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Julian Hanses glänzt in der Formel 3 auf dem Hockenheimring

Motorsport : Formel 3 ist ein Kampf für höhere Aufgaben

Auf dem Hockenheimring setzt sich der Hildener Julian Hanses auch gegen Europameister Mick Schumacher gut in Szene.

Traumwetter am Wochenende, und das Mitte Oktober. Open Air ist angesagt, auch Julian Hanses fährt seine letzten Runden im offenen Auto. Nein, nicht in Hilden, sondern auf dem Hockenheimring. Dort sind die letzten drei Europameisterschaftsläufe in der Formel 3 angesagt, als vorher von vielen Racing-Fans unterschätzte Rahmenrennen der Deutschen Tourenwagen Masters. Und dennoch: Das Interesse der Zuschauer an diesem Spektakel war verblüffend groß und gilt vor allem Mick Schumacher. Der Sohn der Rennlegende Michael Schumacher und unerwartet starker Gewinner in den letzten Läufen, kann hier nach schwierigem Meisterschaftsstart den Sack zumachen und Europameister werden.

Das wiederum macht es interessant für die anderen beiden Deutschen – und auch für Julian Hanses. Wer sich in dieser international ausgeschrieben Meisterschaft gegen rund 30 hungrige Russen, Chinesen, Engländer und andere Nationalitäten behaupten kann, der findet sich über kurz oder lang in den Notizbüchern der Formel-1-Chefs wieder. Wenn er nicht sowieso schon dort rot unterstrichen oder bereits gefördert wurde. Die wissen genau: Die Renner sind fast identisch. Wer hier fährt, ist jung. Manchmal vom Buggy direkt ins Gokart gesetzt worden. Und wer hier schnell ist, dem gehört die Zukunft. Denn, so Julian Hanses selbstbewusst, aber mit Respekt: „Schnell sind hier alle, ausnahmslos.“

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In den Trainings entscheidet eine halbe Sekunde über die Platzierungen zwischen Platz 5 und Platz 15 in der Startaufstellung. Da muss alles passen, Staub auf der Strecke nach dem Ausrutscher eines Mitstreiters kostet diese halbe Sekunde. Entsprechend heiß umkämpft und durcheinander gewürfelt zeigt sich die Startaufstellung aller drei Läufe.

Reichte es für Julian Hanses im Qualifying zum ersten Lauf nur zum 17. Platz (vier Zehntel hinter Mick Schumacher), so passte es beim zweiten Versuch gleich besser. Ein 6. Platz, nur zwei Zehntel hinter Mick Schumacher: So was lässt aufhorchen. Der Luftsprung war berechtigt – vor allem bei genauerem Blick auf die Umstände, unter denen Julian Hanses seine Runden auf dem Hockenheimring drehte. Dazu gehört ein missglückter Start in die Saison auf dem Wagen eines anderen Teams, das gerade in die Formel 3 zurückkehrte und erst wieder konkurrenzfähig werden musste. Und ein heftiger Abflug in Zandvoort. Erst ab dem österreichischen Spielberg war wieder mit ihm zu rechnen. Von der Steigerung durchaus vergleichbar mit Mick Schumacher, der aber die ganze Saison fahren konnte!

Und nun also in der Startaufstellung am Hockenheimring. Das Qualifying fürs dritte Rennen lief ähnlich wie das erste, die Abstände waren noch mehr geschrumpft. Samstagnachmittag dann das erste Rennen. Von der nicht sehr günstigen Startposition konnte sich Julian Hanses konsequent nach vorne arbeiten. Im Endstadium versuchte Mick Schumacher, der am Anfang eine leichte Kollision gehabt hatte, dann von hinten mit dem Messer zwischen den Zähnen an Hanses vorbei zu rauschen. Der allerdings konnte sich die drei Runden bis zum Schluss dagegen behaupten und landete vor dem Konkurrenten auf einem bemerkenswerten 11. Rang.

Im zweiten Rennen dann von der 6. Position aus eine unglückliche Startkollision vor der ersten Kurve. Ausgerechnet ein Fahrer aus dem eigenen Team drückte ihn nach links, ein anderer aus dem Team konnte nicht mehr ausweichen, es staubte – und Ende im Gelände. Das ist charakterbildend, aber wenigstens waren die Schäden am Auto harmlos und konnten gerichtet werden. Derweilen konnte Mick Schumacher seinen Europameistertitel feiern. Für Julian Hanses bleibt der Stolz auf die Qualifikationsleistung.

Das dritte und letzte Rennen am Sonntagmorgen auf dem Hockenheimring sollte dann etwas Trost bringen. Von einer hinteren und damit unglücklichen Startposition aus konnte sich der 21-Jährige Hildener Runde um Runde unbeirrt nach vorne arbeiten und beendete die Saison hier als zweiter Fahrer seines Teams. Bemerkenswert die Präzision, mit der er seine Linie fuhr und sich die Gegner zum Überholen zurechtlegte.

Ein versöhnlicher Abschluss einer durchwachsenen Saison? Julian Hanses sieht das jedenfalls so, als Wiedereinsteiger in den letzten beiden Terminen mit beachtlichen Steigerungen. Jetzt hofft er auf die nächste Saison, für die er noch Sponsoren finden muss. Und zum Saisonabschluss jetzt noch zum berühmten Weltfinale nach Macau? Da blute ihm das Herz – aber das wäre zu teuer, andere könnten da auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen. Und was wäre mit dem Ausweichen auf eine andere Rennserie? Nein, sinnlos, er will bei den Formelwagen bleiben und in gerader Linie seinem Traum näher kommen. Wäre denn ein Start in der DTM vorstellbar? „Nein, ich will in die Formel 1 und nicht ins Fernsehen“, formuliert Julian Hanses klare Ziele.