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Hilden: Läufer sind endlich wieder „real“ im Wettstreit

Reportage: 10. Hildener Winterlaufserie : Läufer sind endlich wieder „real“ im Wettstreit

Nach der Corona-Absage in 2021 gibt die Hildener AT jetzt den Startschuss für die Jubiläumsserie – mit deutlich weniger Sportlern.

Etwas deplatziert wirkt Julina am frühen Morgen im Hildener Stadtwald. Beobachtend schaut sich die 13-Jährige um, beäugt die Jungs und Mädchen, die sich im Starterfeld herumtummeln und sich für den zwei Kilometer langen Lauf der Jugendserie aufwärmen. Julina beugt sich stillschweigend über ihre Schuhe, zurrt die Schnürsenkel noch mal fest. Ihre Anspannung versucht die Triathletin der Hildener AT mit einem schüchternen Lächeln zu kaschieren. Denn obwohl sie sich nach einer fast zweijährigen Verletzung und den pandemiebedingten Trainingseinschränkungen der letzten Monate fest vorgenommen hat, keinen Leistungsdruck aufkommen zu lassen, poppt dieser von alleine auf, als sie nach so langer Zeit wieder in voller Laufmontur und mit der Startnummer 72 am Bauch im Stadtwald steht. Ob sie sich gut vorbereitet fühlt? „Eher nicht“, sagt sie verschämt.

Seit gut sieben Jahren schon gehört Julina als Triathletin der HAT an. Eine versierte Sportlerin, die in der Vergangenheit auch sehr erfolgreich war. Einige Wettkämpfe konnte sie für sich entscheiden. Die Winterlaufserie ihres Heimatvereins war für sie stets ein lieb gewonnener Pflichttermin, den sie bislang immer als Start in die neue Saison nutzte. So soll es nach der Absage in 2021 auch diesmal sein. Doch jetzt, wenige Minuten vor dem Start scheint sie verunsichert, fühlt sich unvorbereitet und weiß nicht, was sie für eine Leistung wird abrufen können. Die Veranstaltung, die im vergangenen Jahr wie so viele andere auch ausfiel, habe sie durchaus vermisst, gibt sie offen zu.

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Von ihrer Mutter holt sich die 13-Jährige kurz vor dem Start noch motivierende Worte. Sie nickt. Tränen der Anspannung kullern über ihre Wangen. Die Schülerin schüttelt sich kurz und stellt sich auf. Obwohl noch einige andere Triathleten und Läufer der Hildener AT im Starterfeld stehen, ist Julina hier die Einzige im Vereinstrikot. Der Countdown startet. „Fünf, vier, drei“, ruft der Moderator in das Mikrofon. Julina holt tief Luft. „Zwei, eins. Los.“

Unter tosendem Applaus der Zaungäste laufen die Jugendlichen los, hinein in den Wald. Nach knapp drei Minuten sind die ersten schon wieder da und legen mit dem Tempo nach. Gruppenweise laufen die Jugendlichen im Startfeld wieder ein. Von Julina jedoch fehlt jede Spur. Erst im letzten Drittel des Teilnehmerfeldes erscheint die 13-Jährige trabend mit roten Wangen. Den motivierenden Beifall nimmt sie mit auf die zweite Runde.

Nach knapp sieben Minuten läuft der 14-jährige Luca Melsa (LT Stoppenberg, 6:51,1) erschöpft aber glücklich ins Ziel ein, dicht gefolgt von Jonas Jeromin (LG Stadtwerke Hilden, 6:51,6) und Kai Moore (LT Stoppenberg, 6:52,2). Die Strapazen sind ihnen allen gleichermaßen ins Gesicht geschrieben. Ob es fehlende Trainingseinheiten sind oder ein lahmgelegter Wettkampf-Rhythmus, bleibt unbeantwortet.

Fast zehn Minuten braucht Julina um über die Ziellinie zu kommen. Womöglich hätte sie sich eine bessere Zeit erhofft. Doch entmutigen lässt sie sich nicht. „Na ja, es war schon anstrengend, vor allem den kleinen Berg da hoch am Anfang“, erzählt sie hinterher. Beim nächsten Lauf der Serie in zwei Wochen soll es ihr einfacher fallen, hat sie sich vorgenommen. Denn dass sich die 13-Jährige zurückkämpfen kann, hat sie nach ihrer langen Verletzungsphase bewiesen. Jetzt soll es auch mit der Winterserie so laufen.

Währenddessen sind die Veranstalter der Winterlaufserie zufrieden mit dem Zuspruch, berichtet Matthias Patock, Zweiter Vorsitzender des Vereins, obgleich sich die Anzahl der Teilnehmer nahezu halbiert hat. Im Oktober hatten sich die Vorstandsmitglieder darauf geeinigt, die zehnte Auflage der Winterlaufserie in diesem Jahr stattfinden zu lassen. „Doch bis zur Bekanntgabe der Richtlinien war es nicht sicher, ob wir die Winterlaufserie nicht doch noch ausfallen lassen“, gesteht Patock. Dass sie letztlich nun doch über die Bühne geht, sei besonders für die Sportler sehr erfreulich. „Der Tenor ist, dass sie sich freuen, endlich wieder bei einer richtigen Laufveranstaltung dabei sein zu können. In den vergangenen Monaten gab es ja doch einige virtuelle Läufe, aber das ist nicht vergleichbar.“ Trotzdem hat auch die Hildener AT mit den nach wie vor spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen.

Auch wenn die Freude über eine echte Laufveranstaltung groß ist – aufgrund der Lage ist etwa das Duschen vor Ort untersagt. Außerdem gelten besondere Hygieneregeln, Einbahnstraßensysteme bei der Verpflegung. Und teilnehmen dürfen nur Geimpfte und Genesene. Die Folge: „Zuletzt hatten wir zwischen 900 und 1000 Teilnehmer. Dieses Jahr sind es knapp 500“, verrät Patock. Für den Vorstand, der in diesem Jahr geschlossen den Anmeldestand der Veranstaltung stemmt, ist diese Anzahl der Läufer gut zu handhaben, doch auch er freut sich darauf, in naher Zukunft wieder eine ganz normale Winterlaufserie anbieten zu können.