Porträt Thea Felicitas Müller Und Highway: Gold für ein ganz besonderes Paar

Porträt Thea Felicitas Müller Und Highway : Gold für ein ganz besonderes Paar

Für zehn Siege in der schweren Klasse bekommen Thea Felicitas Müller und Highway das Goldene Reitabzeichen. Vor sieben Jahren erblindete der Wallach – seither hat die 22-jährige Reiterin eine ganz innige Beziehung zu ihrem Pferd.

Mettmann Sie sind ein besonderes Paar: er schwarzhaarig, temperamentvoll und muskulös, sie brünett, scheinbar reserviert und schlank. Gemeinsam verstehen sie sich ohne Worte und vertrauen sich blind. Zahlreiche Siege haben sie zusammen gefeiert. Zweimal waren sie Europameister und zehnmal galoppierten sie nach Dressuren der schweren Klasse an der Spitze auf die Ehrenrunde.

Für dieses Erfolgsserie bekam Thea Felicitas Müller nun vom Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Rheinland, Rolf-Peter Fuß, das Goldene Reitabzeichen verliehen. Die Ehrung widmete die Amazone vom Reit- und Fahrverein Velbert-Heiligenhaus ihrem Partner Highway, genannt Heini. "Sein Anteil daran beträgt 100 Prozent. Mit ihm habe ich alles erreicht", betonte die 22-Jährige.

Ihre Karriere schien vorgezeichnet, als der bewegungsstarke Trakehner eher zufällig in ihr Leben trat. Der damals 15 Jahre alten Schülerin gelang im Sattel von Highway der Sprung in die schwere Klasse und in den Rheinischen Landeskader. Doch von einem Tag auf den anderen zerplatzten alle Träume. Denn die Familie fand nach der Rückkehr aus dem Urlaub den Wallach mit weit aufgerissenen Augen bewegungslos in seiner Box.

Für Thea Felicitas Müller ein Schock. Die Tierärzte diagnostizierten eine seltene Verkümmerung der Netzhaut. Das Pferd war blind. Aussichten auf Heilung gab es keine, die Überlebenschancen schienen gering, eine Rückkehr in den Sport unmöglich. Dennoch gab die Reiterin nicht auf und half ihrem Heini Schritt für Schritt, sich in einem Leben in völliger Dunkelheit zurechtzufinden. Sie lieh ihm ihre Augen, warnte ihn vor Stolperfallen, führte ihn durch seine Umgebung und er revanchierte sich mit herausragenden Leistungen im Viereck. "Er hat es mir sehr leicht gemacht."

Jahre später spürt die Reiterin erst die Last der Verantwortung. Sie braucht Abstand. "Es war alles zu viel für mich. Es hatte sich alles angestaut: die Krankheit, die Anspannung bei der Europameisterschaft. Das musste ich alles erst einmal verarbeiten und brauchte eine Auszeit", berichtet die Sportlerin. Sie gab Heini zunächst in die Obhut einer Freundin, die sie aus dem Kader kannte. Erst als das Pferd zu ihrer Trainerin Walpurga Thomas auf die Reitanlage Löckenhoff in Mettmann zurückkehrte, setzte sie sich hin und wieder in den Sattel.

"Die Trennung ist mir so schwer gefallen, dass ich es nicht beschreiben kann." Nach zwei Jahren hat das Paar jedoch wieder zusammengefunden. Inzwischen reitet Thea Felicitas Müller Heini wieder täglich und stellt ihn erfolgreich auf Turnieren vor. In Wipperfürth gelang ihnen Anfang Mai der zehnte gemeinsame Sieg in der schweren Klasse. Den ersten feierten sie 2007 in Köln. Obwohl das Gold der Europameisterschaft alles überstrahlt, hat auch das Goldene Reitabzeichen für Thea Felicitas Müller einen besonderen Glanz. "Es ist schon ungewöhnlich, das mit einem einzigen Pferd zu schaffen. Es ist ein weiterer Höhepunkt auf unserem gemeinsamen Weg."

Künftig möchte die Amazone ihren Heini allerdings nur noch dosiert einsetzen. Sie wird den inzwischen 17 Jahre alten Wallach nur noch den Richtern präsentieren, wenn er wirklich in Höchstform ist. Viel wertvoller als der Erfolg ist ihr, dass sie wieder zusammengefunden haben. "Er ist etwas ganz Besonderes. Er ist unglaublich liebevoll und gibt viel zurück." Beide verstehen sich ohne Worte und dennoch sieht es manchmal so aus, als ob Highway mit seiner Reiterin spricht. "Er bewegt die Unterlippe immer vor und zurück, er quatscht eben gerne."

Zur Verleihung des Goldenen Reitabzeichens setzt sich Thea Felicitas Müller nicht in den Sattel. Sie führt ihren Rappen neben sich auf das Viereck. Als gleichwertige Partner genießen sie den bewegenden Moment gemeinsam. Sie sind eben ein ganz besonderes Paar.

(domi)
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