1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann
  4. Lokalsport

Gründungsmitglied des Kanu Club Hilden

Porträt Uschi Böhnke : „Für mich ist der KC Hilden eine Familie“

Seit 48 Jahren ist Gründungsmitglied Uschi Böhnke im Vorstand des Kanu Club Hilden tätig, die Liebe zum Paddeln bleibt auch mit 78 Jahren, selbst wenn sie aktiv nicht mehr aufs Wasser kann.

Als 1972 der Kanu Club Hilden gegründet wurde, war die damals 30-jährige Uschi Böhnke bereits ihr halbes Leben lang begeisterte Paddlerin. Heute sitzt die 78-Jährige im Rollstuhl. Paddeln kann sie nicht mehr, doch ihrem Verein hält sie weiterhin aktiv die Treue. Uschi Böhnke ist das letzte noch lebende Gründungsmitglied des KC.

Wenn sie von den Anfängen ihres Kanu Clubs erzählt, springen die Funken über: Die Begeisterung für diese außergewöhnliche Sportart hat sich Uschi Böhnke über die Jahrzehnte bewahrt. Noch heute schwärmt sie von dieser wohltuenden Schwerelosigkeit auf dem Wasser und dem Gleiten durch die unberührte Natur. „Es ist einfach ein wunderschönes Gefühl von Freiheit.“ Rund 140 Flüsse auf der Welt hat die Hildenerin in ihrer aktiven Zeit befahren, darunter auch einen reißenden Fluss in den Rocky Mountains. „Diese Fahrt konnte ich gar nicht richtig genießen und habe von der Umgebung kaum etwas mitbekommen, weil ich darauf fokussiert war, heile anzukommen“, erinnert sich Böhnke noch lebhaft.

Sie war 14 oder 15 Jahre alt, als Böhnke als junge Auszubildende die Liebe fürs Paddeln auf Seen und Flüssen entdeckte. Ein glücklicher Zufall. „Ich hatte damals meine Ausbildung als Industriekauffrau angefangen. Mein Chef hatte ein Bootshaus am Rhein, wo die Mitarbeiter paddeln konnten. So habe ich das Rudern gelernt“, fasst die 78-Jährige zusammen. Viele Jahre frönte sie dort ihrer neuen Leidenschaft, bis 1965 das Bootshaus abgerissen wurde. Böhnke war damals Mitglied in der Kanu-Abteilung des TuS Hilden, die sich wenige Jahre danach emanzipierte und eigenständig wurde. Der Kanu Club Hilden war geboren.

Sein Domizil bezog der junge Club am Elbsee. „Gleich zu Beginn sind dann schon 40 Mitglieder des TuS Hilden zu uns übergetreten“, erinnert sich Böhnke. Kein Wunder: Das Clubhaus ist eine kleine Urlaubsoase: „Was viele nicht wissen, der Elbsee ist größer als der Unterbacher See, und es ist einfach nur wunderschön, wenn morgens der Dunst über das Wasser zieht und Gänse und Schwäne dort ihre Runden drehen.“

Im Club übernahm die begeisterte Paddlerin früh Verantwortung. Seit 48 Jahren gehört Uschi Böhnke schon zum Vorstand und kümmert sich noch heute, akkurat und gewissenhaft um die Neumitglieder. Mit ihren 78 Jahren denkt sie noch lange nicht daran, ihre Mitgliedschaft zu beenden, geschweige denn, ihr Amt als Mitgliederverwalterin im Vorstand aufzugeben. Denn obwohl sie schon länger nicht mehr aktiv im Wasser mitgefahren ist, bringt sich Böhnke anderweitig in die Vereinsarbeit ein und übt wichtige Schlüsselfunktionen aus. „Es sind einige Aufgaben, um die ich mich kümmere, aber als Rentnerin habe ich auch die Zeit dazu“, sagt sie schmunzelnd.

Während des Corona-Lockdowns saß Böhnke lange Tage am Computer, fertigte die Abrechnungen für den Verein an. „Diese geistige Arbeit mache ich aber auch sehr gerne.“ Was sie in den vergangenen Monaten besonders vermisste: „Unsere Clubabende jeden Mittwoch am Elbsee.“ Was ihr besonders gut gefällt: „Dass unser Verein altersmäßig sehr durchmischt ist. Wir haben sowohl Jugendliche als auch Ältere und viele mittleren Alters.“

Dieses Jahr, bemerkt sie überrascht, habe es einen riesigen Ansturm gegeben. „Wir haben seit unserer Gründung jedes Jahr an Mitgliedern dazugewonnen, doch so viele wie in diesem Jahr waren es noch nie.“ Rund 30 Neu-Kanuten und Paddler sind in den vergangenen Monaten dazugekommen, sodass der Verein nunmehr 370 Mitglieder zählt. Davon sind aber nicht mehr alle aktiv, erklärt Böhnke. Viele würden, obwohl sie altersbedingt nicht mehr mitfahren oder gar weggezogen sind, weiterhin ihre Beiträge zahlen, aus Verbundenheit, wie das Gründungsmitglied glaubt.

Denn der KC Hilden, sagt sie mit liebevoller Stimme, sei mehr als ein reiner Sportverein. „Das Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl ist bei uns sehr groß, denn Paddeln und Kanufahren schweißt zusammen.“ Auf Flüssen sind die Sportler mindestens zu dritt unterwegs, damit – falls es zu einem Unfall kommt – einer helfen und der andere Hilfe rufen kann. Mit ihren Vereinsmitgliedern habe sie großartige Touren absolviert. Zahlreiche Erinnerungen sind ihr dabei im Gedächtnis geblieben. „Für mich ist der KC Hilden auf jeden Fall eine Familie.“