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Fußball: Eine Karte hält Erinnerung an WM 1954 wach

Fußball : Eine Karte hält Erinnerung an WM 1954 wach

Dem Mettmanner Edgar Küchler fallen viele Geschichten zu seinen Autogrammen von der Weltmeistermannschaft ein.

Fast in Schönschrift sind die Namen auf der etwas vergilbten Postkarte unter dem grünen Wappen des DFB verewigt. "Die Kerle haben tatsächlich jeder mit einer anderen Tinte unterschrieben", sagt Edgar Küchler und schüttelt rückblickend den Kopf. Das Stück Karton mit den Autogrammen aller Spieler und des Trainers der Weltmeistermannschaft von 1954 hält seine Erinnerung an den ersten deutschen Titel lebendig. "Sepp Herberger, Fritz Walter, Horst Eckel, Toni Turek - es sind alle drauf", sagt der Mettmanner stolz. Persönlich ist er den Helden von damals leider nie begegnet. Die Karte hat er ein Jahr nach dem unerwarteten Erfolg in der Schweiz im Lokal von Werner Liebrich in der Nähe von Kaiserslautern gekauft.

"Wir waren 1955 mit unserer Handball-Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel im Saargebiet unterwegs, das damals noch nicht zu Deutschland gehörte", berichtet Edgar Küchler. Nach der verlorenen Partie kehrte das Team in eben jenes Restaurant ein. "Dort haben wir ein paar Bier getrunken und bekamen eben auch diese Karte angeboten. Werner Liebrich selbst war leider nicht da, daran erinnere ich mich noch genau."

Selbst Sportler mit Fußball-Interesse, hatte Edgar Küchler die Weltmeisterschaften vom ersten Anstoß an vor dem Radio verfolgt. "Als Ingenieursstudent habe ich zugehört und gleichzeitig für die Uni gezeichnet." Als während der Finalübertragung das 2:0 für Ungarn fiel, hatte er die Hoffnung auf einen Erfolg schon fast aufgegeben. Als nach dem 1:2 in der zweiten Halbzeit Rahn den Ausgleich erzielte, hielt ihn jedoch nichts mehr in seiner Bude. "Ich bin raus auf die Straße und in ein Lokal, wo gerade ein Verbindungstreffen stattfand und alle vor dem Fernseher saßen. Nach dem Sieg brach dort ein Riesentrubel aus. Später kamen noch einige von meinen Kommilitonen hinzu und wir haben den ganzen Abend gefeiert."

Unvergessen bleibt für Edgar Küchler der Satz von Moderator Herbert Zimmermann: "Toni, du bist ein Fußballgott." Besonders verbunden fühlte sich der Mettmanner jedoch mit Ottmar Walter. "Als Jugendlicher habe ich zwei Jahre in der Schulmannschaft gespielt und da war ich immer Ottmar Walter, weil ich auf der gleichen Position spielte. Der Spitzname gefiel mir, denn er war ein toller Mitteltürmer", betont Edgar Küchler. Gerne hätte er sein Vorbild mal persönlich kennen gelernt. "Das wäre eine Ehre gewesen. Was ich ihn gefragt hätte, weiß ich nicht - vielleicht, wie er sich fit hält." Die Kameradschaft der damaligen Mannschaft und ihre Hochachtung vor Sepp Herberger haben ihm damals besonders imponiert. "Er war für sie nicht der Trainer, er war der Chef."

Seit damals hat Edgar Küchler keine Weltmeisterschaft verpasst. Das Foul gegen Fritz Walter 1958 im Halbfinale ist ihm noch lebhaft in Erinnerung: "Später war ich froh, dass die Brasilianer die Schweden im Finale geschlagen haben und der Stern von Pelé aufging." Ganz nahe dran war er 1974, als er erneut das Duell Deutschland - Schweden im Stadion in Düsseldorf verfolgte. "Das war spannend. Die Schweden gingen in Führung. Ich saß ganz oben, weil die guten Karten alle längst weg waren und plötzlich schrie jemand neben mir: ,nicht pfeifen!' Stattdessen haben wir dann alle gemeinsam unsere Mannschaft mit Deutschland, Deutschland-Rufen angefeuert. Es hat zwar in Strömen geregnet, aber die Stimmung war unglaublich."

Heute verfolgt er die meisten Spiele gemeinsam mit der Familie. "Wir sind inzwischen 20 Leute und jeder muss einen Tipp abgeben." Sein eigener lautet: Chile. "Sie sind Südamerika-Meister und daher mein Geheimtipp." Der deutschen Mannschaft prophezeit er mindestens das Halbfinale. Die Enttäuschung von Marco Reus kann der 78-Jährige gut nachfühlen. Ihm ist im vergangenen Jahr ähnliches passiert. Auch er wollte zur WM nach Brasilien - allerdings in der Leichtathletik. Doch kurz vor seiner Abreise verletzte sich der passionierte Kugelstoßer und Diskuswerfer schwer am Rücken. Aus der Traum.

Er wirft noch einmal einen Blick auf die vergilbte Postkarte mit den klar erkennbaren Unterschriften. "Bei aller Vorfreude bleibt 54 für mich die eindrucksvollste WM. Denn damals kam der Titel wie Phönix aus der Asche. Bis heute bin ich stolz auf die Karte. Sie ist eine tolle Erinnerung." Nach der WM soll sie einen Rahmen und einen Ehrenplatz neben seinen eigenen Medaillen und Urkunden bekommen.

(domi)