziplinen Dressur, Springen und Gelände bei Wettkämpfen wie der Goldenen Schärpe oder dem Bundesnachwuchs-Championat starten. Doch zuvor wartet ein straffes Trainingsprogramm auf den 13-Jährigen, das über die tägliche Stunde im Sattel weit hinausgeht.

Landestrainer Jarno Debusschere, der in Mettmann lebt, möchte Talente und Kaderreiter möglichst früh auf eine Karriere im Leistungssport vorbereiten. Er stellte gemeinsam mit der IGV-Geschäftsführerin Claudia Fahnenbruck einen Maßnahmenkatalog zusammen, wie er bisher Olympiateilnehmern vorbehalten war. "Wir machen zunächst eine Leistungsanalyse mit einer kardiologischen und orthopädischen Untersuchung, um den Ist-Zustand festzuhalten. Aus den Ergebnissen entwickeln wir dann entsprechende Trainings- und Ernährungspläne ", erläutert Debusschere das Konzept.

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Nils Kirschbaum fürchtet sich vor weiteren schweißtreibenden Einheiten. Zur Vorbereitung auf den Fitnesstest erhöhte er sein Bewegungspensum bereits deutlich. "Da will ich unbedingt gut abschneiden. Deshalb laufe zusätzlich zum Reiten jeden Tag eine halbe Stunde und mache abends noch einige Kraftübungen." Lieber würde er mehr Zeit im Sattel verbringen, doch er sieht ein, dass für Turniere nicht nur sein Pferd, sondern auch er Ausdauer braucht. "Gerade die Geländestrecke im leichten Sitz ist schon sehr anstrengend."

Debusschere ist aufgefallen, dass vielen Jugendlichen Kraft, Kondition und Beweglichkeit fehlen. "Wenn sie sieben Minuten im Galopp im Gelände unterwegs sind, geht bei den meisten der Puls gegen 180, weil sie die Belastung einfach nicht gewöhnt sind. Viele sind heute einfach nicht mehr so gelenkig und das führt zu gravierenden Sitzproblemen." Gerade in der Vielseitigkeit, dem Triathlon des Pferdesports, könnten solche Defizite jedoch gefährlich sein. "Wenn aufgrund mangelnder Ausdauer Konzentration und Reaktionsvermögen nachlassen, kann das zu schweren Stürzen führen."

Davon blieb Nils Kirschbaum bisher verschont, doch das zusätzliche Lauftraining zeigte bereits Wirkung. "Ich bin beim Sport nicht mehr so schnell außer Atem und habe auch im Sattel mehr Reserven", sagt er. Der Nachwuchsreiter verfolgt ehrgeizige Ziele. In drei Jahren möchte er bei den Deutschen Meisterschaften starten. Um das zu erreichen, muss er hart an sich arbeiten und auch auf das eine oder andere verzichten.

Denn Pizza und Pommes sind ebenso wie durchwachte Nächte tabu, wenn es nach dem Landestrainer geht. "Wer im Leistungssport erfolgreich sein möchte, kann vor dem Turnier nicht bis spät abends mit seinen Kumpels am Computer sitzen und sollte das Mehrkornbrötchen dem Majo-Toast vorziehen." Ernährungswissenschaftler und ein Mentaltrainer sollen die Sportler in Zukunft begleiten. "Sie sollen wissen, warum sie etwas machen und lernen, ihren Alltag entsprechend zu organisieren."

Unterstützung, um Schule, Sport und das Ausgleichstraining zeitlich aufeinander abzustimmen, könnte Nils Kirschbaum schon gebrauchen. Doch bei dem Gedanken, auf Pizza zu verzichten, verzieht er das Gesicht. "Das klingt erst einmal nicht so gut", gesteht der Haaner. Dennoch ist er gespannt auf das neue Projekt und fest entschlossen, sich anzustrengen. Schließlich möchte er irgendwann auch die nächste Hürde nehmen und den Sprung in den rheinischen Landeskader schaffen.

(domi)