Den 19-Jährigen erwartet ein intensives Training

Fußball: Haaner freut sich auf Fußball in den USA

Julian Zaß war als junger Kicker schon zur Sichtung bei Bayern München. Von der SSVg Haan wechselte er zum FC Viktoria Köln.

Seit seinem vierten Lebensjahr kickt Julian Zaß nicht nur voller Leidenschaft, sondern offensichtlich auch mit viel Talent. In den Reihen der SSVg Haan aufgewachsen, wurde er bereits mit acht Jahren zu einer Sichtung bei Bayern München eingeladen. Mit 15 Jahren wechselte er in die Jugend des 1. FC Köln und stand die vergangenen vier Jahre bei Viktoria Köln unter Vertrag. Nun hat der 19-Jährige ein Sportstipendium in den USA erhalten, wo er Fußball und Studium miteinander verbinden kann.

Eigentlich hätte Zaß, nach seinem bestandenen Abitur im vergangenen Jahr am Gymnasium in Haan, eine Profikarriere anstreben können, sich ganz auf den Fußball konzentrieren. Hätte – wollte er aber nicht, zumindest nicht ausschließlich. Ein Mittelfußbruch im Frühjahr hielt ihn in der vergangenen Saison davon ab, in der ersten Mannschaft der Kölner Viktoria mitzuspielen. Ein Wendepunkt? „Das hat mir auf jeden Fall bewusst gemacht, dass ich mich nicht nur auf den Fußball verlassen möchte“, sagt der 19-jährige Haaner nachdenklich.

Geboren 1999 in Kamp-Lintfort, verbrachte der Sohn des Haaner Kinderarztes Rolf-Peter Zaß, seine Kindheit in der Gartenstadt. Fußballerisch hat er in seiner 15-jährigen Karriere schon alle Positionen ausprobiert, fühlt sich aber in der Verteidigung am wohlsten. Ein Fußball-Stipendium für die USA wurde ihm bereits im vergangenen Jahr angeboten. „Damals fühlte ich mich aber noch nicht bereit dafür. Ich wollte mich nach dem Abi erst ein bisschen entspannen, jobben und Fußball spielen.“ Er dachte über ein Medizinstudium nach.

Weil das mit einem Durchschnitt von 1,8 aber nicht funktioniert – zumindest nicht sofort – und der Mittelfußbruch dazu kam, der mittlerweile verheilt ist, rückte das Fußballstipendium wieder in den Fokus. Ein ehemaliger Mannschaftskamerad erzählte von seinen Erfahrungen als Fußballstipendiat in den Staaten und vermittelte das Gespräch zu seinem Trainer, mit dem sich Zaß über Videotelefonie unterhielt. „Das klang alles sehr interessant“, erinnert sich der 19-Jährige, der sich daraufhin eine Organisation suchte und sich erfolgreich für das Stipendium bewarb. Im August fliegt der Haaner nach Hartfort, Hauptstadt des Bundesstaates Connecticut, rund 200 Kilometer nordöstlich von New York, um dort an der Central Connecticut University zu studieren.

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Dabei sind die Vereinigten Staaten nicht unbedingt wegen ihres fußballerischen Talentes bekannt. „Das versucht man dort aber seit einigen Jahren zu ändern und fördert den Fußball“, erzählt Zaß. Beispielsweise durch die Verpflichtungen von Topspielern, wie Zlatan Ibrahimovic, Didier Drogba oder Andrea Pirlo, die ihre Karriere in den USA ausklingen lassen und Prestige in die Major Soccer League (MSL) bringen. Aber auch viele junge Spieler aus Europa, die bereits in der Jugend europäischer Top-Klubs spielen, erhalten in den USA ein Stipendium. „Das heißt, dort herrscht schon ein hohes Niveau.“ Zaß glaubt daher durchaus an einen fußballerischen Qualitätssprung. „Das wichtigste ist eigentlich, dass man einen guten Trainer hat, bei dem man sich weiterentwickeln kann.“

Als Fußballstipendiat, erzählt er, „trainiert man zweimal am Tag, neben dem Studium. Das ist sicherlich ein hohes Pensum, dass allerdings mit Vorsaison und Saison nur vier Monate dauert.“ In dieser Zeit wird Zaß in seinem College-Team um die Meisterschaft spielen, steht also – zusätzlich zu den täglichen Trainingseinheiten – auch am Wochenende auf dem Platz. Nach der Saison trainiert das Team weiter, jedoch reduzierter. „In den USA haben die Sportler das Privileg, Klausuren, die während der Saison anfallen, zu verschieben und ein bis zwei Wochen später zu schreiben.“ Das Studium dort ist allgemeiner gehalten als in Europa. „Im ersten Semester werden die Fächer noch von der Uni vorgegeben und danach kann man sich in eine gewisse Richtung orientieren. Aber erst mit dem Major (Hauptfach) legt man sich auf eine Richtung fest“, erklärt Zaß. Auswählen kann er unter anderem zwischen Fächern wie Biologie oder Business. „Medizin geht leider nicht, dafür müsste ich an eine Medical School gehen und selbst, wenn das klappte, könnte ich mit einem US-amerikanischen Titel nicht in Deutschland praktizieren.“ Deswegen hat sich Zaß für die Business-Spezialisierung entschieden, was sich ohnehin gut mit dem Fußball verbinden lässt.

Das Stipendium läuft zunächst ein Jahr und wird, sofern die fußballerischen Leistungen stimmen, um ein weiteres Jahr verlängert. Insgesamt vier Jahre braucht es, um das Studium zu absolvieren. Ob Julian Zaß es so lange macht oder das Abenteuer USA als Erfahrungsschatz mitnimmt, weiß er noch nicht. „Ich lasse alles auf mich zukommen.“ Ein absoluter Traum wäre es sicherlich, den Sprung in die MSL zu schaffen oder später in Europa als Profifußballer zu spielen. „Falls es mit dem Fußball aber doch nichts wird, habe ich durch das Studium immer noch was Handfestes in der Hand.“

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