Kampfsport: „Man muss schwitzen wollen“

Kampfsport : „Man muss schwitzen wollen“

Porträt Mit eisernem Willen eignete sich Alexander Fuchs die Techniken des Kung Fu an. Der Haaner erlernte den Kampfsport in China – 14 Monate verbrachte der 21-Jährige in einem Internat.

Porträt Mit eisernem Willen eignete sich Alexander Fuchs die Techniken des Kung Fu an. Der Haaner erlernte den Kampfsport in China — 14 Monate verbrachte der 21-Jährige in einem Internat.

Haan Seit Anfang Januar ist Alexander Fuchs beim HTB als Kung Fu-Trainer tätig. Der gebürtige Haaner verbrachte zwischen Abitur und Studium 14 Monate in einer Kampfsportschule in China — der Wiege des Kung Fu. "Man muss schwitzen wollen. Jeden Tag schwitzen." So beschreibt Alexander Fuchs die nötige Einstellung, um Kung Fu zu lernen. Schwitzen müssen nun auch seine Schüler beim Haaner Turnerbund. Fuchs selbst schöpft diese Bereitschaft aus tiefster Seele. Der Halb-Taiwanese betreibt seit 14 Jahren Kampfsport, seit fünf Jahren Kung Fu.

Die Motivation entsprang, wie bei vielen, der "Faszination Kung Fu Film". Seit klein auf verfolgt Alexander Fuchs jede Bewegung der "Todeskralle" Jacki Chans und seiner Kollegen auf der Leinwand. Irgendwann wollte er die fernöstlichen Bewegungen selbst beherrschen und betrat mit sieben Jahren das erste Mal eine Übungsmatte im Kampfsportverein. "Diese Linie habe ich bis heute beibehalten. Kampfsport ist ein großer Teil meines Lebens." Viele seiner Freunde verbrachten nach dem Abitur ein Jahr in Amerika. Fuchs hingegen reiste nach China und besuchte dort ein Kampfsportinternat. Als einer von 5000 Schülern erlernte er hier Kung Fu im seinem Ursprungsland. Der 21-Jährige traf auf eine neue Kultur, neue Menschen und Kung Fu, obwohl bekannt, in einer komplett neuen Form.

"Das Training und die Mentalität in China lassen sich gar nicht mit Deutschland vergleichen.", erklärt Fuchs. Schon die Trainingszeit von sechs Stunden am Tag ist für einen Europäer unvorstellbar. Das Training bestand aus Ausdauer-, Kraft-, Meditationstraining, aber auch aus dem Erlernen von so genannten Formen. Diese mit "Tiger", "Frosch" oder "Drunken Boxing" — Fuchs' Lieblingsform — betitelten Bewegungsfolgen erlernt der jeweilige Schüler die Grundbewegungen einer Kampfart für den Ernstfall. Bei dem Haaner wurde ein gewisses Talent entdeckt. Die "Drei-Stock-Form", einer der schwersten Techniken, erlernte er ohne größere Schwierigkeiten. Von diesem Talent soll aber nicht nur er profitieren. Vielmehr will Alexander Fuchs sein Wissen weitergeben.

Zurzeit trainiert der Student Kung Fu-Interessierte beim HTB und übernahm die Schüler seines scheidenden Trainers Shen Fu Kung. Fuchs beabsichtigt, dem Training einen fernöstlichen Touch zu geben. "Um Kung Fu zu lernen, ist in jedem Fall Disziplin nötig. Trainingsmethoden wie in China kann man in Deutschland nicht anwenden. Dennoch möchte ich den Schülern die nötige Disziplin auf andere Weise vermitteln", beschreibt der Sportler seine Trainingsziele. Der Student setzt auf eine Synthese der traditionellen und der modernen Art des Kung Fu.

Alexander Fuchs studiert Wirtschaftschemie im zweiten Semester. Wohin ihn sein Weg nach dem Examen führt, steht noch in den Sternen. Doch eines ist sicher: Kung Fu ist ein Teil dieses Weges. Auf einer Station will der 21-Jährige seinen Idolen einen Schritt näherkommen. Alexander Fuchs will im ersten deutschen Kung Fu-Film, der "der Kunst würdig ist", über die Leinwand fegen. Doch bis dahin verbringt er wohl noch einige schweißtreibende Stunden in der Trainingshalle, gemeinsam mit seinen neuen Schützlingen.

(RP)
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