Reportage: Die Bambini sollen vor allem Spaß haben

Reportage : Die Bambini sollen vor allem Spaß haben

Ein riesiger Pulk sprintet durch den Hildener Stadtwald. Überall stehen Fotografen– es sind begeisterte Eltern, die den Wettkampf für die Ewigkeit festhalten wollen. Die Winterlaufserie der Hildener AT ist eben für die ganze Familie.

Ein riesiger Pulk sprintet durch den Hildener Stadtwald. Überall stehen Fotografen— es sind begeisterte Eltern, die den Wettkampf für die Ewigkeit festhalten wollen. Die Winterlaufserie der Hildener AT ist eben für die ganze Familie.

HILDEN Etwas skeptisch schauen die Jungs und Mädchen drein, die sich hinter der Linie aus Sägemehl drängen. In die Aufregung vor dem Start mischt sich bei einigen offensichtlich Verunsicherung angesichts der zahlreichen Konkurrenz. Und dann ist es auch noch ziemlich kühl an diesem Sonntagvormittag — Handschuhe und Mützen allein zaubern noch kein Lächeln auf die Gesichter. Das schafft erst Rolf Schulte, der die jungen Läufer kurz vor dem Start motiviert und alle nochmals darauf hinweist: "Ihr sollt Spaß haben beim Laufen. Das ist das Wichtigste." Als der Moderator das Rennen freigibt, fällt die Anspannung von den Kindern ab. Ein riesiger Pulk sprintet los, begeisterte Eltern feuern ihren Nachwuchs an und halten jeden gelaufenen Meter im Bild fest.

Nach nicht einmal zwei Minuten ist der Wettkampf für die ersten Läufer auch schon wieder beendet. 430 Meter lang ist die Strecke beim Bambini-Lauf der Winterlaufserie der Hildener AT im Stadtwald. Die meisten Kinder legen diese Distanz in Höchstgeschwindigkeit zurück. Manche Eltern müssen sich sputen, rechtzeitig die Start-/Zielzone zu erreichen, um das Überqueren der Ziellinie zu dokumentieren. Nach knapp fünf Minuten sind auch die letzten der 43 Starter angekommen, manche leiden unter Seitenstichen, fast alle haben von der plötzlichen Belastung einen roten Kopf. Die stolzen Eltern schließen die kleinen Athleten in die Arme und halten bereits eine Erfrischung bereit. Für viele Worte ist aber noch keine Zeit — Rolf Schulte verteilt einen Ball als Belohnung an die Teilnehmer. Die Seitenstiche müssen einen Moment warten.

"Das Wetter spielt wieder mit und dieses Mal hat auch beim Bambini-Lauf die Zeitmessung geklappt", stellt der Moderator fest. Er wird jedoch nicht müde zu erklären, dass die Winterlaufserie eine Familienveranstaltung sei — und geht mit gutem Beispiel voran: Seine sechsjährige Tochter Merle war ebenso am Start wie Sohnemann Arne, der mit drei Jahren einer der jüngsten Läufer überhaupt war.

Vivien (8) ist extra aus Wermelskirchen nach Hilden gekommen. Sie beißt nach getaner Arbeit herzhaft in eine Waffel und atmet tief durch. Sie fand den Lauf zwar anstrengend, fühlt sich aber fast schon wieder fit, um noch eine Runde zu drehen. Ihre Mutter Claudia Gutscher lächelt vielsagend. Sie ist von der Veranstaltung begeistert. "Es herrscht eine lockere Stimmung, alles ist super organisiert, die Läufe sind kindgerecht. Wir sind in zwei Wochen auf jeden Fall wieder hier", betont Claudia Gutscher. "Dann kommt vielleicht auch meine Schwester Maja mit, die hat heute eine Ballettprobe", bemerkt derweil Vivien.

Ein paar Meter weiter hadert Marius (7) mit seiner Leistung. "Ich hab versucht, die Läufer vor mir einzu-holen. Das hat aber nicht geklappt", konstatiert er. Der Gegenwind habe ihn gestört. Seine Mutter Corinna Voos ist froh, dass sich ihr Sohn mit anderen vergleichen könne, betont aber auch: "Für die Kinder sind die Waffel und der Tee nach dem Lauf wichtiger als die Platzierung. Mit der gemessenen Zeit können sie ohnehin meist noch nichts anfangen." Marius drängt zur Eile. Der junge Haaner will Freunde anfeuern, die beim Jugendlauf starten. Und später drückt er dann seinem Vater und HAT-Triathleten Jens bei der Großen Serie die Daumen.

So durchgefroren wie vor dem Start sieht Luca (5) nach seinem Zieleinlauf nicht mehr aus. Er ist mit seinem Vater Andreas Barkhaus aus Kaarst angereist und hat mit dem Bambini-Lauf seinen ersten Wett-kampf überhaupt absolviert. "Es ist toll, dass laufbegeisterte Eltern hier ihrem Hobby gemeinsam mit den Kindern nachgehen können", erklärt Barkhaus. "Luca hat von sich aus gesagt, dass er auch mal mitlaufen will", stellt der gebürtige Hildener fest, "und dann hat er zwei Wochen lang von nichts anderem mehr geredet." Sein Sohn schlürft derweil in aller Ruhe einen Tee und genießt den Moment. Es sieht ganz danach aus, als habe ihn jetzt auch das Lauffieber gepackt. Vielleicht ist er in 14 Tagen beim dritten und letzten Teil der Winterlaufserie wieder am Start — dann aber vermutlich ein bisschen weniger nervös.

(doe)
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