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Boxen: Haanerin lässt im Ring die Fäuste fliegen

Boxen : Haanerin lässt im Ring die Fäuste fliegen

Die 28-Jährige, die für den Boxring Hilden startet, kämpft in diesen Tagen bei der Europameisterschaft in Rumänien um eine Medaille. Seit einem halben Jahr bereitet sie sich intensiv auf den internationalen Wettkampf vor.

Hilden Sie ist eine Kämpfernatur. Aufzugeben kommt für Nadine Apetz nicht in Frage. "Wenn ich etwas anfange, dann führe ich das auch zu Ende", betont die Haanerin. Ihre Konsequenz, ihr Ehrgeiz und ihr Durchhaltevermögen sind die Basis für ihren sportlichen Erfolg. Die 28-Jährige Athletin vom Boxclub Hilden steigt am Wochenende bei den Europameisterschaften in Rumänien in den Ring.

Für den Wettkampf hat sich die mehrfache Deutsche Meisterin im Weltergewicht konkrete Ziele gesetzt. Nur dabei zu sein, genügt ihr schon lange nicht mehr. "Erst einmal möchte ich natürlich die erste Runde überstehen, doch dann möchte ich eine Medaille gewinnen. Welche ist mir noch egal", betont die sympathische Athletin mit dem schwarzen Schopf. Sie möchte nicht mit leeren Händen ins Rheinland zurückkehren.

Auf ihre Gegnerinnen kann sie sich allerdings nicht einstellen, denn wann sie kämpft und wer ihr im Duell gegenübersteht, entscheidet die Auslosung erst kurz vor Beginn der Meisterschaften. "Die stärksten Boxerinnen kommen erfahrungsgemäß aus Großbritannien, Russland und Kasachstan. Doch ich war seit den Europameisterschaften 2011 nicht mehr mit der Deutschen Nationalmannschaft unterwegs und kenne die Konkurrentinnen daher nicht genau", sagt Apetz. Sie vertraut im Ring auf ihre eigenen mentalen, physischen und technischen Stärken. Ein halbes Jahr lang hat sie sich mit zwei Trainingseinheiten am Tag intensiv auf die Wettkämpfe vorbereitet und dafür sogar ihre Doktorarbeit in Neurowissenschaften zurückgestellt. "Im Moment möchte ich mich ganz auf den Sport konzentrieren. Denn dazu habe ich nur jetzt die Chance."

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Das Turnier ist daher für die Haanerin auch ein Gradmesser, ob sich ihr Einsatz gelohnt hat. "Es wäre schon schön, wenn das nicht alles umsonst gewesen wäre", betont Apetz, doch ihre innere Anspannung kann sie nicht leugnen. "Heute Morgen war es ganz schlimm. Da sind meine Eingeweide Achterbahn gefahren", gesteht sie. Wenn sie mit den anderen Sportlerinnen aus dem deutschen Team zusammen ist, vergisst sie ihre Aufregung kurzfristig. "Doch wenn die Paarungen feststehen und das mit dem Wiegen beginnt, dann kommt das Kribbeln im Bauch auf jeden Fall wieder."

Gleichzeitig weiß die ambitionierte Boxerin, dass sie nach unzähligen Sprints und Ausdauereinheiten sowie dem jüngsten Sparringslehrgang für den Kampf gut gerüstet ist. "Ich könnte kaum bereiter sein. Nun hoffe ich, dass der Kopf mitspielt meine Nerven ruhig bleiben. Dann kann ich auch im Ring das Beste daraus machen." Das Boxen ist derzeit der Mittelpunkt ihres Lebens. "Der Sport bedeutet mir alles. Ohne Training kann ich mir den Alltag kaum vorstellen."

Die eigenen körperlichen Grenzen immer wieder zu überschreiten, um erfolgreich zu sein, das reizt die 28-Jährige. Sie hätte sich allerdings vor einigen Jahren noch nicht träumen lassen, dass sie ihre Fähigkeiten mal bis zu einer Europameisterschaft bringen. Denn das Boxen entdeckte Nadine Apetz erst mit 21 Jahren. "Die Uni Bremen, an der ich damals studiert habe, hat das angeboten und ich habe es einfach ausprobiert", erinnert sich die Sportlerin. Auf einen Sandsack einzudreschen oder gegen Schatten zu boxen, genügte ihr auf Dauer nicht. "Irgendwann wollte ich wissen, wie gut ich wirklich bin und dazu musste ich in den Ring steigen."

Die Begeisterung ihrer Eltern war zunächst sehr begrenzt. "Besonders meine Mutter hätte sich einen anderen Sport für mich gewünscht." Doch mit den ersten Erfolgen stieg auch der Rückhalt. "Ohne Unterstützung ginge es nicht." Viel Rückhalt bekommt Nadine Apetz auch vom Boxring Hilden. Dort ist sie vor drei Jahren mit offenen Armen empfangen worden. "Sie tun alles, was möglich ist", betont die 28-Jährige. Inzwischen trainiert sie zwar überwiegend am Leistungsstützpunkt in Köln, fühlt sich ihrem Heimatverein aber nach wie vor eng verbunden.

Nach der EM ist für Nadine Apetz vor der WM, die im November stattfindet. Das Fernziel der Haanerin sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Sie ist fest entschlossen, sich bis dahin durchzukämpfen. Danach könnte sie sich gut vorstellen, ihre Doktorarbeit zu vollenden.

(domi)