Radsport-Ass Hans Michalsky wird 70

Radsport : „Die Olympia-Atmosphäre ist besonders“

In den 1970er Jahren feierte Hans Michalsky als Amateur-Radsportler große Erfolge – am Donnerstag vollendet der Erkrather sein 70. Lebensjahr. Zur Geburtstagsfeier kommen neben der Familie auch frühere Sportkameraden.

Lange ist es her, sagt Hans Michalsky mit einem Lächeln. „Schnee von gestern“ sind die glorreichen Zeiten, als der gebürtige Neusser als junger Spund aufs Rennrad stieg und sich einen Titel nach dem anderen holte: Fünf Deutsche-Meistertitel, drei Militär-Radsportweltmeisterschaften und zwei Olympia-Teilnahmen zieren seine Siegerliste. Michalsky galt in den 1970ern als erfolgreichster Amateur-Radsportler Deutschlands. Eine vergleichsweise kurze, aber intensive und wichtige Zeit, die ihn prägte und der er womöglich seinen späteren beruflichen Werdegang zu verdanken hat.

Denn Michalsky ist seit fast 40 Jahren als Inhaber des gleichnamigen Fahrrad-Fachgeschäfts in Erkrath-Hochdahl bekannt, das er 1982 übernahm, als er seine Rennradschuhe endgültig an den Nagel hing. Die Abfindung, die er für seine achtjährige Verpflichtung als Zeitsoldat erhielt und den beruflichen Meistertitel als Werkzeugmacher, den er sich in der Bundeswehr erarbeitet hatte, setzte er für seine Selbstständigkeit ein. Die nötigen fachlichen Kenntnisse rund ums Rad sammelte er im Laufe seiner Sportlerkarriere.

Die Leidenschaft fürs Rennrad wurde schon früh entfacht, erinnert sich der Neusser. „In der Nachbarschaft gab es immer Radrennen, die wir uns als Kinder gerne angeschaut haben.“ Auch er wollte irgendwann auf ein solches Rad steigen und mitfahren, nahm sich ein damals junger Michalsky fest vor. Als Zwölfjähriger ging er in die Lehre, erlernte den Beruf des Werkzeugmachers. Mit seinem ersten selbstverdienten und lang ersparten Gehalt kaufte er sich 1965, mit 16 Jahren, sein erstes Rennrad. „Ich trat in den VfR Büttgen ein und zahlte mein erstes Lehrgeld.“ Als blutiger Anfänger auf dem Rad klappte es noch nicht mit dem ihm als Zuschauer bekannten Zeitrennen. In den riesigen Startfeldern mit 150 bis 200 Fahrern ging Michalsky in seinen ersten Rennen regelrecht unter. „Die Straße war mein bestes Training“, sagt er heute. Richtige Trainer, die ihn in jener Zeit hätten anleiten können, gab es ebenso wenig wie die erst Jahre später erbauten Rennradbahnen. Jeder trainierte für sich selbst – daran änderten auch die Erfolge nichts. „Ein Jahr später holte ich meine ersten Platzierungen und in der Jugend meine ersten Titel.“

Anfang der 70er schließlich stieg er als Amateur auf, trat als Zeitsoldat der Bundeswehr bei und widmete sich dem Sport. Sukzessive erfuhr er sich einen Namen: 1972 erntete er bei der Nationalmeisterschaft im Bahn-Rennen über 1000 Meter seinen ersten Meistertitel sowie einen dritten Platz im Tandem und nahm als Ersatzmann erstmals an den Olympischen Spielen in München teil. „Ich kam zwar nicht zum Einsatz, aber die Atmosphäre war schon besonders.“ In den Jahren 1973 bis 1976 holte sich Michalsky weitere drei Deutsche Titel über 1000 Meter auf der Bahn sowie Zweit- und Drittplatzierungen in Sprint, Tandem und auf der Straße, sodass der damals 27-Jährige auch 1976 in den deutschen Radsport-Kader für die Olympischen Spiele 1976 im kanadischen Montreal berufen wurde.

„Unter besseren Konditionen wäre sicherlich mehr drin gewesen“, vermutet Michalsky heute. Bei den Olympioniken gab es keine richtigen Trainer und auch keine Mechaniker: „Die Räder mussten wir selbst reparieren und trainiert hat jeder für sich.“ Auch den Rückhalt der Funktionäre hatten damals andere Sportler, erinnert er sich. Und dann platzte ihm beim Finale auch noch ein Reifen. „Ich durfte dann zwar erneut starten, aber da war die Muskulatur längst übersäuert.“ Ein sechster Platz und jede Menge Impressionen waren am Ende alles, was Michalsky mit nach Hause nahm. Als Olympia-Teilnehmer keine Medaille gewonnen zu haben ist allerdings das einzige, was den Jubilar heute noch ein wenig wurmt: „Das hätte ich gerne noch erreicht.“ Aber mit 33 Jahren entschied er sich 1982 dazu, seine Karriere zu beenden und sich seinem Fahrradgeschäft zu widmen.

Im kommenden Jahr will Michalsky das Geschäft offiziell an seinen Nachfolger, einen langjährigen Mitarbeiter weitergeben, aber sich nicht zur Ruhe, sondern wieder verstärkt auf den Sattel setzen. „Die freie Zeit will ich dann für ausgiebigere Radtouren und Reisen nutzen“, sagt er.“