Leichtathletik: Michael Claesges läuft und läuft und . . .

Leichtathletik: Michael Claesges läuft und läuft und . . .

In den vergangenen beiden Jahren holte der Hildener jeweils den zweiten Platz beim Neanderland Cup und ließ dabei viele jüngere Sportler hinter sich. Auch in 2018 ist er wieder dabei - vielleicht klappt's diesmal mit dem Sieg.

Michael Claesges ist immer auf Achse - sei es beruflich oder privat. Denn der Hildener arbeitet seit 14 Jahren als Briefzusteller bei einem privaten Postunternehmen. Der neue Job bedeutete einen Wendepunkt im Leben des 53-Jährigen, der früher als leitender Angestellter Verantwortung trug in einem mittelständischen Unternehmen, das "leider verkauft wurde". Claesges musste sich neu orientieren und landete in einer ganz anderen Branche. Längst aber hat er die Vorzüge des Zusteller-Daseins schätzen gelernt - und bleibt trotz anderer Angebote dabei.

"Für einen Läufer hat das große Vorteile. Man ist jeden Tag an der frischen Luft und hat mit dem Fahrradfahren ein kleines Grundlagentraining", bericht Claesges. Der Job macht ihm Spaß, gleichwohl verhehlt er nicht, dass er bei schlechtem Wetter oder im Winter auch eine Herausforderung ist. Als vor zweieinhalb Wochen Sturmtief Elfriede durch Deutschland zog, stellte ihm der Arbeitgeber frei, nur Innendienst zu machen. Ein Angebot, das Claesges annahm. "Das war wohl die richtige Entscheidung", sagte er beim Blick aus dem Fenster.

Mit dem Laufen fing Michael Claesges 1998 an. Die Idee reifte mit Mitte 30. "Ich habe gedacht, es wäre an der Zeit, sportlich etwas zu machen", erzählt er und fährt fort: "Mit 18 hatte ich das letzte Mal etwas gemacht. Ich war nicht dick, aber total untrainiert." Ein Nachbar nahm ihn zum Lauftreff Kemperdick mit. "Ich wollte es einfach mal ausprobieren, fand das ganz nett, zumal es auch Wettkämpfe gab - das ist jetzt fast 20 Jahre her." Aus dem Schnuppern entwickelte sich eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Und die zeitweilig sogar bis auf die Ultra-Strecke führte. Das war vor zehn Jahren. "Ich habe dann aber doch die Lust daran verloren", gesteht Claesges. Der Grund: "Wenn man auf der Ultra-Strecke gut sein will, wird man auf der Kurzstrecke über die zehn Kilometer langsamer, kann dann aber viel länger laufen." Deshalb plant er heutzutage nur noch ein oder zwei Langstrecken-Wettkämpfe im Jahr ein. Wie zum Beispiel den Düsseldorf Marathon, der 2018 am 29. April steigt. "Es ist meine 16. Teilnahme", stellt Claesges nicht ohne Stolz fest. Wie bei anderen Marathonveranstaltungen ist er auch diesmal wieder als "Schrittmacher" unterwegs und begleitet eine Düsseldorfer Läuferin bei ihrem Marathondebüt. "Die geplante Zielzeit ist unter drei Stunden", berichtet er.

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Sechsmal die Woche trainiert Michael Claesges - "außer mittwochs". Rund eine Stunde ist er dann in der Regel unterwegs. Lange Trainingsläufe, die der Vorbereitung auf einen Marathon dienen, gehen aber schon mal über 30 bis 35 Kilometer und drei Stunden. Über 70 Mal hat Michael Claesges übrigens die 42,195 Kilometer-Distanz im Marathon-Wettkampf bereits absolviert. "Man muss sich Ziele setzen - wenn es klappt, ist es um so besser", betont er. Noch schafft der 53-Jährige die Strecke in einer Zeit unter drei Stunden. "Irgendwann schlägt aber auch das biologische Alter zu - da kann man noch so sehr trainieren. Aber im Moment geht das noch ganz gut", erklärt der Läufer.

30 Jahre lang lebte Claesges in Düsseldorf. Anfang der 90er Jahre zog er mit seiner früheren Ehefrau und zwei kleinen Kindern nach Hilden. "Es war hier einfach ruhiger", nennt er den Grund und blieb der Stadt treu. Vor zwei Wochen startete der 53-Jährige wieder bei der Hildener Winterlaufserie. Für die zehn Kilometer benötigte er gut 37 Minuten - in der Großen Serie belegte Claesges, der für den Verein Team Essen 99 antritt, Rang vier. In seiner Altersklasse landete er auf dem zweiten Platz hinter Wolfgang Lenz (Rhein-Marathon Düsseldorf), mit dem er befreundet ist. "Der ist aber immer einen Tick schneller", plaudert er aus dem Nähkästchen. Wichtig sind Claesges die Ergebnisse nicht mehr. Die Gesundheit hat Priorität. "Regeneration muss auch sein. Lieber mal ein Training ausfallen lassen - das hilft mehr." Und im Wettkampf gilt: "Man muss nicht mit aller Gewalt den ersten Platz machen." Deshalb geht der Vizemeister den Neanderland Cup 2018 auch ganz entspannt an.

(RP)