1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann
  4. Lokalsport

Jason Hillier ist in Hilden Golflehrer

Golf : Golfen sieht einfach aus – strengt aber an

Auch hier heißt die Devise: Übung macht den Meister. Das kann Jason Hillier bestätigen. Mit 16 Jahren fing er erst mit dem Sport an. Jetzt arbeitet der 28-Jährige als Golflehrer und ist ganz nebenbei Vize-Europameister im Kickboxen.

Für einen kurzen Moment ruht das Treiben auf der Driving Ranch. Deshalb hat Jason Hillier, erst seit ein paar Monaten neuer Golflehrer auf der Bungert-Ranch in Hilden, etwas Zeit für einen Plausch. Was ihn am Golfen so fasziniert? „Es ist sehr facettenreich und man hat mit vielen Menschen zu tun“, sagt er und fügt hinzu: „Das Training ist der größte Bestandteil, das unterschätzen aber die meisten.“

Heute hat sich eine Gruppe vom Landessportbund angekündigt, die im Rahmen ihrer Ausbildung auch am Golfspiel schnuppern will. Einige Minuten später ist es deshalb mit der Ruhe vorbei. Voller Tatendrang eilen die Sportler herbei. Zunächst aber gibt es ein paar einleitende Worte von Jason Hillier, denn das Golfen ist doch eine individuelle Sportart, die ihre ganz eigenen Tücken hat. Das fängt schon bei den Schlägern an, die in einer großen Tasche mit Rädern verstaut sind. Maximal 14 Schläger zieht der Golfer auf der Runde hinter sich her. „Wie ich die einteile, das bleibt mir selbst überlassen“, sagt Hillier, der anschließend die Eigenheiten der einzelnen Schläger heraushebt.

  • Ali Assakour (l.) unterstrich im Testspiel
    Fußball : SSVg Haan hat Aufstiegsrunde im Blick
  • Kapitän Arbnor Alija (2.v.r.) will mit
    Fußball : Rhenania verliert Simon Dahl durch Kreuzbandriss
  • Michael Cisik (l.) ist mit dem
    Handball : Drittliga-Heimspiel des TB Wülfrath gegen 1. FSV Mainz fällt aus

Der längste Eisenschläger hat die Nummer drei. Aufgrund des geringen Neigungswinkels der Schlagfläche kann ein geübter Golfer den Ball bis zu 190 Meter weit schlagen. Apropos Bälle: Gerade der Ungeübte sollte möglichst viele griffbereit haben. „Die sind am Anfang schnell weg, vor allem wenn Wasser ins Spiel kommt“, erklärt der Golflehrer. Das Sandeisen zählt zu den kürzesten Schlägern, hat einen Neigungswinkel von 56 Grad und ist vor allem für die kurze Annäherung ans Grün die richtige Wahl. „Am Anfang reichen drei bis vier Schläger“, betont Hillier. Das ist gut für den Geldbeutel des Anfängers, denn die Schlägervielfalt ist enorm, ebenso das verwendete Material: Holz, Titan oder Carbon. Damenschläger sind übrigens leichter als die Modelle für die Herren. „Heute werden die Schläger an den Golfer angepasst – früher musste sich der Golfer den Schlägern anpassen“, unterstreicht Hillier die wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahre. „Gute Schläger halten ein Leben lang, wenn man vernünftig mit ihnen umgeht“, sagt der 28-Jährige.

Wenn Jason Hillier über die Grundelemente des Golfsports referiert, ist er ganz in seinem Element. Kein Wunder, denn das Golfer-Gen liegt in der Familie. Vater Graham, der in England auf die Welt kam, begann mit dem Sport im Alter von elf Jahren. Als 20-Jähriger startete er seine Karriere als Golf Professional. Sohn Jason entdeckte erst mit 16 Jahren seine Leidenschaft für den Golfsport, schaffte es dann vom nicht eingestuften Einsteiger schnell bis zum Handicap 54, der so genannten Platzreife. In der Regel sind die 18 Bahnen eines Platzes mit 72 Schlägen zu meistern – das ist der sogenannte Platzstandard (Par). Der Anfänger benötigt meist 54 Schläge mehr, also 126 – das ist seine Spielstärke, die vor allem im Wettstreit mit fortgeschrittenen Golfern bedeutsam ist. Jason Hillier schaffte es innerhalb weniger Monate, sein Handicap durch intensives Training auf 6 herunterzuspielen. Heute hat er allerdings kein Handicap mehr. „Als Golflehrer zählt man zu den Profis und darf an Amateurturnieren nicht mehr teilnehmen“, erklärt er.

Die Gruppe, die Hillier heute auf der Bungert-Ranch empfängt, hat ein ganz anderes Handicap: Viele sind zwar Sportler aus Leidenschaft, haben aber zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. „Nur weil man Sportler ist, kann man noch nicht gut Golf spielen“, warnt Jason Hillier und zeigt den Anfängern erst einmal die richtige Griffhaltung. „Die ist das Wichtigste, weil sie dafür sorgt, dass der Ball gerade fliegt.“ Dann dürfen die Besucher endlich ran und sich am Abschlag versuchen. Vor allem Lisa freut sich. Sie ist eigentlich Hockey-Spielerin, macht aber gerne mal ein paar Abschläge auf der Driving-Range. „Ich haue einfach drauf“, gesteht sie. Ihre Technik ist zwar nicht ausgeprägt, dank der Erfahrung im Hockey hat sie aber Erfolgserlebnisse. Nachbarin Kerstin ist sich noch nicht sicher, mit welcher Hand sie den Schläger beim Abschlag führen soll. Zunächst probiert sie es mit der rechten, hat aber Mühe, den kleinen Ball zu treffen. Kurz entschlossen stellt sie ihr System auf links um – und plötzlich klappt es.

Jason Hillier beobachtet derweil sehr interessiert, wie sich die Schnuppergolfer machen. Ob es schnell zur Platzreife reicht? Darauf mag er sich nicht festlegen. Sicher ist für ihn nur eines: „Euch wird morgen alles weh tun.“ Denn Golfen sieht zwar einfach aus, beansprucht aber mehr Muskeln, als der Anfänger glaubt. Für Jason Hillier kein Problem. In seiner Jugendzeit waren Karate und Taekwondo seine bevorzugten Sportarten. Wie durchtrainiert der junge Mann immer noch ist, bewies er im vergangenen Jahr, als er sich bei der Europameisterschaft im Kickboxen den Vizetitel sicherte.