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Leichtathletik: Der Halbmarathon als krönender Abschluss

Leichtathletik : Der Halbmarathon als krönender Abschluss

Nach Startschwierigkeiten kommt die Hildener Winterlaufserie richtig auf Touren. Allein 300 Sportler nehmen die lange Distanz in Angriff.

Hilden Dichtes Gedränge herrscht an der Startlinie im Stadtwald. Sportler in bunten Trikots treten von einem Bein auf das andere und können es kaum erwarten, endlich loszulaufen. Volker Siepe steht in der ersten Reihe. Zu dem leuchtend blauen Trikot, auf dem in weißen Lettern Hildener AT zu lesen ist, trägt er eng anliegende schwarze Hosen, Mütze und Handschuhe. Er wirkt locker, klatscht sich noch mit einigen Teamkollegen ab, bevor sich sein Blick wieder nach vorne richtet. "Wir starten mit ,auf die Plätze, fertig' und dann pfeife ich", sagt Organisator Rolf Schulte ins Mikrofon. "Wenn ihr in den Wald kommt, ist es ein bisschen glatt", warnt er.

Dann gibt er das Startsignal, führt die Pfeife an den Mund und bläst hinein. Ein schriller Ton durchschneidet die eiskalte Luft. Die Sohlen der Turnschuhe platschen durch den Schneematsch, als sich die rund 300 Teilnehmer des Halbmarathons gleichzeitig in Bewegung setzen. Das farbenfrohe Feld verschwindet zwischen den Bäumen. Der Beifall der wenigen Zuschauer begleitet die Läufer auf die letzte Etappe der Hildener Winterlaufserie. Volker Siepe aus der Triathlonabteilung der Hildener AT hat vor zwei Wochen bereits die 15-Kilometer-Strecke absolviert. "Da war ich Vierter. Diesen Platz peile ich heute auch wieder an, meine Zeit wird so bei einer Stunde und 23 Minuten liegen", sagte der durchtrainierte Athlet vor dem Start.

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Nach wenigen Minuten hat er den ersten Kilometer der Einführungsrunde hinter sich und läuft das erste Mal am Verpflegungsstand vorbei. Wasser und Tee, die ihm helfende Hände entgegenstrecken, würdigt er keines Blickes. Mit großen Schritten taucht er in den Wald ein, Steine und Sand knirschen unter seinen Sohlen. Das kompakte Feld, das ihn verfolgt, hat sich in eine langgezogene Schlange verwandelt. Einzeln oder zu zweit passieren die Läufer das aufgeblasene Zieltor und verschwinden dann wieder aus dem Blickfeld der Zuschauer.

Vor den Sportlern liegt nun die erste Fünf-Kilometer-Runde, die von den Tennisplätzen bis fast zur Autobahn und dann linksherum, am Forsthaus vorbei zurückführt. "Viermal müssen sie die Strecke absolvieren", sagt Rolf Schulte und wirft einen flüchtigen Blick auf die Uhr, die auf dem Bildschirm seines Computers mitläuft. Sie zeigt acht Minuten und 52 Sekunden an. "Nun dauert es ein bisschen. Die Besten brauchen für die Distanz etwa 20 Minuten", sagt der Organisator und Moderator, der die Serie im vergangenen Jahr erstmals startete. "Dabei hatte ich jedoch weniger die Topleute als mehr die Breitensportler als Zielgruppe im Sinn."

Der Fahrer des Führungsfahrrades biegt in seiner neongelben Warnweste auf die Zielgerade ein. "Da kommt der Führende. Es ist mit der Nummer 416 Nikki Johnstone", verkündet Rolf Schulte über die Lautsprecher. "Nur 24 Minuten auf sechs Kilometer, das wird eine Wahnsinnszeit", ruft er dem Athleten hinterher. Der ist jedoch bereits aus seinem Blickfeld verschwunden. Die Verfolger lassen auf sich warten. Vereinzelt tauchen sie schließlich auf. "Als Gesamtfünfter unser Volker Siepe. Super Volker, weiter so!", ruft Schulte. Er bekommt ein schiefes Grinsen, dann biegt der Triathlet auf seine zweite Runde ein und der Organisator beißt herzhaft in sein Würstchen und wärmt sich die klammen Finger an einem würzig duftenden Glas Glühwein.

Am Verpflegungsstand füllt Robert Lindig die Plastikbecher mit Wasser, Cola und heißem Zitronentee nach. Die dampfende Flüssigkeit entfaltet sogleich ihr süßliches Aroma. "Das sieht nicht gerade gesund aus, doch das ist genau das, was die Sportler jetzt brauchen: schnell verfügbare Kohlenhydrate, sprich Zucker. Bei dem, was sie unterwegs verbrennen, ist das sowieso gleich wieder weg", sagt Schulte.

Einige Minuten später taucht der Führende erneut zwischen den Bäumen auf. Er scheint das Fahrrad nun regelrecht vor sich herzutreiben. An der Reihe von Bechern, die sich ihm entgegenrecken, sprintet Nikki Johnstone vorbei. Volker Siepe greift wenig später nach einem Wasserbecher. Die Flüssigkeit schwappt über seine Handschuhe. Mit einer kurzen Armbewegung schüttet er sich das Getränk ins Gesicht und wirft den Becher achtlos zur Seite. Die Anstrengung ist ihm deutlich anzusehen. Seine Wangen sind rot, Schweißperlen glitzern auf seiner Stirn und sein Atem geht stoßweise. Doch er hält Tempo und Rhythmus. Eine lange Reihe Läufer in bunten Trikots ist ihm auf den Fersen.

(domi)