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Kampfsport: Ein Erlebnis: Trainieren mit dem Meister

Kampfsport : Ein Erlebnis: Trainieren mit dem Meister

Der Japaner Kiyoshi Ogawa ist ein Stammgast beim Goju-Ryu-Karate-Club Haan. Zweimal pro Jahr leitet der Träger des achten Dan eine gemeinsame Übungseinheit für alle Altersklassen. Auch diesmal waren die Teilnehmer begeistert.

Alle Augen sind auf Kiyoshi Ogawa gerichtet. Konzentriert ver-folgen die Karate-Schüler jede Be-wegung des Meisters. Geschmeidig und kontrolliert demonstriert der drahtige Japaner mit der gebräunten Haut und dem stahlgrauen Haar die nächste Technik: "Die linke Faust nach vorne, die rechte hinter den Kopf", erklärt Ogawa. Dann zählt er: "Eins, zwei." Die rechte Faust schnellt nach vorne, während er seine linke gleichzeitig ruckartig an den Körper heranzieht. Obwohl Kiyoshi Ogawa an einem Ende der Sporthalle Bollenberg steht, ist er der konkurrenzlose Mittelpunkt. Zweimal im Jahr leitet der Meister mit dem achten Dan ein Training beim Goju-Ryu-Karate-Club Haan.

"Er begleitet unseren Verein bereits seit 40 Jahren. Als Profi hat er ein ganz anderes Auge. Es ist immer wichtig, dass mal jemand anderes auf die Ausführung der Techniken schaut" sagt Manfred Hanrath. Der Vorsitzende sitzt mit einem dicken Strickpullover auf der Bank und verfolgt das Geschehen vom Rand aus: "Eigentlich mache ich immer mit, aber diesmal bin ich nicht ganz fit."

In Reih und Glied stehen die Sportler in ihren weißen Anzügen hintereinander. Der Stoff der gegürteten Jacken und weiten Hosen raschelt jedes Mal, wenn der rechte und der linke Arm im Wechsel zur Seite hinausschnellen. "Ischi, ni, san, yon", zählt Kiyoshi Ogawa auf Japanisch vor. "Huss!", schallt es jedes Mal im Chor zurück. "Ju", sagt der Meister. "Huss!", antworten die Schüler synchron zur Armbewegung. "Gut. Und kurz lockern", sagt der Trainer nach zehn Wiederholungen. "Wenn er etwas erklärt, zählt er auf Deutsch, damit ihn alle besser verstehen. Doch beim Üben der Grundtechniken benutzt er die japanischen Zahlen", sagt Hanrath, "das Huss hat keine Bedeutung. Es ist ein Laut zum bewussten Ausatmen, damit die Energie in den Schluss der Technik fließt."

Die Gruppe ist inzwischen zur nächsten Übung übergegangen. Schrittstellung. Die Fäuste mit an-gewinkelten Armen vor dem Körper, stehen alle in der Halle und warten auf den Kick. Der kommt auf das Kommando des Meisters. "Das Knie dabei richtig hochziehen und dann den Fuß nach vorne", mahnt er. Dann frag er Elisa: "Warum machst du das mit links?" Das Mädchen mit dem rosa Tuch in den kastanienbraunen Haaren lächelt unsicher. "Das ist rechts", sagt der Meister schmunzelnd und klopft seiner Schülerin gleichzeitig aufmunternd auf den rechten Oberschenkel. Lisa versucht es noch einmal. "So ist es gut", lobt Kiyoshi Ogawa.

Elisa ist sichtlich bemüht, alles richtig zu machen, kommt aber immer wieder mit der Koordination durcheinander. "Manches ist ein bisschen anders, als wir es gelernt haben. Daran muss ich mich erst gewöhnen", sagt die Neunjährige. Sie hat vor zwei Jahren mit dem Karate angefangen. "Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren und das hat Spaß gemacht. Es hat viel mit Körperbeherrschung zu tun. Das hilft mir auch bei anderen Sportarten." Sie träumt davon, irgendwann so einen schwarzen Gürtel um die Hüfte zu tragen wie der Meister.

Kiyoshi Ogawa bittet Simone Seidel, sich ihm gegenüber aufzustellen. "Zunächst üben wir den Powerstoß oben", sagt er und lässt seine Faust waagerecht nach vorne auf Simone Seidel zuschnellen. Wenige Zentimeter vor ihrem Kinn stoppt er die Faust kontrolliert ab. Seine Partnerin mit den kurzen blonden Haaren und der athletischen Statur zuckt keinen Millimeter zurück. Ungerührt erwartet sie den nächsten Schlag, der auf ihre Magengrube zielt — und ebenfalls nie ankommt. "Karate hat viel mit Disziplin und Selbstbeherrschung zu tun. Es fordert den Körper und den Kopf. Das ist es, was mich fasziniert", sagt die 35-Jährige, die im Verein die Kindergruppe trainiert. Simone Seidel betreibt Karate seit 25 Jahren und trägt den Schwarzgurt mit lässiger Selbstverständlichkeit.

Kiyoshi Ogawa bewegt sich geschmeidig zwischen den Sportlern, korrigiert hier eine Position und lobt dort mit seiner sonoren Stimme und dem sympathischen Akzent eine Ausführung. Ogawa bleibt bis zum Schluss der Mittelpunkt.

(domi)