Schwimmen: Kleiner Schwimmer, große Leidenschaft

Schwimmen : Kleiner Schwimmer, große Leidenschaft

Linus-Fynn Manert zählt mit zehn Jahren bereits zu den Besten seiner Altersklasse. Klar: Traum sind die Olympischen Spiele. Derzeit trainiert er am Leistungsstützpunkt in Wuppertal. Trainerin Simone Osygus hat selbst eine olympische Medaille.

Hilden Das Wasser ist sein Element. Mit einem breiten Grinsen witzelt Linus-Fynn Manert darüber, dass seine Vorfahren wohl Fische waren. Seine Eltern habe sich längst daran gewöhnt, dass ihr Sohn jede freie Minute in einem Becken, See oder dem Meer verbringt. "Wenn wir zum Kanutraining fahren und noch etwas Zeit bleibt, bis es anfängt, springt Fynn schon einmal ins Wasser — auch wenn er gerade vom Schwimmen kommt", berichtet Diana Manert. Gemeinsam mit ihrem Mann, der selbst früher Schwimmer war, unterstützt sie die Leidenschaft ihres Sohnes.

Schwimmen, Surfen, Snowboarden, Wellenreiten und Kanufahren — im Urlaub und im Alltag unternehmen sie eine Menge, damit Fynn sich stets über Wasser halten kann. "Wir fahren jeden Monat rund 1200 Kilometer zum Training und zu Wettkämpfen", sagt Frank Manert. Er hat das Talent seines Sohnes erkannt und möchte es fördern, solange die Begeisterung anhält: "Wenn er mit 15 Jahren keine Lust mehr hat und etwas anderes machen möchte, ist das auch okay."

Für Fynn ist das allerdings schwer vorstellbar. Derzeit steht das Schwimmen für ihn an erster Stelle: "Der Sport ist mein Leben. Nach einer Woche ohne Training gehe ich meinen Eltern auf die Nerven." Der Zehnjährige ist stolz darauf, noch nach keinem Wettkampf ohne Medaille aus dem Wasser gestiegen zu sein. Das Zählen hat er längst aufgegeben, die Sammlung ist zu groß.

"Sie hängen alle unter meinem Hochbett. Irgendwann kracht es zusammen", prophezeit der Blondschopf grinsend. Einen besonderen Platz hat nur die Silbermedaille von den Verbandsmeisterschaften. "Da bin ich vier Zehntel an Gold vorbeigeschwommen", erzählt der Nachwuchssportler. Er gehört derzeit in fünf Disziplinen zu den besten zehn Schwimmern seiner Altersklasse in ganz Nordrhein-Westfalen.

"Ich will immer gewinnen und meine Zeiten verbessern", betont Fynn — und seine blauen Augen leuchten dabei. Er ist froh, von seinen Erfolgen erzählen zu können, ohne den Neid von Gleichaltrigen auf sich zu ziehen: "In der Grundschule haben sie mich oft belächelt, weil die meisten lieber vor dem PC saßen, als sich zu bewegen." Inzwischen geht er auf eine Sportschule in Wuppertal und fühlt sich dort sehr viel wohler. "Da ist das nichts Besonderes, weil jeder in seiner Disziplin erfolgreich ist. Da gibt es keinen Neid", findet Fynn.

Sein erklärtes Ziel sind die Deutschen Meisterschaften und irgendwann die Olympischen Spiele. Dabei orientiert er sich an seiner Trainerin am Leistungsstützpunkt in Wuppertal, die an der Seite von Franziska van Almsick 1996 in Atlanta Bronze in der Staffel gewonnen hat. "Simone Osygus ist mein Vorbild, denn noch habe ich kein anderes", sagt Fynn. Als Dreijähriger hat er bereits schwimmen gelernt, mit vier Jahren das Seepferdchen gemacht und mit fünf die ersten Wettkämpfe bestritten. "Meine Mutter war mit mir auch beim Babyschwimmen. Da konnte ich das schon ziemlich gut", sagt Fynn überzeugt.

Er trainiert einmal in der Woche bei der Hildener AT und zweimal im Leistungsstützpunkt. An jedem zweiten Wochenende ist er bei Wettkämpfen gefordert, mehr als 100 Starts absolviert er pro Jahr. "Stressig ist das nicht, nur das frühe Aufstehen fällt mir schwer", berichtet der Schüler. Rücken ist derzeit seine Paradedisziplin. Besonders stolz ist er jedoch auf die 35 Sekunden über 50 Meter Freistil: "Denn vorher lag meine Bestzeit lange bei 36 Sekunden und dann habe ich sie beim Pokal in Remscheid endlich unterboten."

Sein Fokus liegt klar auf dem Schwimmsport, das Training beim Hildener Kanu-Club ist für ihn ein willkommener Ausgleich. "Ich gehe lieber paddeln, als am Computer zu spielen. Dann werde ich auch nicht dick", sagt der Zehnjährige. Seit den Sommerferien hat er zudem einen Surfschein: "Das kam eher zufällig dazwischen." Auf Fynn übt alles eine magische Anziehungskraft aus, was mit Wasser zu tun hat. Denn das ist einfach sein Element.

(domi)
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