Ratingen 04/19 hat noch Luft nach oben

Fussball: 04/19 nutzt zu selten sein Potenzial

Der Fußball-Oberligist steht zur Winterpause auf Rang neun. Dabei wäre angesichts der Qualität im Kader deutlich mehr drin.

Sie war riesig, die Euphorie vor dem Saisonstart in der Fußball-Oberliga. Ratingen 04/19 hatte einen Kader zusammen, der so gut schien wie noch nie. Nur wenige Wochen später wich die Euphorie am Stadionring wieder Ernüchterung. Fünf Spiele, nur ein Punkt, Platz 16. Saisonstart verkorkst, täglich grüßt das Murmeltier, denn das mit dem missratenen Auftakt, das kennt man ja bereits in Ratingen. In den letzten beiden Jahren mussten deshalb frühzeitig die Trainer Peter Radojewski und Karl Weiß gehen. Doch in diese Spielzeit beeindruckte der RSV durch Gelassenheit – trotz der Pleitenserie zum Auftakt blieb es im Vereinsumfeld bemerkenswert ruhig. Auch bei Jens Stieghorst, der bei Misserfolgen früher gerne mal nervöser wurde. Doch in dieser Spielzeit war alles anders. Trainer Alfonso del Cueto saß fest im Sattel. Und schon bald ging es wieder aufwärts.

Zumindest ein bisschen. Denn so richtig kam 04/19 in der Hinrunde nicht von der Stelle. Platz acht war das höchste der Gefühle, gute Auftritte – wie beim 2:0 in Velbert – wechselten sich mit desaströsen Leistungen wie bei der Pleite gegen das Schlusslicht FSV Duisburg (1:4) ab. Angesichts von 17 Punkten Rückstand ist der Titelkampf, in den Ratingen in dieser Saison eigentlich eingreifen wollte, kein Thema mehr. Doch was bleibt?

Geht man nach der reinen Qualität im Kader, ist Rang neun ein schlechter Witz. Spieler wie Phil Spillmann, Fatih Özbayrak, Ole Päffgen oder Moses Lamidi genügen mühelos höchsten Oberliga-Ansprüchen. Das Team ist breit aufgestellt, gespickt mit Talenten – darunter vier aus der eigenen Jugend, die regelmäßig zum Einsatz kommen. Und das nicht als Lückenfüller – Tobias Peitz und Fynn Eckhardt gehören zu den defensiven Stützen des Teams.

Und doch bringt der RSV diese geballte Qualität zu selten auf den Platz. Zu viele Chancen werden vergeben, dazu kamen zwei bittere Ausfälle: Der Knöchelbruch von Torhüter Dennis Raschka dürfte auf die Mannschaft größere Auswirkungen gehabt haben als gedacht – gerade in den ersten Spielen suchten die Ratinger (mit wechselnden Torhütern) verzweifelt nach der defensiven Stabilität. Auch die Verletzung von Moses Lamidi, der bis dahin der Motor der Offensive des RSV war, brachte die Torproduktion in arge Probleme.

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Manchmal ist es jedoch auch ein Einstellungsproblem. Zu oft ließen die Kicker in gelb und weiß den allerletzten Einsatz vermissen, zu häufig fehlte der Biss in den Zweikämpfen, der gerade auf dem großen, tiefen Rasen im Ratinger Stadion vonnöten ist. Schwächer besetzte Gegner konnten mit der richtigen Einstellung und dem nötigen Kampfgeist gerne die Punkte klauen.

Wie sehr Alfonso del Cueto noch nach der perfekten Formation suchte, zeigen seine Aufstellungen: Nur dreimal in der Hinrunde ging der RSV zweimal in Folge mit der gleichen Formation ins Spiel, gerade in der Offensive tat sich der Trainer schwer: Neben Moses Lamidi fehlte ein zweiter wirklich starker Stürmer. Sergen Sezen hat das Talent, fiel aber gerade zu Saisonbeginn häufiger mit Schwierigkeiten in Sachen Disziplin auf. Dazu kommt Emrah Cinar, der ein Laufwunder, aber kein Torjäger ist. Von Ismail Cakici und Aleksandar Pranjes (erzielte immerhin fünf Tore) möchte sich der Klub im Winter gar trennen.

Der neue Sportdirektor Georg Mewes hat sich die letzten Begnungen der Hinrunde angeschaut – und kam zu dem Schluss, dass ein wenig Handlungsbedarf besteht. Der69-Jährige bekam von Präsident Jens Stieghorst die Etathoheit, was die erste Mannschaft angeht. Man darf gespannt sein, was Mewes im Winter aus dem Hut zieht. Dabei verliefen die letzten beiden Partien im Jahr 2018 noch einmal versöhnlich für 04/19: Beim 6:3 in Speldorf und dem 5:0 gegen den SC Velbert, beides „Kellerkinder“ in der Oberliga, überzeugten die Ratinger Fußballer durch Spielwitz. Gelingt es ihnen, das in die Rückrunde zu retten, könnte es für sie nocheine angenehme Restsaison werden.

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