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Fußball: Multikulti-Fußballer halten fest zusammen

Fußball : Multikulti-Fußballer halten fest zusammen

Die bunt gemischte Mannschaft des Marokkanischen Sportvereins Hilden schafft jetzt den Aufstieg in die Kreisliga B.

Sie kommen aus verschiedenen Ländern, sprechen unterschiedliche Sprachen, doch wenn sie zusammen auf dem Platz stehen, kann sich jeder auf den anderen verlassen. Dann bleiben sie am Ball und es zählt nur der eigene Erfolg. Ausgelassen feierten die Fußballer des Marokkanischen SV Hilden den Aufstieg in die Kreisliga B. Gemeinsam möchten sie auch die neue Herausforderung meistern.

"Die Mannschaft bleibt in der kommenden Saison so bestehen. Wir haben mit den meisten bereits gesprochen und hoffen noch auf einige weitere Zugänge", sagt Vorstandsmitglied Ilias El Hasbouni. Er ist zuversichtlich, dass die Neuen sich schnell einfügen, denn Integration ist für das Team kein Fremdwort, sondern gelebter Alltag. "Als wir uns 2004 gegründet haben, kamen überwiegend Marokkaner, die sich in deutschen Vereinen nicht wohl gefühlt haben. Doch inzwischen haben wir auch Polen und Deutsche sowie einen Spieler aus dem Libanon dabei. Zur zweiten Mannschaft gehören auch Türken und Albaner", zählt Hasbouni auf. Die Nationalität sei jedoch ebenso wenig wichtig wie körperliche Handicaps.

Die beiden taubstummen Spieler sind feste Größen in ihren jeweiligen Mannschaften. "Anfangs war die Verständigung mit Handzeichen und Augenkontakt schwierig, doch inzwischen ist der eine der Abwehrchef der ersten Mannschaft." Auch Trainer Aziz Arbouch hat keine Probleme, mit seinen Anweisungen Gehör zu finden. "Das geht alles mit Zeichensprache, er kann außerdem sehr gut Lippen lesen. Sein taktisches Verständnis ist außerdem so gut, dass ich gar nicht viel sagen muss."

Nur acht Gegentore in 14 Ligabegegnungen sind für Raschid Hamdan Beweis genug, dass die Defensive sich auch ganz ohne Worte versteht. "Sprache und Gehör sind nicht wichtig, wenn alle aufeinander eingespielt sind, funktioniert das hervorragend", sagt der 30-Jährige. Er gehört zu den Routiniers der Mannschaft, die mit einem Altersschnitt von 22 Jahren ein sehr junges Gesicht hat. "Wir setzen bewusst auf den Nachwuchs, da es schon bei der Gründung des Vereins unser Ziel war, etwas für die Jugend zu tun", sagt Ilias El Hasbouni.

Den Aufbau einer A-Jugend plant der Marokkanische SV für die kommende Saison, sie soll in Zukunft die Seniorenmannschaften unterstützen. Derzeit zählt Kapitän Mohamet Bajut mit 20 Jahren zu den Jüngsten in der Mannschaft. Er hat im Team Freunde gefunden. "Wir verbringen auch die Freizeit gemeinsam. Oft gehen wir nach dem Spiel noch zusammen essen. Das fällt auch multikulti aus: von chinesisch über Pizza bis marokkanisch ist alles dabei." Als "Amtssprache" besteht der Trainer auf Deutsch. "Doch wenn wir aufgebracht sind, wechseln wir schon mal ins Marokkanische", sagt Mohamet Bajut. "Das verstehen die Gegner und auch die Schiedsrichter nicht. Manche mögen das gar nicht und dann gibt es auch schon mal Gelb", sagt Ouafik Ajnaou mit einem breiten Grinsen.

Der Torjubel sei dagegen international, versichert Ismail Karada. "Da wird eher geschrien als gesprochen", betont der Flügelspieler. Er hat erst vor zwei Jahren angefangen zu kicken, brachte es in der Kreisliga C allerdings mit 31 Toren bereits zum Torschützenkönig. "Sie nennen mich auch den Thomas Müller der Kreisklasse", berichtet er stolz. Der Spitzname gefällt ihm, denn der deutsche Nationalspieler ist sein großes Vorbild.

Natürlich gebe es, wie in jeder Mannschaft, auch zwischen seinen Jungs Konflikte, räumt Coach Aziz Arbouch ein. "Doch die sind nach dem Training auch schnell wieder beigelegt. Da muss ich gar nicht eingreifen."

Der Zusammenhalt soll auch in der kommenden Saison die Basis des Erfolges sein. Denn die Mannschaft hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. "Wir möchten am liebsten direkt wieder aufsteigen", sagt Ilias El Hasbouni. Auf dem Weg dahin freut er sich auf die vielen Derbys. "Das bedeutet viele Zuschauer und gute Stimmung an der Schützenstraße." Um für die B-Liga fit zu sein, setzt das Team auf Verstärkung. Die Nationalität spielt bei der Auswahl keine Rolle. "Jeder ist willkommen. Wichtig ist nur, dass er ins Team passt." Das ist keine Frage der Herkunft, sondern des Charakters.

(domi)