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Hilden: „50 Sportvereine sind ein mächtiges Potential“

Interview Hans-Jürgen Weber : „50 Sportvereine sind ein mächtiges Potential“

Der 64-Jährige hört als Vorsitzender des Hildener Stadtsportverbandes auf – wegen der Corona-Krise verläuft der Abschied ganz leise, denn die für den 20. April geplante Jahresversammlung fällt aus.

Die Jahresversammlung des Stadtsportverbandes, die für den 20. April 2020 geplant war, fiel wegen der Corona-Krise aus. Gleichwohl vermeldet der SSV einen personellen Wechsel im Vorstand, denn der bisherige Vorsitzende Hans-Jürgen Weber, der sich nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellen wollte, schied an diesem Tag aus seinem Amt aus und beendete damit seine siebenjährige Arbeit im Hildener Stadtsportverband.

Was hat Sie im Jahr 2013 bewogen, im Vorstand des SSV Hilden mitzuarbeiten?

Hans-Jürgen Weber Ich bin durch Klaus Dupke dazu gekommen. Wir haben uns immer in den Fraktionssitzungen der SPD gesehen. Er war damals Sportabzeichenbeauftrager und hat mich gefragt, ob ich nicht im Stadtsportverband mitmachen möchte. Anfangs habe ich als 2. Vorsitzender mit Karl Hubert, der damals Vorsitzender war, zusammengearbeitet. Vor fünf Jahren bin ich dann zum Vorsitzenden gewählt worden, als Karl Hubert aufgehört hat. Da ich auch in der Politik tätig bin, habe ich gedacht, dass ich der richtige Mann für so ein Amt bin. Susanne Brandenburg war meine Stellvertreterin und als CDU-Mitglied der politische Gegenpunkt zu mir als SPD-Mann. Seinerzeit war das eine sehr harmonische Zusammenarbeit.

Sind Sie sehr sportaffin?

Weber Ich habe selbst Fußball gespielt und war beim SV Hilden-Ost Trainer und kommissarischer Leiter der Fußball-Abteilung. Mein Sohn spielt immer noch Fußball.

Was war Ihnen in der Vorstandsarbeit besonders wichtig?

Weber Ich komme zwar vom Fußball, aber man darf auch die anderen Vereine nicht vergessen. Auch wenn sie, wie zum Beispiel die Golfer, nur wenige Turniere haben. Man vergisst schnell, was es alles an Sportvereinen in Hilden gibt: Billard, Tennis, Boccia, Behindertensport und vieles mehr. Wir haben 50 Sportvereine in Hilden – das ist schon ein mächtiges Potential. Mir macht es Spaß, Leute kennen zu lernen, und mit ihnen zu reden ist auch interessant – bei manchen Dingen kann man ihnen vielleicht helfen. Erst vor kurzem hat mich der Judo-Club noch um Rat gefragt wegen der Hallenbelegung in der Corona-Zeit. Es ist schön, dass die Leute noch an mich denken und fragen: Können wir da nichts machen? Auch zum Shotokan-Klub bestehen enge Kontakte – das ist schön und war auch spannend.

Was waren die schönsten Momente in Ihrer Amtszeit?

Weber Die erfolgreiche 50. Hispo war ein Höhepunkt. Das Jubiläum war eine super Sache. Nach langem Anlauf haben die Leute noch richtig mitgemacht und die Veranstaltung hat die Stadt über die Grenzen Hildens hinaus bekannt gemacht. Ein weiteres Highlight waren die Golf-Turniere, die der SSV ausgerichtet hat. Die Sebastianer Schützen sind auch interessant, ebenso die Segler und Kanuten. Dann ist da aber auch noch die Arbeit im Kreis – das wird ja oft vergessen. Ich war auf vielen Sitzungen unterwegs, habe da einige Entscheidungen treffen können und habe viel gelernt.

War nicht in diesem Jahr wieder eine Hispo geplant?

Weber Ja, das ist richtig, aber wir hatten Probleme mit dem Personal. Ich habe in den letzten fünf Jahren drei Hispos mitgemacht und das ist eigentlich immer das größte Problem. Wir wollten die Hispo in diesem Jahr wieder durchführen, konnten es aber nicht. Der Entschluss ist jedoch bereits vor der Corona-Krise gefallen. Im nächsten Jahr sollte es aber wieder funktionieren.

Welche Ziele hatten Sie und haben Sie die erreicht?

Weber Mein Ziel war es, jeden Verein mal zu besuchen und Gespräche zu führen. Manchmal war das aber schon sehr schwierig, denn oft hatte der Vorstand gewechselt und die Adressen der neuen Vorsitzenden mussten erst in Erfahrung gebracht werden.

Was bleibt Ihnen aus der SSV-Zeit nachhaltig in Erinnerung?

Weber Die Stadt hat mit Sönke Eichner einen Dezernenten, der eine starke Persönlichkeit ist und versucht, viel für den Sport zu machen. Die politische Situation mit der angespannten Haushaltslage macht die Sache aber nicht einfach: Die Gelder sitzen in der Stadt nicht mehr so locker. Das größte Projekt, das ich in meiner Vorstandszeit erlebt habe, war der Bau des Mehrzweckgebäudes auf dem Sportplatz an der Furtwänglerstraße. So eine Anlage sollte auch am Weidenweg entstehen. Als Mitglied des Schul- und Sportausschusses habe ich außerdem den Bau der Stadtwerke Hilden Arena mit beschlossen.

Was bedeutet das Amt des SSV-Vorsitzenden: Lust oder Last?

Weber Eine gute Frage. Im Prinzip ist es eine Lust, es macht einfach Spaß. Als Ehrenamtler Vereine unterstützen zu können, Kontakte zu knüpfen, ist eine tolle Sache. Zum Schluss war es eher eine Last. Das größte Problem ist, wenn die Vereine nicht ordentlich mit dem Stadtsportverband zusammenarbeiten. Im Vorfeld mancher Entscheidungen besteht zum Beispiel die Möglichkeit, in rechtlichen Fragen zu helfen. Ein weiteres Problem ist außerdem der Nachwuchs im Ehrenamt – es wird immer schwieriger, Vorstandsmitglieder zu finden. Viele Vereine haben damit zu kämpfen. Für mich wäre es ein toller Traum, wenn sich in Hilden Fußballvereine zusammenschließen. Dann bräuchten sie zum Beispiel nicht einzelne Sponsoren zu finden, sondern hätten einen großen Pool. Irgendwann wird es dazu kommen, weil es nicht anders geht.

Der Fußball liegt Ihnen immer noch am Herzen . . .

Weber Ich habe zu meiner aktiven Zeit jeden Tag trainiert und im Laufe der Zeit einige Positionen ausgefüllt: linker Verteidiger, linker Läufer, Rechtsaußen – und dann auch Torwart. Ich habe viele Elfmeter gekillt. Man sieht an der Fußstellung ungefähr, wohin der Ball geht – muss dann aber sehr schnell reagieren können. Es macht mir heute noch Spaß, den Ball von der Eckfahne ins Tor zu schießen. Vielleicht hätte ich es in jungen Jahren noch zu Union Solingen geschafft, aber dann habe ich mich verletzt und es war vorbei.

Welche Leidenschaften haben Sie noch?

Weber Ich mache jetzt Musik im Studio am Mischpult und mit dem Keyboard. Ansonsten fahre ich noch Motorrad. Das Wichtigste ist aber die Politik. Ich hoffe, auch weiterhin im Stadtrat arbeiten zu können. Das hängt aber von der Kommunalwahl ab. Mein politischer Gegner im Wahlbezirk ist Rainer Schlottmann – und das ist schon ein Schwergewicht.