Kampfsport: Kung Fu: Zwei Weltmeister aus Hochdahl

Kampfsport : Kung Fu: Zwei Weltmeister aus Hochdahl

Die noch junge Kampfsportschule Yen bring aus Kroatien zwei Weltmeister, vier Vize-Weltmeister und einen Drittplatzierten mit.

Klar, sind sie stolz! Wer hat schon zwei Weltmeister, vier Vize-Weltmeister und einen Drittplatzierten in den eigenen Reihen? Und weil der Fotograf heute kommt, haben alle ihre feuerroten Trainingsjacken des deutschen Nationalkaders angezogen. Ansonsten aber gibt es im Kwoon, der Trainingsstätte an der Willbecker Straße, keine Sonderrechte für die jungen Kämpfer der Kampfkunst Schule Yen. Sie trainieren ganz normal mit den anderen in dem hell erleuchteten, mit dünnen, roten Schaumstoffmatten ausgelegten Raum. Vor Wettkämpfen wie der WMFC-Weltmeisterschaft in Umag/Kroatien allerdings öfter: Bis zu fünf Mal, mehr als zehn Stunden die Woche. "Das Wichtigste, um Erfolg zu haben, ist der Wille. Die volle Konzentration auf das Ziel. Und der Ehrgeiz, alles zu geben", sagt Sifu Emre Nuhogullarindan.

Die Jungs haben sich gegen die Besten aller anderen Nationen durchgesetzt. Der Motor ist er: Seit kurzem führt Sifu - das bedeutet: "Meister - Nuhogullarindan die Hochdahler Kampfsportschule. "Man muss gerade bei den jungen Kämpfern die Balance halten - zwischen anspornen, auch mal hart sein und Verständnis zeigen, um alles aus einem Talent heraus zu kitzeln."

Sifu Emre ist seit 20 Jahren aktiver Sportler in den asiatischen Kampf- und Bewegungskünsten. Ob modernes Wushu, traditionelles Kung Fu oder San Shou: Nuhogullarindan war mehrfacher Deutscher Meister in der Deutschen Wushu-Federation (DWF). Europameister 2005 in der WKA in Wushu. Er hat im Jahre 2000 sein Diplom zur Meisterprüfung bei der DWF erworben und die Prüfung zum Schiedsrichter bestanden. Das klingt nach einem, der ausschließlich Bestleistungen von seinen Schützlingen fordert.

"Genauso ist es nicht. Unter unseren 170 Mitglieder sind auch Kinder und Jugendliche, die von Ärzten zu uns geschickt wurden." Bei den Kampfsporttechniken geht es eben nicht darum, wahllos um sich zu schlagen und zu treten. Manche der jungen Sportler haben durch ihr Training ihre Hyperaktivität ADHS in den Griff bekommen und konnten Medikamente absetzen. Andere verbesserten Motorik und Beweglichkeit, verloren Übergewicht. "Man muss immer konkret mit einem Menschen arbeiten", sagt Emre Nuhogullarindan.

Bei Michael Berg (12) und Sven Heyligers (18), den beiden jungen Weltmeistern, war allerdings früh klar: Hier geht mehr. Bewegungen, Rhythmik, Sprünge - all das zeigte Potenzial. Auch hier hat die Wettkampfrealität wenig gemein mit den einschlägigen Kung Fu-Filmchen. "Es geht vielmehr um Perfektion und Dynamik", sagt Heyligers, "das ist schon eher wie Kunstturnen." Der zwölfjährige Michael ergänzt: "Viele dieser Karate-Filme kann ich gar nicht ansehen. Wenn die da bloß durch die Luft fliegen hat das wenig mit dem zu tun, was wir hier machen." Sven Heyligers übt seit vier -, Michael Berg seit knapp zwei Jahren. Ihren guten Freunden haben sie erzählt, was Kampfsport tatsächlich ist. Vor allem das: "Eine ständige Herausforderung."

Für die junge Kampfsportschule waren die Titel von Umag eine erste Bestätigung dafür, dass sie zusammen auf dem richtigen Weg sind. Nun werden sie versuchen, auch in anderen Verbänden zu Meisterehren zu kommen. "Dazu muss ich in Gedanken rund um die Uhr bei den Athleten sein. Muss auch mal zwischendurch anrufen oder eine ermutigende SMS schreiben", sagt Emre Nuhogullarindan. Die Titel haben ihm Appetit gemacht. Auf mehr.

(dne)
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