Der Kick des Kampfes

Der Hildener Kasim Noori tritt bei der Newcomer-Gala in der Bezirkssporthalle am Bandsbusch zu seinem zweiten Duell im Ring an. Er soll bei der Einsteiger-Veranstaltung Erfahrungen sammeln.

Hilden Leichtfüßig tänzelt Kasim Noori in der Umkleide von einem Bein auf das andere. Mit den Fäusten boxt er immer wieder klatschend gegen die dicken Trainingspolster. Jeder Muskel seines schmalen Körpers scheint angespannt, sein Gesichtsausdruck spiegelt Konzentration und einen Hauch Nervosität. "Nicht zuviel machen. Tief Luft holen", sagt Trainer Thomas Römermann. Sein Schützling lässt die Luft hörbar ausströmen. "Lass' dich nicht auf eine Prügelei ein", mahnt der Coach. Dann streift er ihm den schwarzen Mantel mit den gelben Armaufschlägen und der Cobra auf dem Rücken über, klopft ihm aufmunternd auf die Schulter und begleitet ihn in Richtung Arena.

Die Tribüne in der Halle am Bandsbusch ist bereits gefüllt. Rockige Rhythmen dröhnen aus den Lautsprechern. Alle Augen sind auf den Ring im Zentrum der Halle gerichtet. Ungeduldig erwarten die Zuschauer das nächste Duell bei der Newcomer-Gala des Cobra Gym Hilden. Sie klatschen und johlen, als Kasim Noori den Innenraum betritt. Flankiert von Trainern und Betreuern dreht er eine Runde um den Ring, scheint den Rummel um ihn herum aber nicht wahrzunehmen. Für den 15-Jährigen ist es der zweite Kick-Box-Kampf nach K1-Regeln. Er wirkt fokussiert, fast abwesend. Mechanisch bewegt er sich die Treppe hinauf zum Kampfplatz.

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Jemand nimmt ihm den Mantel ab. Sein junger Körper ist durchtrainiert, athletisch. Er streckt die Arme aus. Jamal El Halimi streift ihm die dicken schwarz-roten Handschuhe über und setzt ihm den roten Kopfschutz auf. Kasim Noori schaut starr geradeaus auf seinen Gegner. Er ist mindestens einen halben Kopf größer und strahlt Selbstsicherheit aus. Kasim kann den Blick nicht von ihm wenden.

Sobald die Glocke am Jurytisch läutet, darf er auf ihn losgehen, seine Beine mit Kicks traktieren, ihn kurz umklammern und das Knie zum Einsatz bringen, ihm einen Handrückenschlag versetzen und alle Boxtechniken anwenden. Nur ein längeres Festhalten und der Einsatz des Ellenbogens sind ihm nicht erlaubt. Jamal El Halimi schiebt ihm den Mundschutz zwischen die Zähne. Doch auch dabei lässt Kasim Noori seinen Gegner nicht aus den Augen.

Die Glocke läutet. Kasim geht zum Angriff über. Mit den Fäusten treibt er seinen Gegner vor sich her, bis der rückwärts in die Seile taumelt. Er tritt, kickt und boxt und lässt dann plötzlich von ihm ab. "Weiter, weiter!", brüllt Thomas Römermann von außen in den Ring, doch Kasim scheint ihn nicht zu hören. Er bekommt stattdessen die Schläge seines Gegners zu spüren. Kasim wehrt sich. In einer geschmeidigen Drehung holt er zum Handrückenschlag aus, trifft aber nur den blauen Kopfschutz. Die Glocke läutet.

Zwei Minuten sind vorbei. Außer Atem lässt sich Kasim Noori in der Ecke in die Seile fallen. Jemand fächelt ihm mit einem Handtuch Luft zu. "Du hast die erste Runde gewonnen. Mach' weiter so. Geh' zum Kopf", sagt Thomas Römermann. Er hat den 15-Jährigen drei Monate lang mit fünf Einheiten in der Woche auf dieses Duell vorbereitet. Er möchte, dass der Nachwuchssportler im Ring Erfahrungen sammelt. Seit einem Jahr trainiert er bei ihm im Cobra Gym, hat dort seinen Körper mit Kraft- und Ausdauer-Übungen geformt, gestählt.

Die Glocke läutet. Thomas Römermann zieht sich hinter die Absperrung zurück. Vornüber gebeugt lehnt er auf dem Schaumstoffpodest und verfolgt jede Bewegung von Kasim Noori. Die Schnellkraft seiner Schläge und Kicks lässt mit jedem Treffer auf die harte Muskulatur seines Gegners nach. Rote Flecken haben sich auf Rücken, Bauch und Schultern ausgebreitet. "Mehr mit den Beinen arbeiten! Los! Weiter! Weiter! Komm! Nicht nachlassen!", schreit Thomas Römermann, um das Gejohle der Zuschauer zu übertönen. Er ist rot im Gesicht und wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Als die Glocke läutet, ist er mit einem Satz im Ring.

Eindringlich redet er auf Kasim ein. Der wirkt erschöpft, rafft sich aber wieder auf, als die Glocke erneut ertönt. Mit aller Kraft holt er mit seinem rechten Bein aus, trifft den Gegner an der Hüfte, rutscht aus und landet auf der Matte. Sofort ist er wieder auf den Beinen. Seine Bewegungen haben jedoch ihre katzenhafte Athletik verloren. Die Schläge sind nicht mehr so platziert, die Kicks langsamer, die Muskulatur müde. Die Sekunden scheinen sich zäh in die Länge zu ziehen, bis endlich die Glocke läutet. Kasim sackt erschöpft zusammen. Er weiß, dass er verloren hat und nimmt das Urteil des Ringrichters ausdruckslos hin, der den Arm seines Gegners hochreißt. Schweren Schrittes steigt er aus dem Ring.

(domi)